zur Navigation springen

Nord-Ostsee-Kanal : Des Kaisers Kanal – und wie die Wasserstraße SH prägte

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der NOK ist nicht nur die meist befahrene künstliche Wasserstraße der Welt, sondern auch eine Lebensader für SH.

Rendsburg/Brunsbüttel | 14 Fähren, zehn Brücken, zwei Tunnel und zwei Schleusenanlagen: Es sind beeindruckende Zahlen, die der Nord-Ostsee-Kanal (NOK) liefert. Die beeindruckendste Statistik ist ohne Zweifel die Zahl der Passagen im Jahr. Mehr als 30.000 Schiffe fahren jährlich zwischen den Schleusen in Kiel und Brunsbüttel. Damit ist der NOK die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt und lässt so bekannte Konkurrenten wie den Suez- und den Panamakanal in dieser Kategorie weit hinter sich.

Die Gründe für den Bau einer Verbindung von Nord- und Ostsee waren militärische. Der damalige Reichskanzler Otto von Bismarck wollte im Falle eines Krieges flexibler sein und seine Flotten schneller bewegen können. Am 3. Juni 1887 wurde der Grundstein gelegt. Die alte Binsenweisheit: „Früher war alles besser“, trifft beim Bau des NOK tatsächlich zu, denn: Sowohl die vorgegebene Bauzeit von acht Jahren als auch die geplanten Kosten in Höhe von 156 Millionen Mark wurden tatsächlich eingehalten. Einzig der Bruch des Spatens bei der Grundsteinlegung veranlasste die abergläubischen Menschen jener Zeit zu Pessimismus. Der aber sollte trotz einiger Unfälle während des Baus spätestens mit der Eröffnung verflogen sein.

Für die feierliche Zeremonie am 20. und 21. Juni 1895 hatte sich Kaiser Wilhelm II. persönlich angekündigt und hielt dabei eine Überraschung parat. Er taufte das Bauwerk kurzerhand auf den Namen „Kaiser-Wilhelm-Kanal“. Ob er damit den Auftraggeber, seinen Großvater Wilhelm I. ehren oder sich selbst ein Denkmal setzen wollte, blieb sein Geheimnis.

Der Kanal schreibt zunehmend negative Schlagzeilen

Inzwischen ist der NOK zu einer wichtigen, wenn nicht der Lebensader für Schleswig-Holstein geworden. Ob Reeder oder Lotse, ob Kellnerin oder Vermieter von Ferienwohnungen, ob Windkraft-Ingenieur oder Lastwagen-Fahrer – sie alle leben von und mit dem Kanal. Knapp 3500 Arbeitsplätze sollen direkt oder indirekt an ihm hängen. In Brunsbüttel liegt das landesweit größte zusammenhängende Industriegebiet unmittelbar am NOK. In der jüngsten Vergangenheit allerdings schreibt der Kanal und die dazugehörende Infrastruktur zunehmend negative Schlagzeilen.

Der Vergleich des Jahres 2014 mit 2015 belegt, dass rund zehn Prozent weniger Tonnen Ladung transportiert wurden, und auch die Zahl der Schiffe ging leicht zurück. Kollisionen mit Schleusentoren, Reparaturen und die dadurch resultierenden Wartezeiten für Frachtschiffe sowie niedrige Treibstoffpreise veranlassten Reeder dazu, ihre Frachter den eigentlich beschwerlicheren und um knapp 450 Kilometern längeren Weg um Skagen (Dänemark) zu nehmen, anstatt der Abkürzung durch den Kanal.

Aber Abhilfe ist in Sicht. Unlängst hat der Bau einer fünften Schleusenkammer in Brunsbüttel begonnen.

Hier entsteht die Torkammer für das zu Elbe hin gelegene Außenhaupt der neuen Schleuse. Wird das Tor geöffnet, fährt es auf Schienen in diese Kammer.
Hier entsteht die Torkammer für das zu Elbe hin gelegene Außenhaupt der neuen Schleuse. Wird das Tor geöffnet, fährt es auf Schienen in diese Kammer. Foto: Pöschus
 

Das führt zu Optimismus: „Der Schleusenneubau in und die Begradigung der Nordoststrecke vor Kiel sind hoch notwendig für den funktionsfähigen NOK. Er ernährt uns Lotsen, aber nicht nur uns. Die künstliche Wasserstraße quer durchs Land ist wichtig für den Tourismus. Er bietet ein Plus an Sicherheit für die maritime Wirtschaft“, sagt der Ältermann der Lotsenbrüderschaft NOK 1 in Brunsbüttel, Matthias Probst. In die gleiche Kerbe schlägt der Präsident der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt, Hans-Heinrich Witte. „Der Nord-Ostsee-Kanal ist nicht nur als Transitweg wirtschaftlich attraktiv, sondern spielt auch für die Häfen in Brunsbüttel, Rendsburg und Kiel eine wichtige Rolle.“

Gleiches gilt für die Querungen, sowohl über, auf und unter dem Kanal. Beim einzigen Tunnel in Rendsburg soll die Sanierung bis 2020 abgeschlossen sein. Bis zum Jahr 2019 sollen drei Kanalfähren ersetzt werden. Bleibt die große Frage der Rader-Hochbrücke bei Rendsburg. Die hält laut einem Gutachten nur noch bis 2026. Die Frage eines Neubaus, ob mit vier oder sechs Spuren ist noch nicht vollauf beantwortet. Sie ist mit 1498 Metern übrigens nicht die längste Brücke über den NOK. Die steht in Brunsbüttel. Die Hochbrücke dort ist satte 2831 Meter lang und rangiert damit auf Rang 3 der längsten Brücken Deutschlands.

zur Startseite

von
erstellt am 11.Jun.2017 | 16:13 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen