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Norddeutsche Rundschau

25. November 2017 | 12:37 Uhr

Medizin : „Diabetes tut nicht weh“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Zum Weltdiabetes-Tag erklärt Dorothee Staiger aus dem Klinikum Itzehoe Ursachen und Behandlung der Volkskrankheit.

shz.de von
erstellt am 14.Nov.2017 | 05:00 Uhr

Seit 2007 ist der Weltdiabetes-Tag ein offizieller Tag der Vereinten Nationen. Er wird am 14. November begangen, dem Geburtstag von Frederick G. Banting, der mit Charles Herbert Best 1921 das lebenswichtige Insulin entdeckte. Im Interview erklärt Diabetologin Dorothee Staiger, Oberärztin der Medizinischen Klinik im Klinikum Itzehoe, warum die Stoffwechselkrankheit so gefährlich ist.

Frau Dr. Staiger, die „Zuckerkrankheit“ ist immer wieder Thema , sogar ein eigener Tag ist ihr gewidmet – hat Diabetes mellitus wirklich so viel Aufmerksamkeit verdient?
Staiger: Absolut! Die Erkrankung befindet sich weltweit auf dem Vormarsch. In Deutschland leiden schätzungsweise acht Millionen Menschen an Diabetes, bei den über 75-Jährigen ist es jeder Vierte. Man spricht von einer „Volkskrankheit“. Und Diabetes Typ 2, der lange als „Altersdiabetes“ galt, trifft auch schon Kinder.

Typ 1, Typ 2 – was bedeutet das?
Wenn eine Autoimmun-Erkrankung vorliegt, spricht man von Typ-1-Diabetes. In diesem Fall wird die Funktion der Bauchspeicheldrüse durch körpereigene Antikörper zerstört, so dass zu wenig oder gar kein Insulin mehr gebildet wird und der Blutzuckerwert ansteigt. Der Typ 1 macht aber nur einen geringen Teil der Fälle aus. Bei mehr als 90 Prozent der Diabetes-Erkrankungen handelt es sich um Typ 2. In diesen Fällen ist ein Zusammenspiel aus falscher Ernährung, Bewegungsmangel und genetischen Anlagen der Grund für die Erkrankung.

Warum ist Diabetes so gefährlich?
Diabetes tut nicht weh. Er kann über Jahre unentdeckt bleiben. Und er kann zu zahlreichen Folgekrankheiten führen, zum Beispiel Schlaganfall, Herzinfarkt und Netzhauterkrankungen. Problematisch ist auch, dass gerade im ländlichen Bereich nicht immer eine fachärztliche Betreuung gewährleistet ist, was beim Auftreten von Folgen wie dem diabetischen Fußsyndrom zu ernsten Problemen der Patienten führen kann. Diabetespatienten sind infektanfälliger, daraus resultiert auch eine eingeschränkte Wundheilung. Sind erst Folgeerkrankungen aufgetreten, ist das Diabetes-Management zuweilen sehr anspruchsvoll.

Brauchen diese Patienten dann eine spezielle Betreuung?
Eine engmaschige Vernetzung aus ambulanter und stationärer Versorgung ist zum Wohle der Patienten hilfreich. Ich freue mich daher, am 1. Dezember eine diabetologische Schwerpunktpraxis im MVZ Steinburg am Klinikum Itzehoe eröffnen zu können. Dort sollen Diabetiker Hand in Hand mit den niedergelassenen Ärzten behandelt werden. Hausärzte können ihre Patienten in die Schwerpunktpraxis schicken, wenn sie Unterstützung bei der Behandlung benötigen, beispielsweise, weil ein Patient schlecht eingestellt ist oder eine Schulung braucht.

Der Weltdiabetestag 2017 steht unter dem Thema „Frauen und Diabetes“ – also gibt es bei der Krankheit Besonderheiten hinsichtlich des Geschlechts?
Diese Unterschiede wurden erst in der jüngsten Zeit erkannt. Männer erkranken häufiger in jüngeren Jahren, und ihr Body-Mass-Index, also das Verhältnis von Gewicht zu Größe, liegt im Schnitt niedriger als bei Frauen. Frauen sind deutlich gefährdeter, beim Typ 2 Komplikationen zu entwickeln. Männer mit Typ 2 tragen ein zwei bis drei Mal so hohes Herzinfarkt-Risiko wie Gesunde, bei Frauen liegt das Risiko vier bis sechs Mal so hoch.

Kann man sich vor Diabetes schützen?

Gegen Typ 2 kann man etwas tun. Und das gilt für jedes Alter – es ist nie zu spät. Schon eine moderate Gewichtsreduktion um fünf bis zehn Prozent wirkt sich positiv auf Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Herzkreislauferkrankungen aus. Wenigstens zehn Minuten Bewegung am Tag haben schon eine erhebliche gesundheitsfördernde Wirkung – und schützen jetzt in der dunklen Jahreszeit obendrein auch vor Depressionen. Wichtig ist aber auch, die Diagnosestellung nicht zu verschleppen. Wer Risikofaktoren hat, sollte frühzeitig einen Arzt aufsuchen. Ab dem vollendeten 35. Lebensjahr können Versicherte bei einem Check-up bei ihrem Hausarzt auch ein mögliches Diabetes-Risiko ermitteln lassen.

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