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Politik : „Der Ost-West-Unterschied ist generell überwunden“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Nico Scheerer fährt mit Ministerpräsident Torsten Albig zur Feier der Deutschen Einheit nach Frankfurt

Heute um 6.20 Uhr geht es los. Dann beginnt Nico Scheerers Reise nach Frankfurt am Main – zu den Feiern zum 25. Jahrestag der Deutschen Einheit. Dabei wird der Itzehoer den Ministerpräsidenten Torsten Albig (SPD) auf einer dreitägigen Tour begleiten – als Teil einer 15-köpfigen Bürgerdelegation aus ehrenamtlich aktiven Frauen und Männern. „Das ist schon etwas besonderes, zumal ich im August 1990 geboren – und damit ja auch irgendwie so etwas wie ein Kind der Einheit bin“, sagt Nico Scheerer, der in Frankfurt auch mit Bundespräsident Joachim Gauck zusammentreffen wird.

Für Scheerer ist das eine Auszeichnung, die er stellvertretend für „seine“ DLRG entgegennimmt. Die deutsche Teilung kennt seine Generation nur noch aus den Medien. „Und da werden oft zwei Extreme gezeichnet: Auf der einen Seite die Ostalgiker, die alles verklären, auf der anderen Seite diejenigen, die die DDR als Unrechtsstaat zeichnen. Beides stimmt wahrscheinlich irgendwie – aber mich interessiert vor allem wie die Alltagswelt der Menschen war“, sagt Scheerer.

Heute ist für ihn die Teilung Geschichte. „Der Ost-West-Unterschied, der ist doch generell überwunden, oder zumindest in Teilen weg.“ Wenn er heute Deutschland in Gebiete unterteilt, dann eher nach Bundesländern. „Von der Bildungspolitik etwa bilden Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen für mich ein Gebiet“, sagt Scheerer. Von vielen seiner Kommilitonen wisse er nicht mal ob sie Ossis oder Wessis seien. Und Vorurteile gebe es in seiner Generation auch nicht mehr.

Umso dankbarer ist Scheerer in einem ungeteilten Land zu leben, in einem Europa, in dem die Grenzen noch weitgehend offen sind. „Ich hoffe, dass dieses europäische Zusammengehörigkeitsgefühl bleibt“, sagt Scheerer.

Auch darüber wird er mit den anderen Ehrenamtlern sprechen können, die in Frankfurt die Deutsche Einheit feiern. Von der Einladung sei er völlig überrascht worden, erzählt der Itzehoer, der sich im Vorstand der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) engagiert. „Mein Landesverband hat mich für die Bürgerdelegation vorgeschlagen“, sagt Scheerer. „Die Einladung lag irgendwann einfach im Briefkasten – da stand Staatskanzlei drauf. Erst als ich den Brief geöffnet habe, wusste ich, was das soll.“

Der Itzehoer freut sich vor allem auf seine Mitstreiter aus den anderen Bundesländern und auf den Bummel über die bunte Meile, die es zum Fest der Einheit geben wird. „Da kann man sich bestimmt gut austauschen, wir stehen ja alle vor den gleichen Problemen“, sagt Scheerer. Wie kann Ehrenamt organisiert werden, und wie gewinnt und hält man Nachwuchs? Scheerer ist seit 1997 bei der DLRG, kümmert sich vor allem um die Jugend, bildet auch Helfer für die Wasserrettung und den Katastrophenschutz aus. Er will nicht ausschließen, dass er später hauptberuflich in dieser Branche arbeitet. Im Moment studiert er in Hildesheim Sozial- und Organisationspädagogik. „Ich finde es spannend zu lernen, wie man Organisationen optimieren kann“, sagt Scheerer. Neben seinem Studium sei er immer noch 20 Stunden und mehr ehrenamtlich für die DLRG tätig – und dabei so häufig wie möglich in Itzehoe. „Man sagt bei uns: ,Wer nicht im Schwimmbad ist, der kriegt auch nichts mit.‘“

Auf Nico Scheerer warten jetzt ereignisreiche Tage. Er wird an den Empfängen von Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Bundespräsident Joachim Gauck teilnehmen. Will er denen etwas besonderes mitteilen, das den Ehrenamtlern am Herzen liegt? Scheerer überlegt und sagt dann: „Ich finde es gut, dass sie uns einladen und sich für unsere Arbeit interessieren. Aber vieles werden wir untereinander besprechen, weil wir die Arbeit vor Ort machen.“

Und wie wird er dem Bundespräsidenten begegnen? Wie wird er ihn ansprechen? Scheerer grinst und sagt: „Da werden sicher viele Leute sein. Ein Kopfnicken und ein Händeschütteln wird da wahrscheinlich schon reichen.“



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erstellt am 03.Okt.2015 | 11:57 Uhr

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