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Norddeutsche Rundschau

17. Dezember 2017 | 20:48 Uhr

Flüchtlinge : Deutsch für den Alltag lernen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ehrenamtler werden dringend gesucht, um jungen Flüchtlingen am Regionalen Berufsbildungszentrum erste Sprachkenntnisse zu vermitteln

von
erstellt am 01.Okt.2015 | 12:00 Uhr

Händeringend sucht das Regionale Berufsbildungszentrum (RBZ) des Kreises Steinburg Freiwillige, die Flüchtlingen Deutsch für die Verständigung im Alltag beibringen würden. „Engagierte Menschen, die bereit sind, hier zu helfen. Sie müssen nicht zwingend Lehrer sein!“, betont Jürgen Nicolay, stellvertretender RBZ-Leiter.

Zurzeit sind es rund 150 junge Männer und Frauen, die in den DaZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) – organisiert von Rainer Albert in Zusammenarbeit mit Reinhold Wenzlaff und Marion Gaudlitz – am RBZ in Itzehoe lernen. Auf der Warteliste stehen noch über 20 – „und es werden täglich zwei bis vier mehr“, fügt Jürgen Nicolay hinzu.

„Für uns als RBZ ist es die Aufgabe, die Schüler möglichst grundlegend zu integrieren“, so Reinhold Wenzlaff, Lehrer am RBZ. „Sprache ist wichtig, um sich in einer neuen Kultur zurecht zu finden und Kontakte zu knüpfen.“ Vier Stunden pro Tag an vier Tagen in der Woche wird Deutsch als Zweitsprache unterrichtet. „Bei uns sind alle Jugendlichen unter 25 Jahren, die sonst nicht versorgt sind.“ Eben auch jene, die noch nicht anerkannte Asylbewerber sind. Die Herkunftsländer der Teilnehmer sind zu 60 Prozent Syrien, 20 Prozent Afghanistan und die restlichen 20 Prozent aus den unterschiedlichsten Krisengebieten „bis nach Armenien“.

Wenn DaZ-Teilnehmer erst Deutsch können, werden sie Richtung hier gültigem Schulabschluss gebracht. „Wir vermitteln so weit es geht den ersten allgemeinen Schulabschluss und mittleren Bildungsabschluss, eher in Ausnahmefällen werden sie auch im beruflichen Gymnasium untergebracht“, ergänzt Jürgen Nicolay. Durch Kooperationen mit Betrieben werde dann versucht, die jungen Leute in Praktika „oder noch besser in Ausbildungsverhältnisse“ zu bringen. Im Vorfeld müsse natürlich das Sprachniveau fixiert werden, damit sich die Frauen und Männer entsprechend qualifizieren können. „Je nach Leistungsfähigkeit werden sie gefördert, auch um in andere Strukturen hineinzukommen“, betont Jürgen Nicolay. Ein Vorteil des Berufsbildungszentrums sei die zentrale Lage und das Angebot aller Ausbildungswege unter einem Dach, hebt Reinhold Wenzlaff hervor.

Jürgen Nicolay unterstreicht ergänzend einen weiteren Vorteil des RBZ: „Wir haben auch gute Kontakte zu Ausbildungsfirmen.“ Das RBZ sei anerkannt als Übergangsschule zum Beruf – nicht explizit für Flüchtlinge, aber für junge Leute mit Lerneinschränkungen. „Es ist schön, wenn wir das nutzen können, um zu integrieren“, so Nicolay.

Und da schließt sich wieder der Kreis, Integration erfordert Sprachkenntnisse. Auch wenn Lehrer für Deutschunterricht da sind und inzwischen vier Freiwillige die Sprache vermitteln – „Wir brauchen einfach mehr“, wirbt Jürgen Nicolay noch einmal um Ehrenamtler. Denn: Je kleiner die Klassen sein können, desto intensiver die Schulung.

Eines bekräftigt Nicolay besonders: „Sie treffen hier auf interessierte, nette und lernwillige junge Damen und Herren.“ Und es gebe keinerlei disziplinarische Probleme. Interessierte Sprachförderer müssen einfach die Bereitschaft und den Enthusiasmus mitbringen, das machen zu wollen – „und sie sollten Freude daran haben, mit den jungen Menschen zu arbeiten“. Wer sich dafür bereit erklärt, wird nicht ins „kalte Wasser“ geworfen, die Helfer werden von Lehrkräften des RBZ unterstützt.

>Wer helfen möchte, Flüchtlingen Deutsch zu vermitteln, kann sich beim RBZ unter 04821/6830 (Sekretariat) oder per Mail unter info@rbz-steinburg.de melden.

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