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Norddeutsche Rundschau

22. August 2017 | 17:11 Uhr

Reportage : Der rollende Tante-Emma-Laden

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Sönke Schlüter aus Neuendorf beliefert mit einem mobilen Lebensmittelladen Menschen auf dem Land.

Neuendorf | Es ist Mittwoch und die 83-jährige Lotte Wollschläger aus Kollmar-Langenhals schaut aus dem Fenster. Auf dem Küchentisch liegt ihr Einkaufszettel: „Salz, Sahne, Kartoffeln, Käse, Milch, Schinken, Joghurt.“ Sie wartet auf den mobilen Lebensmittelhandel von Sönke Schlüter aus Neuendorf.

„Schon seit Jahren kaufen wir bei ihm fast unsere gesamten Lebensmittel ein, auch Blumen und Getränke. Wir freuen uns, dass es ihn gibt, denn das Einkaufen in der Stadt ist für uns zu beschwerlich geworden.“ Als der Verkaufswagen vorfährt, kommt auch Nachbar Hans-Jürgen Mollenhauer (74) dazu. Er hat für heute einen Sack Kartoffeln bestellt. „Ich möchte, dass wir weiterhin beliefert werden, denn die Kartoffeln, der Spitzkohl und die Horster Butter sind sehr gut und der Service ist einzigartig.“

In den Verkaufsregalen gibt es neben dem Standardsortiment der Grundversorgung auch Blumen und Zeitschriften, Fleisch- und Milchprodukte sowie Kartoffeln, Porree, Steckrüben und andere Gemüsesorten, dazu Äpfel und Apfelsinen. Für Kundinnen wie Lotte Wollschläger bringt Sönke Schlüter die Kisten mit den Lebensmitteln und die Getränke auch ins Haus.

Lieferung bis ins Haus: Lotte Wollschläger freut sich über den Service von Sönke Schlüter.
Lieferung bis ins Haus: Lotte Wollschläger freut sich über den Service von Sönke Schlüter.
 

Seit 27 Jahren betreibt Schlüter das Geschäft mit seinem Verkaufswagen. Als vor vier Jahren das Lebensmittelgeschäft in Siethwende geschlossen wurde, führte die Gemeinde Sommerland eine Umfrage bei ihren Bürgern durch, um den Bedarf für einen mobilen Lebensmittelversorger zu ermitteln. Schlüter: „Bürgermeisterin Helga Ellerbrock kam auf mich zu und bat mich, die interessierten Bürger einmal wöchentlich anzufahren. Dieser Kundenstamm hat sich bis heute fast konstant gehalten.“

Die Mittwochstour führt von Neuendorf über Moorhusen, Gehlensiel, Altenmoor, Siethwende und Süderau bis nach Dägeling. Der Firmensitz des 62-Jährigen ist Neuendorf. „Der Lebensmittelhandel ist schon immer meine Leidenschaft gewesen. Früher bin ich zwölf Jahre mit Obst und Gemüse zum Wochenmarkt gefahren, jetzt fahre ich viermal die Woche über Land.“ Seine Touren gehen außer in den südlichen Kreis Steinburg auch in den Kreis Pinneberg nach Klein Nordende, Seester und Seestermühe.

In Gehlensiel steigt der 88-jährige Herbert Winter mit einer Kiste ein: „Sönke ist immer freundlich und hilfsbereit und ich habe volles Vertrauen zu ihm.“ Wie der Herzhorner sind es vor allem die älteren Menschen, die das Einkaufen am Haus schätzen. Doch auch die 46 Jahre alte Maren Jürgens aus Altenmoor nutzt den bequemen Service: „Das Einkaufen geht ruckzuck und das Sortiment mit den frischen Produkten sagt mir zu. Jede Woche ist etwas Neues dabei, das finde ich interessant.“

Rollender Lebensmittelladen: Maren Jürgens aus Altenmoor nutzt regelmäßig das Angebot von Sönke Schlüter.
Rollender Lebensmittelladen: Maren Jürgens aus Altenmoor nutzt regelmäßig das Angebot von Sönke Schlüter.
 

Sönke Schlüter kauft seine Ware auf dem Großmarkt in Hamburg und im Lebensmittelgroßhandel, aber einige Produkte wie Fleisch, Eier, Milch, Backwaren und Gemüse holt er regional dazu. Er berichtet, dass seine Kunden Ware zwischen 15 und 30 Euro einkaufen, zum Monatsende werde der Umsatz bei einigen Kunden geringer.

Die 64 Jahre alte Marietta Reimann aus Siethwende ist ebenfalls zufriedene Kundin: „Herr Schlüter könnte jeden Tag kommen. Ich kann bei ihm viele schöne Sachen bestellen. Was er nicht hat, besorgt er.“ Die nächsten Kunden Marga Mohr (82), Edith Birkner (85) und Ernst Wilke (83) warten schon. Schlüter: „Bei ihnen muss ich vor 12 Uhr da sein, denn dann gehen sie in die Mittagsstunde.“ Sönke Schlüter kennt alle seine Kunden persönlich und kann mit ihnen auch einen Schnack auf plattdeutsch halten. Wenn er etwas nicht dabei hat, bringt er es beim nächsten Besuch mit. „Zu vielen Kunden ist ein großes Vertrauensverhältnis gewachsen. Bei einer bettlägerigen Kundin gehe ich zum Kühlschrank und schaue selbst nach, was fehlt. Das Geld nehme ich mir dann aus dem Portemonnaie.“

Die 51-jährige Frauke Möller ist seit sechs Monaten Kundin. „Ich habe viel Gutes gehört und bin jetzt Stammkundin. Durch meinen Einkauf möchte ich dazu beitragen, dass diese Einkaufsmöglichkeit eine wirtschaftliche Grundlage behält und weiter für mich und die Anwohner, die darauf angewiesen sind, bestehen bleibt.“

Schlüter will seinen rollenden Tante-Emma-Laden, wie er ihn selbst nennt, noch einige Jahre betreiben. „Ich kann davon leben und der Kontakt mit meinen Kunden macht mir Spaß.“ Bereits um 6.30 Uhr geht die Tour los. Wenn er um 18.30 Uhr wieder zuhause ist, hat er etwa 100 Kunden bedient, persönliche Gespräche geführt und auch in viele zufriedene Gesichter gesehen.

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erstellt am 05.Apr.2015 | 16:16 Uhr

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