Kleine Kunstwerke in Wilster : Der Schönschreiber aus Stördorf

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Arno Kruse schafft mit seinen Ehrenurkunden kleine Kunstwerke – so wie für den Amtsausschuss Wilstermarsch.

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04. Juli 2018, 05:00 Uhr

Jedes Stück ist ein Unikat. Und doch tragen sie alle die – im wahrsten Sinne – gleiche Handschrift. Die von Arno Kruse nämlich. Der Stördorfer hat sich mit den Jahren zu einem gefragten Mann entwickelt, wenn es um Verabschiedungen verdienter Mitbürger geht. Die bekommen häufig eine von Kruse kunstvoll gestaltete Ehrenurkunde. Gestern Abend bei der konstituierenden Sitzung des Amtsausschusses wurden gleich sechs dieser wertvollen Anerkennungen für langjähriges ehrenamtliches Engagement feierlich überreicht.

Seine erste handgezeichnete und kolorierte Ehrenurkunde fertigte der 67-Jährige 1979. Damals war er als Bundeswehr-Feldwebel für die Organisation eines Fußballturniers mit dem FC St. Pauli verantwortlich. Offenbar hatte Kruse ein Händchen fürs Schönschreiben – was durchaus auch persönliche Vorteile für den weiteren Dienstbetrieb mit sich brachte. „Ich schrieb dann auch immer die Widmungen im Kommandeursbuch. Da hatte ich dann schon die ein oder andere Freiheit durch.“ „Den letzten Schliff habe ich mir dann auf der Meisterschule geholt“, berichtet der gelernte Maler- und Lackierermeister weiter.

„Ich bin sehr stolz darauf, so einen Bürger in meiner Gemeinde zu haben“, sagt Helmut Sievers, der gestern Abend bei seiner Verabschiedung selbst eine ebenso liebevoll wie akkurat gestaltete Ehrenurkunde bekam – woran er als noch amtierender Amtsvorsteher nicht ganz unschuldig war. Die bislang üblichen Ehrenteller für ausscheidende Gremiums-Mitglieder waren nämlich zur Neige gegangen. Statt neue zu bestellen, fragte er einfach Arno Kruse. Der hatte sein kalligrafisches Talent schon in anderen Gemeinden vielfach unter Beweis gestellt. „Die Urkunde für Peter Habbe war ein echtes Schmuckstück“, erinnert er sich an die Verabschiedung des langjährigen Itzehoer Wehrführers. Auch für ehrenvolle Anlässe in Breitenburg und Lägerdorf war er aktiv.

„In St. Margarethen habe ich schon drei solcher Urkunden überreicht“, freut sich auch der dortige Bürgermeister Volker Bolten über ebenso einmalige wie attraktive Abschiedsgeschenke. „Highlight war die Urkunde für die Verleihung der Ehrenbürgerschaft an den Schriftsteller Günter Kunert.“ Arno Kruse freut sich über die Anerkennung von vielen Seiten. Bei der Schriftart greift er auf Gothik Textur aus dem 13./14. Jahrhundert zurück. „Die hat schon Gutenberg für seine Lettern benutzt.“ Er schätzt, dass er bislang gut 80 solcher Ehrenurkunden geschrieben hat. Je nach Details sitzt er gut zwei Stunden an jedem Exemplar. Schreibfehler darf er sich dabei natürlich nicht erlauben. Statt eine Löschtaste bedienen zu können, fängt die Handarbeit dann wieder von vorne an.

Gefragt ist seine Schreibkunst übrigens auch im goldenen Buch der Stadt Itzehoe. Hier schreibt er bei feierlichen Anlässen die Eingangstexte, hinter denen sich dann die Ehrengäste mit ihren Namen und meist guten Wünschen verewigen. Dabei nutzt er mit der humanistischen Kursiven allerdings eine moderne Schriftart. „Das hat Brommer so gewollt“, erinnert er an den früheren Bürgermeister der Kreisstadt. Zuletzt war Kruse dort bei der Verabschiedung des Itzehoer Bürgervorstehers Heinz Köhnke aktiv geworden.

„Viele sagen ja: Ist das nicht Kunst? Das soll aber jeder selbst entscheiden“, bleibt Arno Kruse bescheiden. Überhaupt: Er habe für seine Arbeiten nie Geld genommen. Ihm genüge es bereits, wenn er „ehrlich etwas zurückbekommt“. „Dann sehe ich: Das hat gefallen.“ Ganz mit leeren Händen kommt der Stördorfer aber auch nicht davon. Naturalien – insbesondere Kostproben seines Lieblingsgetränks – nimmt er dankend an. Von Helmut Sievers und seinem Stellvertreter als Amtsvorsteher, Volker Bolten, gab es jetzt als Lohn für die aktuellen Ehrenurkunden neben einem Präsentkorb ein Buch über die Wilstermarsch und Tickets für ein Krimidinner in Brokdorf. Derweil dürften neue Aufträge nicht lange auf sich warten lassen. Und der ein oder andere, der gestern Abend feierlich verabschiedet wurde, macht sich nun auf die Suche nach einen Ehrenplatz für seine Ehrenurkunde.

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