zur Navigation springen

Integration : Deutsche Sprache – schwere Sprache

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Einwanderer Kinder lernen in Glückstadt ein Jahr lang Deutsch als Zweitsprache, bevor sie am normalen Unterricht teilnehmen. Lesepaten gesucht.

shz.de von
erstellt am 29.Nov.2014 | 15:54 Uhr

„Ich bin Elvir aus Serbien. Ich bin elf Jahre alt. Ich mag eine Katze.“ Diese Sätze hat der Schüler in großen, mit wackeliger Hand geschriebenen Druckbuchstaben auf seinem Steckbrief vermerkt. Sie gehören zu seinen ersten Sätzen, die er auf Deutsch geschrieben hat. Vor wenigen Monaten kam er mit seiner Familie als Asylbewerber nach Deutschland. Ob und wie lange er vorher eine Schule besucht hat, ist nicht bekannt. Das Gleiche gilt für seine Geschwister Renat (17), Elvin (16) und Elvira (13), die neben ihm auf der Schulbank sitzen.

Für sie heißt es jetzt: Lernen, Lernen, Lernen. Und da das ohne eine gute Verständigung nicht funktioniert, steht das Lernen der Sprache im Vordergrund: Zehn Schüler unterrichtet Lehrerin Christine Lessau im Moment in ihrer DaZ-Klasse an der Elbschule. Die Abkürzung steht für „Deutsch als Zweitsprache“. Von diesen Klassen gibt es derzeit drei im Kreis Steinburg. Eine in Glückstadt und zwei in Itzehoe. „Zu mir kommen Einwanderer-Kinder, die in der Regel noch gar kein Deutsch können“, sagt Lessau. Am Anfang laufe die Verständigung meist mit Händen und Füßen. Die Sprachen der Einwanderer wie Serbisch oder Arabisch beherrsche sie nicht. Doch in der Regel lernten ihre Schüler schnell, Deutsch zu verstehen. Vier Stunden täglich übt die Lehrerin mit ihren Zöglingen, montags sogar sechs Stunden. „Das ist harte Arbeit für die Schüler. Danach sind sie in der Regel völlig fertig“, berichtet sie.

Der Fokus liegt in der DaZ-Klasse allein auf dem Lernen der Sprache, die mal spielerisch und mal mit theoretischen Übungen vermittelt wird. Einige wenige Stunden erhalten die Schüler darüber hinaus in Mathematik, Weltkunde und Naturwissenschaft.

Gelegentlich bietet Elena Petersen, die gerade einen Bundesfreiwilligendienst an der Elbschule absolviert, einen Kochkurs für die Schüler an. „Dann darf jeder mal ein Rezept aus seiner Heimat mitbringen“, berichtet Christine Lessau. Besonders freut sich die Lehrerin, dass sie vier Schülerinnen zur Teilnahme an ihrem freiwilligen Reitkurs in den Nachmittagsstunden bewegen konnte: „Dort arbeiten sie dann mit deutschen Schülern zusammen. Das ist gelebte Integration.“

Um ihren Schülern das Lernen zu erleichtern, würde sich Christine Lessau eine individuelle Betreuung ihrer Schüler durch ehrenamtliche Lesepaten wünschen. „Die könnten sich zum Beispiel eine Stunde am Tag mit einem Schüler hinsetzen, um auf seine persönlichen Bedürfnisse einzugehen.“ Wer Interesse an einer solchen Aufgabe hat, darf sich bei der Lehrerin melden. Ideal sei, wenn der Lesepate die Muttersprache des jeweiligen Kindes beherrsche, aber dies sei nicht zwingend notwendig.

Ziel der DaZ-Klasse ist es, die Schüler in ungefähr einem Jahr für die Teilnahme am normalen Unterricht vorzubereiten. Bei Elvir wird das noch eine Weile dauern. „Verstehen kann er schon, aber Antworten ist noch schwierig“, sagt Christine Lessau. Die 17-jährige Roaa dagegen kann sich bereits gut verständigen. Problemlos schreibt sie den Akkusativ von „der große Baum“ – also: „den großen Baum“ – an die Tafel. Sie wird hoffentlich bald an der Seite ihrer deutschen Mitschüler auf der Schulbank Platz nehmen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen