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Norddeutsche Rundschau

16. Dezember 2017 | 20:03 Uhr

Der Kuhstall brennt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

shz.de von
erstellt am 18.Sep.2015 | 09:56 Uhr

Wer die Mentalität von Landwirten kennt, weiß: Wenn sie jammern, geht es ihnen gut. Wenn sie ruhig sind, wird es ernst. Und in diesen Wochen sind sie sehr ruhig. Man könnte auch sagen: Die Hütte brennt. Oder trefflicher formuliert: der Kuhstall. Natürlich haben gerade die Milchbauern vor zwei Jahren auch noch richtig gutes Geld verdient. Natürlich gibt es Landwirte, die können jede Krise bequem aussitzen, weil die Windräder auf ihren Ländereien für sichere Einnahmen sorgen. Für die Masse der Bauern gilt das nicht.

Natürlich gibt es auch immer wieder Kritik an der Landwirtschaft. Sind sie nun Hüter oder Zerstörer von Natur? Gehen sie pfleglich mit ihren Tieren um? Sind die Produkte von ihren Höfen auch wirklich gesund? All diesen Fragen stellen sich die meisten im offenen Dialog. Und bei diesen Punkten können sie auch noch selbst Einfluss nehmen. Bei der Milchproduktion aber sind sie weitgehend fremdbestimmt. Mal eben die Produktion umstellen, geht auch nicht. In der von Grünland geprägten Wilstermarsch ist Ackerbau kaum möglich.

Hier geht es auch nicht um Lebensmittelindustrie, sondern um Familienbetriebe von nebenan. Abgesehen davon, dass jahrhundertealte Strukturen in den Dörfern für immer wegbrechen, geht es auch um hunderte von Arbeitsplätzen. In den Familien und im nachgelagerten Gewerbe vom Tierarzt über die Baufirma bis zum Lohnunternehmer. Bei jedem mittleren Gewerbebetrieb in Schieflage würde da die Politik auf der Matte stehen. Bei den Landwirten kämpft erst einmal jeder für sich. Das soll sich jetzt ändern. Und das ist gut so. Ein in der Versammlung genanntes Beispiel aus China kann nämlich niemand wollen. Dort gibt es Planungen für Kuhställe mit 100    000 Tieren. Dann ja wohl lieber der Kuhstall in der Nachbarschaft mit 120 Kühen.

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