Der Störlaufkönig (frei nach Goethe)

shz.de von
14. Mai 2015, 12:02 Uhr

Wer läuft so flink
durch Sonn und Wind?
Es ist der Störläufer
mit seinem Kind.
Er hat den Kleinen
wohl am Arm.
Er fasst ihn sicher
und macht sich warm.


Mein Sohn, was birgst du so
bang dein Gesicht?
Du Vater, ich mag
den Störlauf doch nicht.
Den Störlauf in Sonne
und Schweiß.
Mein Sohn, nun red dich
nicht so heiß.


Du liebes Kind,
komm renn mit mir,
gar schöne Belohnungen
versprech ich dir:
Manch leck’re Wurst gibt’s
an dem Stand
und süße Crêpes
mit goldbraunem Rand.

Mein Vater, mein Vater,
und siehest du nicht,
dass bald dein Kind
zusammenbricht?
Sei ruhig, bleibe ruhig,
mein Kind,
im Ziel wir allemal
bald sind.


„Ich, dein Sohn,
möchte bleiben steh’n,
und nur die anderen
laufen zu seh’n.
Hör auf mich
und sieh es ein,
ich komm doch niemals
ins Ziel herein.

Mein Vater, mein Vater,
und siehst du nicht dort
manch hübsche Blume
am Störlaufort?
Mein Sohn, mein Sohn,
ich weiß es genau:
Im Ziel wirst du dich freuen
wie Sau!


Ich bitte dich, denk an meine
kindliche Gestalt;
sieh es ein,
ich mach jetzt Halt.
Mein Vater, mein Vater,
jetzt halte ich an!
Oder … bleibe ich doch
an dir dran?


Der Vater pustet,
er läuft ganz geschwind,
Er hat neben sich
das sprintende Kind
Erreicht das Ziel und ist k.o.
Sein Kind, schon im Ziel,
anlächelt ihn froh.

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