Der Stuntman aus Büttenwarder

Sönke Korries und seine Tochter Emelie-Extra verbrachten zehn Monate auf Island.
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Sönke Korries und seine Tochter Emelie-Extra verbrachten zehn Monate auf Island.

Sönke Korries spielt in der beliebten NDR-Serie mit Jan Fedder und Peter Heinrich Brix den Bauern „Arno“, der immer Prügel bezieht

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26. Mai 2015, 10:31 Uhr

Abends sitzen sie im Dorfkrug und trinken Korn, tagsüber erleben sie den ganz normalen Wahnsinn auf dem Lande: Die Leute aus Büttenwarder. Und Sönke Korries ist einer von ihnen. Der 45-Jährige spielt in der Fernsehserie den Arno. „Ich bin derjenige, der immer ausrutscht“, sagt Korries über seine Rolle. „Derjenige, der Prügel bezieht – das macht Spaß.“

Sönke Korries ist von Beruf Stuntman. Als solcher bekam er in der Serie vor einigen Jahren einen Blumentopf auf den Kopf und das war der Einstieg. Denn der Autor Norbert Herzstück schrieb ihn in die Serie hinein – als Bauer Arno.

Mittlerweile ist der Stamm an Schauspielern wie eine Familie für ihn geworden. In den Hauptrollen agieren Jan Fedder als Kurt Brakelmann und Peter Heinrich Brix als Arthur „Adsche“ Tönnsen, sowie Günter Kütemeyer als Bürgermeister Dr. Waldemar Schönbiehl, Axel Olsson als Gastwirt Shorty und Sven Walser als Stallknecht Kuno. „In den Drehpausen haben wir viel Spaß, da bleibt kein Auge trocken“, sagt Korries.

Dabei wird er in einer der neuen Folge wieder einmal als „Arno“ verprügelt. Es geht unter anderem um die „Innere Sicherheit“ im Dorf, eine Bürgerwehr wird gegründet. Gedreht wird die Serie im Kreis Stormarn und Umgebung. Gerade erst hat Korries mehrere Folgen abgedreht, im Sommer folgen weitere.

In der Drehpause ist Korries mal kurz nach Reykjavík geflogen. Dort hat er im vergangenen Jahr zehn Monate mit seiner Tochter Emelie-Extra in der isländischen Hauptstadt gelebt. Die dortige Schulleitung hatte die 12-Jährige jetzt zu einem besonderen Klassenausflug eingeladen, der in Island Tradition hat. „Sie kann die Sprache mittlerweile besser als ich“, sagt der bekennende Island-Fan über seine Tochter, die in Glückstadt das Detlefsengymnasium besucht.

1998 kam er das erste Mal nach Island, um dort als Stuntman bei einer Werbeproduktion mitzuwirken. „Ich bin damals mit einem Golf durch die Aschefelder gefahren. Bis dahin kannte ich Vulkane nur aus dem Fernsehen.“ Er blieb länger und kam wieder. Als er im vergangenen Jahr seine Tochter zum ersten Schultag begleitete, „da war ich aufgeregt und habe gewartet, bis sie nach Hause kam. Sie kam in Begleitung von sechs Mädchen, die ihre Freundinnen wurden.“ Auswandern will er aber nicht. „Mir gefällt es in Deutschland.“ Island sei aber ein zweites Zuhause.

Korries arbeitet aber hauptsächlich in Deutschland. Seine Tätigkeit als Stuntman ist immer noch die Haupteinnahmequelle. Doch das Geschäft hat sich verändert. „Der Action-Boom war in den 90er Jahren.“ Er hatte viel zu tun, gute Stuntmen gab es nicht so viele. Und er spielte mit bekannten Kollegen, mit Schauspieler Heinz Hönig zum Beispiel, den er „als tollen Kollegen“ kennenlernte. Auch Jan Fedder gehört dazu. „Ich habe viel von ihm gelernt.“

Doch der große Boom ist vorbei, es werden nicht mehr so viele Action-Szenen gedreht. „Der Zuschauer guckt jetzt etwas anderes: Shows, Kochsendungen und den Superstar.“ Action-Szenen gäbe es noch in den Tatorten. Bei einem Bremer Tatort hatte er Glück, dass auch da extra eine Rolle für ihn in das Drehbuch geschrieben wurde. Und er nimmt seine Arbeit sehr ernst: „Ich habe auch schon einen Boxer gespielt und dafür vorher in einem Boxclub geübt.“ Einen Wunsch hat er: „Ich möchte mal einen Wikinger spielen.“

Um sich fit zu halten, muss Korries regelmäßig trainieren. Er geht schwimmen, hebt Gewichte, paddelt und springt auf dem Trampolin. Jetzt nur noch mehrmals in der Woche, früher waren es zwei bis drei Stunden täglich. Er ist Realist: „Keiner spielt über 40 noch in der ersten Bundesliga“, vergleicht er Sportler mit seinem Stuntman-Beruf. „Man wird Trainer.“ Und das setzt er jetzt mehr und mehr um. Korries „springt nicht mehr nur noch selbst“ sondern koordiniert. „Ich bin das Bindeglied zwischen Stunt und Regie.“ So wie vor Kurzem in der Show „Klein gegen Groß“.

Zudem hat er der Hobbyflieger noch eine kleine Nebenbeschäftigung. Wenn er mit seinem Tiefdecker in die Lüfte geht, zieht er auch schon mal für Firmen einen Werbebahner durch die Luft. Aber eines ist für ihn klar: „Mein Herzblut ist es, mit der Kamera zu arbeiten.“

>Ein weiterer Bericht heute auch im Schleswig-Holstein-Journal, Seiten vier bis sechs.

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