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Norddeutsche Rundschau

15. Dezember 2017 | 07:51 Uhr

Glückstadt : Deutsch lernen für den Schulalltag

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

84 Kinder werden in der Landesunterkunft in der Marinekaserne unterrichtet. Die Schüler sind in fünf Lerngruppen eingeteilt

10 Uhr, Block B, der Unterricht für die zehn bis 13 Jahre alten Flüchtlinge beginnt. Nicht alle sind pünktlich. Ein kleines Mädchen kommt in den Raum und möchte auch mitmachen. „Du hattest heute schon Unterricht“, sagt June Kohstall (50) und bringt sie aus dem Raum. „Wir mussten damals zur Schule gehen, sie wollen zum Unterricht.“

June Kohstall ist Diplom-Bibliothekarin. „Sprache und Pädagogik war dabei immer mein Ding.“ Sie unterrichtet jetzt gemeinsam mit drei Kolleginnen die schulpflichtigen Kinder, die in der Landesunterkunft untergebracht sind. Das Schulamt ist, wie in Deutschland üblich, verantwortlich für die Schule in der ehemaligen Marinekaserne. June Kohstall lehrt, doch noch würden ihnen die Unterrichtsmaterialien fehlen. Bevor die Lehrerinnen begonnen haben, hätten sie sich erstmal zusammengesetzt und einen eigenen Lehrplan erstellt. „Da müssen wir kreativ sein. Der Job ist herausfordernd, macht aber auch viel Spaß.“

Die Stunde beginnt, die Kinder sehen aufmerksam nach vorn. „Guten Morgen, habt ihr gut geschlafen“, fragt die Lehrerin ihre Schüler. Sie nicken. „Ich heiße Frau Kohstall, wie heißt du?“ Jedes Kind nennt seinen Namen, einige antworten im vollständigen Satz, andere nur in Fragmenten. Danach üben sie Wörter, die sie später im Schulalltag außerhalb der Erstaufnahmeeinrichtung brauchen: „Stift, Tasche, Papier.“ Die Kinder haben gerade ihre insgesamt siebte Lehrstunde. Sie werden in 45 Minuten Blöcken unterrichtet Die Lerneinheiten finden ohne Dolmetscher statt. Die Lehrerin verständigt sich mit ihren Schülern, indem sie Gegenstände zeigt oder sich mit Gesten verständlich macht. „Mit den Älteren ist das etwas einfacher. Viele hatten schon Englisch in der Schule und kennen deshalb auch die lateinischen Buchstaben.“

Auch innerhalb der einzelnen Altersklassen seien die Bildungsunterschiede zum Teil groß, so June Kohstall. Von Analphabeten bis zu Kinder von Akademikern mit viel Vorwissen sei alles dabei.

Annette Kriszio (65), die auch Unterrichtet gibt, aber hauptsächlich als Organisatorin der Schule tätig ist, sagt: „Wir haben die Kinder erstmal nur in Altersgruppen unterteilt.“ Die sechs bis sieben, zehn bis 13 und 14 bis 16 Jahre alten Schüler sind jeweils in einer Klasse. Die zurzeit 84 Kinder sind in fünf Gruppen aufgeteilt. Jede Gruppe hat eine bestimmte Farbe. Die Namenschilder der Kinder sind in den entsprechenden Farben beschrieben. „So können wir erkennen, wer nicht in die Klasse gehört“, erklärt die ehemalige Leiterin der Glückstädter Stadtschule. Einige würden in Unterrichtsstunden gehen, in die sie eigentlich gar nicht hineingehörten.

„Die Kinder wollen möglichst viel lernen, sind engagiert. Auch ihre Eltern wollen, dass sie zur Schule gehen“, so Kriszio. Bevor die Schule überhaupt begonnen hat, wurden die Eltern zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Auch Dolmetscher waren vor Ort, um die Schulpläne zu erklären.

„Wir haben jetzt den zweiten Unterrichtsraum bekommen, das ganze System ist noch recht neu und die Strukturen sind im Aufbau.“ Später werden die Kinder dann individuell in Gruppen eingeteilt. Wenn die Schüler dann auf eine Grundschule oder auf eine weiterführende Schule gehen, bekomme der Lehrer dort einen Bericht über den Wissensstand des Schülers. „Unsere Schule ist halt keine Schule im herkömmlichen Sinne, wir unterrichten hauptsächlich Deutsch, aber auch Mathe steht auf dem Stundenplan.“

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