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Sprachkursus : Dialog in Deutsch holt Migranten aus der Isolation

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Sie fliehen vor dem Krieg in ihrer Heimat – und landen in der Einsamkeit. Ein Sprachkursus von Volkshochschule und Stadtbücherei in Itzehoe hilft.

von
erstellt am 24.Aug.2014 | 08:00 Uhr

In seiner Heimat hatte er viele Freunde und besuchte die Universität, um Anwalt zu werden. Wegen des Kriegs floh Mohamad aus Syrien. Jetzt wohnt der 23-Jährige in Wacken, kennt kaum jemanden und gehört nicht so richtig dazu. Das würde er gerne ändern. Er möchte Fuß fassen in Deutschland. Und er weiß: Dafür muss er die Sprache beherrschen. „Wenn man hier leben und arbeiten will, ist die Sprache wichtig“, sagt er. Jeden Donnerstag kommt er deshalb in die Stadtbibliothek. Von 16 bis 17 Uhr findet dort der „Dialog in Deutsch“ statt.

Nach dem Vorbild der Bücherhallen Hamburg, die es seit Jahren erfolgreich betreiben, haben Bücherei und Volkshochschule das Projekt in Itzehoe ins Leben gerufen. Bei dem kostenlosen Angebot sollen sich Migranten mit Muttersprachlern treffen und klönen, aber auch ihr Wissen vertiefen und vielleicht sogar Freundschaften knüpfen.

„Manchmal werden Stichworte vorgegeben, zum Beispiel das Thema Essen oder Feiertage, über die dann geredet wird“, erklärt Rolf Hartwich. Der Rentner findet die Initiative gut. Mit Sorge denkt er an Zeiten, als etwa in Oelixdorf gegen Asylbewerberheime Stimmung gemacht wurde. „Aus solchen Erfahrungen muss man lernen und rechtzeitig dagegen halten.“ Die Teilnehmer, die neben Syrien zum Beispiel aus dem Iran oder Armenien kommen, seien sehr bemüht. „Das muss man unterstützen.“

Zwanglos geht es bei dem Treffen zu. „Heute wollen wir etwas spielen“, sagt Patricia Fasheh, die das Projekt in der Bibliothek zusammen mit Saskia Maier begleitet und mit der bisherigen Resonanz zufrieden ist – weitere Mitstreiter sind jedoch jederzeit willkommen. Beim Memory spielen lernen die Teilnehmer ganz nebenbei neue Worte. Mohamad und Wahda (24), der ebenfalls aus Syrien stammt und dort Tourismus studierte, haben Spaß. „Es ist nicht nur das Deutsch sprechen. Es ist hier wie eine Familie. Ich freue mich, wenn ich her komme“, sagt Mohamad. Und er mag Itzehoe. „Eine größere Stadt ist besser. In Wacken ist es ein bisschen langweilig.“ Nur beim Wacken Open Air sei das anders gewesen: „Das war gut.“

Gerade die Isolation sei schwierig für die jungen Leute, weiß Christel Stöver. Die Übersetzerin ist regelmäßig beim „Dialog in Deutsch“ und hat die jungen Migranten ins Herz geschlossen. Auch abseits der offiziellen Treffen übt sie mit einigen von ihnen Deutsch. „Sie scharren mit den Füßen. Sie sind so wissbegierig“, sagt sie. „Sie wollen lernen, arbeiten.“ Viele hätten zuhause studiert. Die jungen Männer leihen sich Bücher aus, bemühen sich. „Sie machen unglaubliche Fortschritte. Und sie freuen sich, dass sie Anschluss haben.“ Umgekehrt lernen auch die Einheimischen: „Man liest in der Zeitung so viel von Syrien“, sagt Christel Stöver. Beim „Dialog in Deutsch“ könne man hautnah erfahren: „Wer sind diese Menschen?“

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