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Norddeutsche Rundschau

18. Dezember 2017 | 12:43 Uhr

Der Ring in zwei Stunden

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Marlene Jaschke beweist im Theater Itzehoe: „Abitur, das braucht man dazu nicht“

Der Ring des Nibelungen von Richard Wagner dauert 16 Stunden und 32 Minuten. Marlene Jaschke schaffte es im Theater, die Sage um das Rheingold in zwei Stunden zu erklären.

Sie musste mit Hannelore in die Oper und wollte von ihrer Freundin das Geschehen auf der Bühne erläutert haben, „die hat ja schließlich Abitur“ – im Gegensatz zu Marlene. Im gut gefüllten Theater Itzehoe setzte Frau Jaschke nun ihrerseits das Publikum über die Verhältnisse um Wotan und Fricka, Siegfried und Hagen, Brünnhild und die Rheintöchter Woglinde, Wallgunde und Floßhilde in Kenntnis. Unterstützung erhielt sie vom Pianisten Herrn Griepenstroh, der sonst an der Orgel der St. Trinitatisgemeinde in Hamburg sitzt und in seiner Freizeit mit der Dampflok spielt.

Gleich zu Anfang forderte Marlene Jaschke die Zuschauer heraus: „Machen Sie mal ihre Augen zu, dann sehen Sie Itzehoe.“

Jaschke hatte ein gutes Verhältnis zur Theatertechnik, und so zauberte Herr Schmidt vom Licht das Rheingold mit einer „Energiesparlampe“ auf die Bühne. Frau Jaschke schilderte die Familienverhältnisse des einäugigen Wotan, der mit vielen Frauen noch mehr Kinder hat, und Fricka, der langweiligsten Göttin im Ring, im Hause Walhall. „Die sind da alle miteinander verwandt.“ Immer wieder zeigte sie Parallelen zu ihrem Leben auf (ihr Herz gehört ihrem Kollegen Siegfried Tramstedt) und schaffte es, beim Walkürenritt Udo Lindenbergs Sonderzug zu nutzen und mit Elvis Presleys „Fever“ Siegfrieds Zustand zu umschreiben.

Mit Federhelm, Lanze und Brustpanzer ging sie auf Jagd durch den Theatersaal und suchte nach einem Siegfried, den sie auf einem mittleren Sitz fand. Er durfte Marlene abrüsten und sie als Brünnhild aus dem Feuerring retten. Am Ende fasste Marlene Jaschke zusammen: „So, das wär’ geschafft, den Ring kurz und knapp; und die Moral von der Geschicht’ – Abitur, das braucht man dazu nicht.“ Ob Herrn Wagner diese Fassung seines Rings gefallen hätte, bleibt dahin gestellt, die Theaterbesucher in Itzehoe waren jedenfalls begeistert.

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