Büttel : Der Trecker-Gott aus Büttel

Präsentiert seine beiden Lieblinge: Der Bütteler Romain Weckel zwischen dem Hanomag von 1961 und dem Schlüter-Schlepper, einem Kraftpaket aus dem Jahr 1976. Fotos: Schwarck
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Präsentiert seine beiden Lieblinge: Der Bütteler Romain Weckel zwischen dem Hanomag von 1961 und dem Schlüter-Schlepper, einem Kraftpaket aus dem Jahr 1976. Fotos: Schwarck

Romain Weckels größtes Hobby ist es, alte Maschinen wieder flott zu machen.

shz.de von
15. August 2018, 05:00 Uhr

Nicht jeder verbringt die Sommermonate irgendwo am Strand. Wir stellen aus jeder Wilstermarschgemeinde einen Bewohner vor, bei dem auch im Heimaturlaub keine Langeweile aufkommt. Heute: Romain Weckel aus Büttel.

„Es gibt ja nichts, was man nicht selbst bauen kann!“ Das ist einer der Leitsprüche des Maschinenbauers Romain Weckel. Der 53-Jährige hat in der Gemeinde Büttel einen Fachbetrieb von Weltruf aufgebaut. Das siebenköpfige Weckel-Team arbeitet mit hochsensiblen Drehbänken und Fräsen sowie computergesteuerten Spezialmaschinen an einer hochqualifizierten Metallverarbeitung. Dazu gehören Kolben für Motoren ebenso wie die Instandsetzung von Schiffspropellern und Wellen sowie andere Maschinenteile für Schiffsmotoren und Hydraulik. Weckel beliefert Kunden in Deutschland, Europa, in Übersee und eigentlich auch in Russland. Das Geschäft ist allerdings wegen des Wirtschaftsembargos zusammengebrochen.

Für Romain Weckel, der in der Bütteler Kommunalpolitik das Amt des stellvertretenden Bürgermeisters bekleidet, ist es indes das größte Hobby, alte Maschinen aufzukaufen, instand zu setzen und sie wieder funktionsfähig zu machen. „Dabei kann ich in meinem Betrieb von der hier eingesetzten Maschinentechnik ebenso profitieren wie von der Mitarbeit meiner Mannschaft“, erzählt der 53-Jährige, der 1983 mit einem Baggerbetrieb in Hamburg begann und 1995 nach Büttel kam, weil es in der Hansestadt keine Expansionsmöglichkeiten gab. In Büttel entwickelte sich der Maschinenbau so rasant, dass er den Baggerbetrieb wieder aufgab.

Jüngste Ergebnisse seines Schraubens an alten Traktoren waren die Wiederherstellung eines Hanomag-Schleppers aus dem Baujahr 1961 und eines wuchtigen Schlüter-Treckers, der 1976 gebaut wurde. Weckel ist zuversichtlich, bald mit einem dieser Alttraktoren an Wochenenden zu den meist privaten Treffen von Treckerfreunden zu tuckern.

Sein Faible für alte Maschinen und Traktoren hat sich auch in der Region herumgesprochen. Mehrere Alttraktorenfreunde haben schon seine Hilfe in Anspruch genommen, um befürchtete Totalschäden doch noch abwenden zu können. Mit dabei sein wird ein mehr als 80 Jahre alter Buschmann-Anhänger, den er in seinem Betrieb wieder wohnlich aufgeflitzt hat. Dabei setzte er auch seinen 22 Jahre alten Lehrling Sofie Höhne aus Brokdorf ein und vermittelt auf diese Weise das Wissen, wie man alte Teile durch neue handgefertigte Teile austauschen kann. „Das kann man an eigenen Maschinen und Fahrzeugen gefahrloser erlernen, ohne den Lehrling gleich für Kundenaufträge einzusetzen“, so Romain Weckel. Sofie Höhne erlernt bei ihm den Beruf der Zerspanungsmechanikerin.

„Der Anhänger befindet sich noch in der Testphase“, erzählt Weckel. Er bietet alles, was man in einer kleinen Wohnung braucht: Wohnzimmer mit Schlafsofa, Sessel und Leselampe, WC, Dusche und Küche, Ölheizung, Elektro-Kochplatte und ein kleiner Backofen. Für das Abwasser hat Sofie Höhne einen 400-Liter-Tank aus Edelstahl geschweißt, der unter dem Anhänger montiert wurde. Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis Weckel Trecker und Anhänger zu einem Praxiseinsatz über die Landstraßen wird rollen lassen.

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