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Norddeutsche Rundschau

19. August 2017 | 17:23 Uhr

Integration : Deutsch lernen unter Freunden

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Das Sprachpaten-Projekt im katholischen Familienzentrum St. Ansgar in Itzehoe ist sehr erfolgreich – weitere Ehrenamtler sind aber willkommen.

„Guten Morgen“, sagt Ahmad Ibrahim Mohamad in gebrochenem Deutsch, als er das katholische Familienzentrum St. Ansgar betritt. Maren Schram lächelt. „Er macht Fortschritte“, sagt die Sprachpatin stolz. Der groß gewachsene 41-jährige Somalier ist einer von gut 200 Schülern, die ins Familienzentrum kommen, um Deutsch zu lernen. 75 ehrenamtliche Paten helfen dabei – laut den Verantwortlichen dürfen es gerne noch mehr werden.

Rüdiger Schumacher (63), Koordinator des Projekts, begann 2013 mit einem einzigen Schüler. „Ich wollte einfach etwas Sinnvolles machen“, sagt der pensionierte Informatiker. Dass seine Initiative einmal solche Ausmaße annehmen würde, hätte der Ehrenamtler nicht gedacht. Das Konzept ist denkbar einfach: „Wir bieten keine Kurse an, sondern helfen den Leuten ganz persönlich.“ Regelmäßig treffen sich die Paten mit ihren Schützlingen, manche einmal in der Woche, manche jeden Tag. Die einen nutzen Lehrbücher, andere unterhalten sich einfach. „Wir machen da keine Vorschriften“, sagt Schumacher.

15 Schüler betreut er persönlich, Dima Abdulhamid ist eine davon. Die 26-jährige Syrerin spricht mittlerweile fließend Deutsch, im August beginnt sie eine Ausbildung zur Bankkauffrau. „Meine Vorzeigeschülerin“, sagt Schumacher. Seit drei Jahren ist sie in Deutschland, viele Monate musste sie auf einen Sprachkurs warten, wurde schließlich auf das Projekt im Familienzentrum aufmerksam – und war begeistert. „Eine Stunde mit Rüdiger ist besser als zwei Tage Sprachkurs“, sagt sie.

Im Kurs seien 24 Leute, da habe sie kaum eine Chance zu sprechen. „Hier kann ich einfach drauflos reden.“ Mittlerweile hat sie das Sprachzertifikat C2, das ihr „fachkundige Sprachkenntnisse“ bescheinigt. Eigentlich müsste sie gar nicht mehr zum Unterricht kommen: „Aber es macht Spaß. Was soll ich alleine zu Hause rumsitzen?“ Zwischen Schumacher und Abdulhamid ist längst eine Freundschaft entstanden. Im Januar war er Trauzeuge bei ihrer Hochzeit. „Zwischen vielen Schülern und Paten haben sich persönliche Beziehungen entwickelt, aber das liegt natürlich an jedem selber“, schildert er.

Insgesamt 550 Schüler hat Schumacher seit 2013 erfolgreich vermittelt, in Spitzenzeiten standen bis zu 100 Paten bereit. Dass es ein paar weniger geworden sind, liegt laut Silvia Bruns vom Caritas-Migrationsdienst, dem Träger des Projekts, an der öffentlichen Wahrnehmung. Das Thema Flüchtlinge sei nicht mehr so stark in den Medien. „Aber die Willkommenskultur muss ja weitergehen.“ Und nicht zuletzt kämen ja immer noch viele Familien der Migranten nach.

Mitbringen müssen potenzielle Sprachpaten nicht viel: Sie müssen die deutsche Sprache beherrschen und gut mit Menschen umgehen können. „Aber sie brauchen keine ausgebildeten Pädagogen zu sein“, sagt Schumacher. Für ihre Treffen können sie die Räume des Familienzentrums nutzen. Dort stehen auch zahlreiche Lehrbücher und
-materialien zur Verfügung. „Alles Spenden verschiedener Initiativen aus Itzehoe“, wie Michael Grandt, Leiter des Familienzentrums, betont. Am Anfang gibt es für jeden Paten ein Einführungsgespräch, bei regelmäßigen Treffen haben die Ehrenamtler Gelegenheit, sich auszutauschen. Grandt ist begeistert vom Sprachpatenprojekt. Besonders stolz ist er, dass einige Flüchtlinge mittlerweile selbst als Sprachpaten zur Verfügung stehen. „Ein tolles Beispiel für Hilfe zur Selbsthilfe.“

Ahmad Ibrahim Mohamad ist inzwischen in ein Gespräch mit seiner Patin vertieft. „Magst du Fußball? Ich kenne Bastian Schweinsteiger und Lothar Matthäus“, beginnt er zu erzählen. Warum er ins Familienzentrum kommt? „Hier kann ich mich unterhalten. Das ist das Wichtigste.“>

Wer Sprachpate werden möchte, wendet sich an Rüdiger Schumacher, 01575/9022387, r.schumacher@familienzentrum-iz.de. Das Familienzentrum bietet zahlreiche weitere Integrations-Projekte an wie ein Eltern-Kind-Café, eine interkulturelle Mädchengruppe und eine Nähwerkstatt.

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erstellt am 26.Apr.2017 | 05:00 Uhr

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