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Norddeutsche Rundschau

21. August 2017 | 12:51 Uhr

Soziales : Der tägliche Kampf gegen Rassismus

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Arbeiterwohlfahrt (Awo) setzt Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit

Sie haben sie fast alle. „Andreas Koeppen ist der zwölfte Bürgermeister, der sich an unserer Aktion beteiligt und unsere Fahrzeuge mit den Aufklebern beklebt“, sagt Martin Meers, Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Bildung und Arbeit. Direkt drückt er dem Bürgermeister den Aufkleber in die Hand auf dem die Awo für Vielfalt und gegen Rassismus demonstriert. Alle rund 40 Awo-Dienstfahrzeuge im Kreis werden nach und nach mit dem Banner versehen – denn das Thema ist das Motto des Projektjahres der Awo. Das Logo ziert deswegen auch sämtliche gedruckte Veröffentlichungen und Briefpapiere der Awo.

„Viele unserer Mitarbeiter haben es täglich mit immer mehr Flüchtlingen zu tun“, sagt Meers. „Wir wollen eine Sensibilität dafür schaffen, was die Menschen auf ihrer Flucht erlebt haben. Unsere Mitarbeiter sollen nachvollziehen können, wie es ist, in ein fremdes Land zu kommen und wie man dort willkommen geheißen werden will.“

Denn dass es alltäglichen Rassismus auch bei der Awo gibt, das gibt Meers offen zu. „Das fängt schon bei starrenden Blicken oder einer abfälligen Bemerkung an – da versuchen wir sofort dazwischen zu gehen.“ Es komme auch vor, dass es in Einrichtungen der Awo zu Hausverboten komme, weil Menschen ausfällig werden. Wenn es etwa bei der Tafel zu Klagen komme, dass die Flüchtlinge angeblich bessere Waren bekommen als deutsche Kunden und die dann anfingen zu pöbeln, müsse eingeschritten werden. „Wir haben bislang noch jeden bei der Tafel mit Waren versorgt, wir schicken niemanden weg“, sagt Meers.

Die hauptamtlichen Mitarbeiter würden in speziellen Workshops geschult und für das Thema sensibilisiert. „Seit wir das gemacht haben, registrieren wir mehr Fälle, in denen es um Alltagsrassismus geht, einfach weil die Mitarbeiter genauer hinschauen und -hören.“

Wie Koeppen hofft Meers, dass dennoch die ansonsten gute Willkommenskultur für Flüchtlinge stabil bleibt. „Wir haben bislang glücklicherweise noch keine rassistischen Übergriffe in der Stadt registrieren müssen. Das liegt auch daran, dass wir ein hohes Maß an ehrenamtlichem Engagement haben und die Flüchtlinge Stück für Stück integrieren“, sagt Koeppen. „Wir hoffen, dass es so friedlich bleibt.“ Er freut sich, dass die Abschlussveranstaltung der Aktion für das südliche Schleswig-Holstein am 25. September, ab 11 Uhr, auf den Malzmüllerwiesen stattfindet.

Die Aktion der Awo sei eine „lobenswerte und vorbildliche Sache“, so Koeppen, der von allen Bürgern ein hohes Maß an Toleranz gegenüber den Flüchtlingen forderte.

Wie groß die Solidarität schon jetzt ist, zeigt ein Beispiel, das Meers erzählt. Bei einer Schulung der Ein-Euro-Jobber bei der Awo waren einige von denen über das Schicksal der Flüchtlinge so erschüttert, dass sie spontan ihre Gutscheine für Spielzeug, die sie genau wie die Zuwanderer erhalten hatten, an diese weiterreichten. Meers: „Das ist ein gutes Zeichen, wenn die, die selbst wenig haben, noch etwas abgeben.“

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erstellt am 13.Aug.2015 | 16:55 Uhr

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