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Deshalb rutscht Brokdorf tief in die roten Zahlen

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Lange Zeit gehörte Brokdorf zu den reichsten Gemeinden in der Region – vor allem dank sprudelnder Steuereinnahmen durch das Kernkraftwerk. Seit Inbetriebnahme 1986 summierten sich die Steuereinnahmen auf einen dreistelligen Millionenbetrag. Auch das Land, der Kreis und das Amt lebten nicht schlecht damit. Jetzt muss Elke Göttsche den Gewerbesteuerzahlern in ihrer Gemeinde erklären, warum die Hebesätze von einem Jahr zum anderen mehr als verdoppelt werden. Für die Bürgermeisterin wird es kein leichter Gang.

Ein Grund: Die Gewerbesteuerzahlungen brechen massiv weg. Amtskämmerer Sven Baumann befürchtet für die absehbare Zukunft ein jährliches Haushaltsdefizit von einer Million Euro. Vor diesem Hintergrund wird die massive Steueranhebung als vorsorgliche Maßnahme angesehen. „Es ist auch nicht gesagt, dass das auf Dauer so bleiben muss“, macht Baumann leise Hoffnung auf bessere Zeiten.

Ein weiterer Grund dafür, dass Brokdorf tief in die roten Zahlen rutscht, ist in dem zehn Millionen Euro großen Stiftungsvermögen zu suchen. Mit den Zinsen daraus sollten eigentlich teure öffentliche Einrichtungen finanziert werden. Das anhaltende Zinstief macht den Verantwortlichen in der Gemeinde allerdings einen Strich durch die Rechnung. Zuletzt warf das in guten Zeiten gesicherte Vermögen noch 500  000 Euro an Zinsen ab. Für nächstes Jahr sind nur noch 300  000 eingeplant – Tendenz weiter fallend. „Ein Ende der Niedrigzins-Phase ist noch nicht absehbar“, weiß auch Leitender Verwaltungsbeamter Heiko Wiese, dass die Gemeinde mit Einnahmen aus der Stiftung in naher Zukunft keine großen Sprünge machen kann. Dabei, so betont Wiese, habe Brokdorf nicht etwa „Luxusgüter für sich selbst angeschafft, sondern viel für die ganze Region getan“.

Angesichts veränderter finanzieller Rahmenbedingungen, wozu letztlich auch ein kompliziertes kommunales Umlage-System gehört, ist aus dem einstigen Segen jetzt allerdings eine schwere Last geworden. „Wir versuchen, das zu erhalten, was wir übernommen haben“, nennt Elke Göttsche das erklärte Ziel der Gemeinde. Sie weiß aber auch: „Zum Nulltarif ist das einfach nicht zu machen.“ Beispiel Freibad: Hier ist eine umfassende Sanierung erforderlich. Die Bandbreite der Alternativen reicht von der Schließung bis zu einer 2,8 Millionen Euro teuren Totalsanierung. Aufschluss soll nun ein für Januar erwarteter Planungsentwurf mit möglichst kostengünstigen Lösungen geben. „Aber auch die Schließung würde Rückbaukosten von 900  000 Euro verursachen“, zeigt die Bürgermeisterin das Dilemma auf. Hinzu kommt: Weil immer mehr Schüler bis in den späten Nachmittag hinein mit Unterricht gebunden sind, gibt es deutlich rückläufige Besucherzahlen.

Kostenträchtig ist auch die Mehrzweckhalle. Wegen verschärfter Auslegungen der Brandschutzbestimmungen darf sie nicht mehr als Versammlungsstätte, sondern nur noch für Sport genutzt werden. Für die heutige Märchenaufführung gab es noch einmal eine letzte Ausnahmegenehmigung. Auch hier kann die Gemeinde nur noch auf kostengünstige Umbauvarianten hoffen.

Elke Göttsche will bei ihren Steuerzahlern, zu denen mit höheren Ausgaben auch Grundeigentümer und Hundehalter zählen, jetzt für Verständnis für die Entscheidungen werben. Für die Gewerbetreibenden wird zudem nach Möglichkeiten gesucht, wie die Gemeinde sie unterstützen kann.

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erstellt am 11.Dez.2015 | 00:32 Uhr

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