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Norddeutsche Rundschau

24. November 2017 | 06:40 Uhr

Diäten machen nicht schlank

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Morgen ist der internationale Anti-Diät-Tag: Im Interview spricht Ärztin Dorothee Staiger über die Gefahren vieler einseitiger Abnehm-Konzepte

shz.de von
erstellt am 05.Mai.2017 | 05:00 Uhr

Nichts ist schwerer als leichter zu werden. Diese Erfahrung machen Jahr für Jahr Millionen Menschen. Kein Fett, keine Kohlenhydrate, nur Ananas oder tagelang Kohlsuppe – mit immer neuen Diäten versuchen sie abzunehmen. Anlässlich des internationalen Anti-Diät-Tags am 6. Mai erklärt Dr. Dorothee Staiger, Diabetologin, Ernährungsmedizinerin und Oberärztin der Medizinischen Klinik im Klinikum Itzehoe, warum dies meist nicht zum Erfolg führt.

Frau Staiger, ist der Anti-Diät-Tag wirklich ein Grund zum Feiern? Übergewicht ist doch ungesund.

Übergewicht und Adipositas erhöhen das Risiko für viele Erkrankungen, zum Beispiel Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Gelenkbeschwerden, Schlaganfälle, Herzinfarkte und Krebs. Vor allem das ausgeprägte Bauchfett ist dabei kritisch zu beurteilen. Eine Reduzierung des Gewichts um fünf bis zehn Prozent hilft, die Risikofaktoren zu verbessern. Es ist also prinzipiell wichtig, auf das Gewicht zu achten, aber nicht nur kurzfristig durch eine Diät, sondern langfristig durch eine Verhaltensänderung.

Was heißt das genau?

Eine Diät ist oft ein erster Schritt in einen Teufelskreis. Klinische Studien beweisen: Diäten machen nicht schlank, sondern dick. Sie sind in der Regel so ausgelegt, dass sie nicht dauerhaft durchzuhalten sind. Sie sind oft unausgewogen und nicht regelhaft mit einem Bewegungsprogramm verbunden, so dass es zu einem Muskelabbau und später Jojo-
Effekt kommt. Nach dem Ende der Diät werden alte Verhaltensmuster wieder aufgenommen, und nichts verändert sich. Das Gewicht steigt über das Ausgangsgewicht hinaus an, so dass ein Gefühl des Scheiterns entsteht. Dies ist oft mit dem Gedanken gekoppelt, es sei ein persönliches Schicksal, welches dahinter stünde. Frust ist die Folge - und die Abwärtsspirale mit Belohnung durch Essen, Gewichtszunahme, neuer Diät beginnt.

Aber wie wird man die lästigen Pfunde dann los?

Das Thema sollte ganzheitlich betrachtet werden: Warum bin ich übergewichtig? Esse ich aus emotionalen Gründen – weil ich mich belohne oder mir langweilig ist? Welche Rolle hatte Essen in meiner Familie? Ist die Energiedichte der Lebensmittel, die ich konsumiere, hoch und fehlt die Sättigung? Wie viel Energie führe ich zu, wie viel verbrauche ich? Auch der Blick auf die Verwandtschaft lohnt sich. Sind viele Menschen in meiner Familie übergewichtig, liegt es häufig auch an den Genen. Bei hochgradiger Adipositas kann in manchen Fällen nur noch eine Bariatrische Operation, also eine Operation gegen die Schwere, helfen. Die wichtigsten Säulen in der Adipositastherapie bilden die Ernährungstherapie und das Bewegungsverhalten. Ohne regelmäßige sportliche Aktivität ist eine Gewichtsreduktion kaum möglich. Wenn das Essen zur Kompensation emotionaler Zustände dient, kann auch eine Verhaltenstherapie nötig und hilfreich sein.

Das klingt jetzt aber nicht nach „zehn Pfund in fünf Tagen“?

Das stimmt. Schnelle Erfolge werden spätere Misserfolge nach sich ziehen. Man braucht Geduld. Verhaltensänderungen sind mühsam und erfordern Disziplin. Es dauert rund acht Wochen, bis sie automatisch umgesetzt und in den Alltag integriert werden können.

Kann man das alleine schaffen?

Prinzipiell schon, aber Studien legen den Schluss nahe, dass die Anbindung an eine Arztpraxis oder Gruppe unterstützend wirkt. Deshalb sind Gruppenprogramme so erfolgreich. Im Klinikum Itzehoe bietet das Adipositaszentrum für Menschen mit starkem Übergewicht das Doc-Weight-Programm an. Dies ist ein Gruppenprogramm mit Verhaltens-, Ernährungs- und Bewegungstraining unter medizinischer Begleitung. Hilfreich ist aber auch eine ambulante Ernährungstherapie mit regelmäßigen Gesprächen und individuellen Beratungen. Auch eine solche Ernährungstherapie bietet das Klinikum Itzehoe an.

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