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Norddeutsche Rundschau

12. Dezember 2017 | 09:47 Uhr

Glaube : Dialog zwischen Religionen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ökumenischer Gesprächskreis trifft sich heute zum ersten Mal und will Zeichen für den Frieden setzen

shz.de von
erstellt am 12.Mär.2015 | 04:53 Uhr

Zusammenrücken? Kein Problem. Nicht nur für ein Foto in der Moschee in Itzehoe setzen sich die Gläubigen in einen Kreis. „Wir wollen uns besser kennenlernen“, sagt Franz Maierhofer. Der Katholik aus der St. Ansgar Gemeinde hat ein interreligiöses Glaubensgespräch ins Leben gerufen – zunächst zwischen Christen und Muslimen in Itzehoe. Heute findet das erste Treffen statt. Während die Vertreter unterschiedlicher Religionen auf Landesebene über den Gottesbezug in der Verfassung diskutieren, wollen sich die Itzehoer ganz praktisch mit ihren Göttern beschäftigen – in Gesprächen. „Nur so können wir Missverständnisse vermeiden und Vorurteile ausräumen“, sagt Bülent Özsimsek vom Vorstand des türkisch-islamischen Kulturvereins, der direkt neben Maierhofer sitzt.


Im Alltag wird zu wenig über Glauben gesprochen


Offenheit – das ist beiden wichtig. „Gerade nach den Anschlägen von Kopenhagen und Paris gibt es immer wieder Unsicherheiten. Ich höre immer wieder die Frage: ,Waren das wieder die?‘“, sagt Franz Maierhofer. Doch „die“ – die gebe es nicht. „Wir Muslime in Itzehoe haben nichts mit Terroristen zu tun“, sagt Özsimsek und Pfarrer Ulrich Krause ergänzt: „Unsere Religionen verbindet, dass das Töten eines Menschen, die größte Sünde ist, die jemand begehen kann.“ Und trotz aller Verbindungen: Man spreche im Alltag über alles mögliche – aber zu wenig über den Glauben, sagt Özsimsek.

Die Gespräche wird es einmal im Monat geben – in lockerer Form. Einen besonderen Termin gibt es am 17. Juni in der Moschee, wenn die islamische Gemeinde ihre Tore zum ersten Mal überhaupt am ersten Tag des Ramadan für Besucher öffnet. „Da werden wir noch ein besonderes Programm haben“, sagt Özsimsek. „Wir freuen uns darauf, mit Freunden zu feiern.“

Sonst sind die Gespräche eher locker organisiert. „Vielleicht gibt es mal ein Lied, ansonsten wollen wir auf Fragen der Menschen eine Antwort finden – abwechselnd in Moschee und im St. Ansgar Familienzentrum“, sagt Maierhofer. „Denn ich weiß, dass bei unseren Gemeindemitgliedern das Wissen über den Islam nicht sehr groß ist.“ Özsimsek kann das umgekehrt ebenso bestätigen. „Wir wollen in der Moschee über christliche Themen sprechen und im Familienzentrum über islamische.“ Dabei wird auch Imam Selahattin Getkin dabei sein, der auf alle Fragen rund um den Islam Antwort geben wird. Es sei immer besser, sich bei jemandem zu informieren, der sich damit auskenne anstatt einfach im Internet nachzusehen und auf zweifelhafte Quellen zu vertrauen, so Özsimsek. Bei den Gesprächen soll es keine Tabus geben. Der Imam wird auch über Themen wie Islam und Gewalt oder die Rolle der Frau in der muslimischen Welt sprechen. „Da wird viel kulturelle Tradition in der arabischen Welt mit dem Islam in einen Topf geworfen – das wollen wir wieder trennen“, so Özsimsek.

Und was Fragen des Missbrauchs einer Religion angehe, seien Katholizismus und Islam nicht weit auseinander. „Wir haben alle unsere dunklen Kapitel, auch wir Katholiken – wenn man etwa an die Hexenverfolgung oder die Kreuzzüge denkt“, sagt Pfarrer Krause. Damit Missverständnisse nicht irgendwann in Gewalt münden, auch deswegen gibt es die interreligiösen Gespräche. „Natürlich sind auch evangelische Gemeinden eingeladen – überhaupt Menschen aller Glaubensrichtungen“, sagt Maierhofer. „Dialog ist die Voraussetzung für den Frieden“, meint Krause – und Maierhofer ergänzt: „Wir werden die Welt nicht verändern, aber wir verändern uns durch die Diskussion.“ Und dafür ist das Zusammenrücken ein erstes Zeichen.

> Der Auftakt der interreligiösen Gespräche findet heute von 20 bis 21.30 Uhr ausnahmsweise in der St. Klemens-Kirche, Albert-Schweitzer-Ring 16, in Edendorf statt.


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