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Norddeutsche Rundschau

18. Dezember 2017 | 11:59 Uhr

Gesellschaft : Der Trauer einen Raum geben

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Einmal im Monat kommen Hinterbliebene Haus der Stör im Trauercafé zusammen

von
erstellt am 11.Aug.2015 | 04:55 Uhr

Der Tod kam völlig unerwartet. Der damals 82-jährige Itzehoer und seine Frau gingen einkaufen. „Sie wollte nur ein T-Shirt umtauschen. Deshalb bin ich im Wagen geblieben.“ Das erste Mal, dass er sie nicht begleitete in den Discounter. „Ich bin gleich wieder da“, sagte sie noch. Aber sie kam nie zurück. Ein Lastwagen erfasste sie und verletzte sie tödlich. „Wir sind aus Düsseldorf hergezogen, um unseren Lebensabend in der Nähe unserer Tochter zu verbringen. Es sollte nicht sein“, sagt der Mann.

Vier Jahre ist der tragische Unfall her, „aber ich komme nicht darüber weg. Immer wieder falle ich in ein Loch.“ Aber der Itzehoer hat Menschen gefunden, die ihm beistehen und immer wieder auffangen. Im Trauer-Café im Haus der Stör ist er seit dem ersten Treffen im August 2013 dabei. Dem Itzehoer Rentner hat die Gruppe schon durch so manche schwere Stunde geholfen: „Wir sind eine Gemeinschaft. Hier habe ich das Gefühl, verstanden zu werden.“

Andreas Leipold vom Pflegepersonal des Hauses und Marlen Prothmann brachten das Trauercafe vor zwei Jahren auf den Weg. Beide sind zertifizierte Trauerbegleiter. „Es geht uns darum, dass hier Menschen herkommen können, die in ihrer Trauer das Gespräch brauchen“, sagt Marlen Prothmann, die ehrenamtlich die Heimbewohner besucht und so Kontakt zum Haus an der Stör knüpfte. „Die Menschen sollen in ihrer Trauer nicht allein bleiben und die Möglichkeit haben, sich mit anderen Trauernden zu treffen, Kontakte untereinander zu pflegen, sich auszutauschen, miteinander zu reden, aber auch miteinander zu schweigen.“

Einmal im Monat kommen Hinterbliebene in dem Seniorenheim zusammen. Im Gruppenraum im Untergeschoss steht eine Kaffeetafel bereit. Das Angebot richtet sich nicht nur an Bewohner des Seniorenheimes, sondern an alle, die in ihrer Trauer nicht alleine sein möchten, betont Leipold.

Die erste Dreiviertelstunde sei der lockere Teil. „Bei Kaffee und Kuchen wird entspannt über alles geredet“, erklärt Prothmann. Der zweite Teil des Trauercafés sei emotionaler. Die Teilnehmer sitzen im Halbkreis zusammen. Dabei wird ein Stein herumgereicht. Zu einem Stichwort wie beispielsweise Hoffnung darf jeder seinen Gefühlen freien Lauf lassen – aber auch Schweigen. „Niemand wird gezwungen, hier ist nichts ein Muss“, betont Marlen Prothmann. Das gelte auch für den Glauben: „Wir beziehen Gott ein, der Glaube gehört mit in die Runde. Wer das nicht möchte, kann es aber außer Acht lassen.“ Es gehe darum, Trauer zuzulassen, ihr Raum zu geben und einander Trost zu spenden.

Doch Trauer hält sich nicht an feste Zeiten, manchmal überfällt sie einen ganz plötzlich. Der Verlust eines geliebten Menschen bricht manchmal durch, wenn niemand da ist, der einen auffängt. Doch Marlen Prothmann hat auch außerhalb des Trauercafés ein offenes Ohr für den Schmerz der Hinterbliebenen. „Wenn Redebedarf besteht, kann man mich immer anrufen.“

Das nächste Treffen findet am Freitag, 14. August, in der Zeit von 15 bis 16.30 Uhr im Untergeschoss des Haus an der Stör statt. Informationen gibt es bei Marlen Prothmann unter 04821/93517.

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