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Norddeutsche Rundschau

18. Oktober 2017 | 15:05 Uhr

Aufruf : Deutsch lernen in sieben Klassen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

150 Flüchtlinge werden im Berufsbildungszentrum unterrichtet – Dank zahlreicher ehrenamtlicher Helfer, die sich nach einem Aufruf meldeten

von
erstellt am 05.Nov.2015 | 12:00 Uhr

Vor knapp einem Monat starteten sie an dieser Stelle auf der Suche nach freiwilligen Deutschlehrern einen Hilfe-Aufruf in unserer Zeitung – jetzt sagen Flüchtlinge und RBZ-Team „Danke“. 22 Männer und Frauen aus dem gesamten Kreis Steinburg haben sich gemeldet und dazu bereit erklärt, den Menschen aus den Krisengebieten ehrenamtlich die deutsche Sprache beizubringen. „So viele hätten wir nicht erwartet“, sagte Reinhold Wenzlaff, Lehrer am Regionalen Berufsbildungszentrum in Itzehoe. „Wir sind ganz dankbar dafür, und es zeigt, dass alle bereit sind, sich der Aufgabe zu stellen“, fügte er begeistert hinzu. Weitere drei Daz-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) konnte das RBZ jetzt einrichten, eine davon in Kellinghusen. „Wenn wir mehr Geld, Lehrer und Räumlichkeiten hätten, könnten wir auch noch mehr Klassen haben“, so Wenzlaff. Momentan lernen rund 150 Asylbewerber am RBZ Deutsch – „und wir haben noch eine Warteliste, könnten im Grunde wöchentlich eine neue Klassen bilden“. Da die Raumkapazitäten am RBZ allerdings nicht mehr ausreichen, werden die zwei weiteren Itzehoer Klassen in den Räumen der evangelischen Kirchengemeinde in der Wilhelmstraße unterrichtet. „Für diese Möglichkeit danken wir der Kirche“, betonte Wenzlaff. Insgesamt gibt es unter der RBZ-Regie jetzt sieben Daz-Klassen.

Wie wichtig es ist, eine gemeinsame Sprache zu sprechen unterstrich Klaus-Peter Teske, Leiter des Regionalen Berufsbildungszentrums, als er die neuen Schüler willkommen hieß. „Sie haben einen langen Weg hinter sich, aber Sie sind jetzt bei uns angekommen.“ Deutsch verstehen und sprechen sei das Ziel der nächsten Wochen, dafür würden „unsere Lehrer, aber auch sehr viele Personen, die Ihnen ehrenamtlich helfen wollen“, bereit sein, betonte Teske. Seine Worte übersetzten Baka (auf Arabisch) und Zahra (auf Persisch). Sie sorgten auch dafür, dass alle organisatorischen Hinweise, die Reinhold Wenzlaff den Schülern mit auf den Weg gab, auch verstanden wurden.

Wenzlaff stellte das RBZ-Team vor, das versuchen werde, „Sie möglichst gut bei uns in Deutschland aufzunehmen. Wir wollen unser Bestes geben, damit Sie die deutsche Sprache lernen. Denn ohne Sprache geht gar nichts.“ Er wünschte ihnen viel Mut und Ausdauer, denn die deutsche Sprache sei schwer. Das habe er gemerkt, seitdem er anderen Deutsch beibringe. Im Büro-Team für die Daz-Klassen stehen Marion Gaudlitz sowie Zahra, Tatev und Annika vormittags als Ansprechpartner zur Verfügung. Wenzlaff erläuterte, dass jeder der jungen Männer und Frauen im Büro den Schülerausweis und die Schulbescheinigung bekommen sowie eine kleine Info, die in der jeweiligen Sprache erklärt, „was in Deutschland anders ist als in Ihrer Heimat“. Hinzu kommt ein Blatt mit den Regeln der Schule, das als anerkannt unterzeichnet werden muss: keine Gewalt, Gleichberechtigung von Männern und Frauen, Religionsfreiheit und Raucherregeln. Darüber gebe es auch keine Diskussion, „wir wollen miteinander friedlich lernen“. Zudem wies Wenzlaff darauf hin, dass die nicht mehr am Unterricht teilnehmen können, die mehr als dreimal unentschuldigt gefehlt haben. „Es gibt so viele, die Deutsch lernen möchten – dann nehmen wir andere.“  

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