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Norddeutsche Rundschau

24. September 2017 | 23:30 Uhr

Bundestagswahl 2017 : Der treue Parteisoldat

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Direktkandidaten im Portrait: Björn Thoroe (Die Linke) weiß um die geringen Chancen, das Mandat für den Wahlkreis 3 zu gewinnen.

von
erstellt am 16.Sep.2017 | 16:00 Uhr

Schon als Kind war Björn Thoroe als Wahlhelfer unterwegs. Er begleitete seinen Vater, einen engagierten Sozialdemokraten, beim Austeilen von SPD-Werbung in Kiel. Auf Stimmenfang ist der 32-Jährige auch heute noch. Allerdings nicht mehr für die SPD, sondern für die Linken. Im Wahlkreis 3 tritt der Kieler als Direktkandidat für den Bundestag an. Dass Björn Thoroe dabei auf verlorenem Posten steht, ist ihm klar. Trotzdem will er um jede Erststimme kämpfen. Wichtiger sind ihm jedoch die Zweitstimmen: „Ich habe Lust, die Leute zu überzeugen und linke Inhalte zu vermitteln.“

Obwohl immer in Kiel beheimatet, ist Thoroe bei Wahlen ein Wanderer. In Husum kandidierte er zweimal für den Landtag, in Steinburg/Dithmarschen-Süd jetzt für den Bundestag. Ganz als treuer Parteisoldat. „Die Mitglieder vor Ort haben mich gebeten, zu kandidieren, da sie selbst keinen Bewerber hatten“, sagt der überzeugte Linke. Er kenne den Wahlkreis zwar durch zahlreiche Partei-Kontakte, persönliche und weitere Beziehungen gebe es darüber hinaus nicht. Ein Problem sieht Thoroe darin nicht. „Ein Blick von außen ist manchmal gut.“ Mit seiner Kandidatur will er auch die örtlichen Parteiakteure ermutigen, bei nächsten Wahlen eigene Bewerber zu nominieren. Auch über Wahlplakate wird sein Gesicht für Steinburger nicht sichtbarer. Die Linke plakatiert ausschließlich ihre Spitzenleute aus dem Bund, nicht die Direktkandidaten. „Wir setzen auf Inhalte“, lautet sein Kommentar dazu.

Politik war immer ein großer Bestandteil im Leben des Kielers, „schon von Zuhause aus“. Allerdings konnte Thoroe die sozialdemokratische Linie seit der rotgrünen Regierungsübernahme 1998 nicht mehr mittragen. Die ersten Auslandseinsätze der Bundeswehr nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Balkan „haben mich abgeschreckt“. Auf der Suche nach einer neuen politischen Heimat landete er 2002 bei der damaligen PDS (Partei des demokratischen Sozialismus), der SED-Nachfolgepartei und dem Vorläufer der heutigen Linken. „Die vertraten das, was ich wollte.“ Dabei ist es bis heute geblieben. Thoroe machte die Schwenks und Umbenennungen der Partei mit, teilweise in führender Position im Landesvorstand oder im Kieler Ortsverband. „Es war ein spannendes, neues linkes Projekt mit allen Höhen und Tiefen.“ Von den Zielen der Linkspartei ist er nach wie vor überzeugt: Konsequente Friedenspolitik ohne Auslandseinsätze der Bundeswehr und Waffenexporte, mehr soziale Gerechtigkeit durch Einführung einer Millionärssteuer und Entlastung der unteren Einkommensschichten und gleichzeitig mehr Investitionen in die notwendige Infrastruktur, unter anderem für einen besseren ÖPNV. Dies sei unter anderem auch für den Kreis Steinburg ein wichtiges Thema. Die Abschaffung von Leih- und Werkverträgen und die Einbeziehung auch von Selbstständigen, Beamten und Politikern für die Rentenkasse sind weitere Punkte, die Thoroe vertritt.

Vertreten hat der 32-Jährige Linke-Positionen bereits im schleswig-holsteinischen Landtag. Über die Liste zog er 2009 in das Parlament ein, wo er bis 2012 saß. Bei der anschließenden Wahl scheiterte die Linke an der Fünf-Prozent-Hürde und die kurze Karriere als Berufspolitiker endete. „Das war eine spannende Zeit“, sagt der Kieler rückblickend. Man lerne, wie Politik auf Landesebene funktioniere. Als kleine Partei müssten die Abgeordneten in zahlreichen Ausschüssen mitarbeiten. Seine „fleißige Oppositionsarbeit“, mit zahlreichen Anfragen hat er sorgfältig auf seiner Internetseite dokumentiert.

Transparenz hält Björn Thoroe auch bei den Diäten und Abgeordnetenbezügen für notwendig. Bis zum letzten Euro hat er sein Abgeordnetengehalt offen gelegt. Von 7800 Euro brutto blieben letztlich 2500 Euro für ihn übrig. „Davon konnte ich sehr gut leben.“ Zuvor und danach hatte er als Student deutlich weniger Geld zur Verfügung. Nach seinem Abitur absolvierte Thoroe ein freiwilliges soziales Jahr in einem Alten- und Pflegeheim, danach studierte er an der Christian-Albrechts-Universität Kiel Soziologie und Geschichte sowie im Nebenfach Volkswirtschaft. Nach dem Einzug ins Landesparlament unterbrach er sein Studium für fast drei Jahre. 2012 nahm er es wieder auf, musste jedoch vieles wiederholen, da die zuvor begonnene Magister-Ausbildung sich in ein Bachelor-Studium gewandelt hatte. Nach dem Abschluss arbeitete Thoroe kurze Zeit in einem Call-Center, jetzt ist er Mitarbeiter in der Kieler Landesgeschäftsstelle der Linken. „Es ist ein großes Privileg, bezahlt Politik machen zu können.“

Politik ist für den ledigen Kieler zwar die große Leidenschaft, doch daneben gibt es auch den privaten Björn Thoroe. „Wenn ich Zeit habe, spiele ich gern Tischtennis.“ Damit sei er schon als Jugendlicher angefangen, habe später jedoch aufgehört. Mit Schachfiguren kennt er sich ebenfalls aus, „meist in Kneipen spiele ich“. Und wenn er einen Bekannten mit einem Boot findet, geht der Kieler auch gern segeln. „Ein eigenes Schiff habe ich nicht.“

Und wie geht es nach der Wahl für Björn Thoroe weiter? Beruflich hofft er, in der Landesgeschäftsstelle bleiben zu können, bisher hat er nur einen Vertrag bis zur Wahl. Und politisch will er weiterarbeiten – für linke Positionen.

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