Standpunkt : Der Wunsch nach mehr grau

Tobias Stegemann kommentiert die Bürgermeisterwahl in Brunsbüttel.

von
25. Juni 2018, 15:23 Uhr

Es war ein durchaus unterhaltsamer und bemerkenswerter Wahlkampf, den Brunsbüttel in den vergangenen zwei Wochen erlebte. Zumindest in den sozialen Netzwerken hatte man diesen Eindruck. Und es war ein Wahlkampf, der polarisierte. Hier der vermeintlich visionäre Quereinsteiger mit großen Ankündigungen. Dort der Verwaltungsfachmann, der eher nüchtern auf das Machbare verwies. Dazu der Amtsvorgänger, der sich genötigt sah, seine Arbeit der vergangenen Jahre öffentlich zu rechtfertigen und als neuer Landrat überraschend deutlich Position für einen Kandidaten bezog. Fakt ist, Brunsbüttel hatte eine Wahl, eine Wahl zwischen schwarz und weiß. Es ist unredlich, Dinge zu versprechen, die sich nicht oder kaum umsetzen lassen. Aber: Die Möglichkeiten eines Bürgermeisters schlicht auf das Umsetzen von Beschlüssen der Ratsversammlung zu reduzieren, ist viel zu wenig. Da wäre etwas mehr grau nicht schlecht gewesen. Ein Bürgermeister muss Ideen haben, muss Konzepte entwickeln, Prozesse moderieren und Menschen zusammenbringen. Und er muss eine Verwaltung führen – noch wichtiger: Er muss Menschen führen.

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