Der Traum von Pfingsten

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06. Juni 2014, 09:25 Uhr

Pfingsten, so lese ich in der Bibel, ist das Wunder einer gelingenden Kommunikation. Menschen aus allen Ländern verstehen sich. Sie feiern gemeinsam ein Fest. Sie staunen über ihre Eintracht. Sie sind begeistert. Sie hören zu und fassen Vertrauen.

Ich habe große Sehnsucht nach Pfingsten. Gerade jetzt – wo die maskierten Männer in der Ukraine grimmig in die Kamera schauen. Gerade jetzt – wo Flüchtlinge sich an den Grenzzäunen Europas die Hände zerschneiden. Gerade jetzt – wo ein Mann mit Kalaschnikow in ein jüdisches Museum läuft und feuert. Ich will den Traum von Pfingsten träumen. Gerade jetzt – wo wieder Freiwillige aus unserem Land in alle Welt gehen, fremde Sprachen lernen und andere Kulturen entdecken. Gerade jetzt – wo sich in unserer Region 2000 Leute auf den Weg machen, um einem Jungen mit Blutkrebs zu helfen. Gerade jetzt – wo der Papst an der Klagemauer in Jerusalem steht und betet. Ich wünsche mir gelingende Kommunikation. Ich will Verständnis. Ich setze auf Menschen, die sich begeistern lassen und noch staunen können. Ich möchte gerne ein großes Fest. Ich kann glücklich sein, wenn Menschen Vertrauen fassen und Eintracht üben. Ich werde dieses Jahr sehr bewusst Pfingsten feiern.

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