Marktplatz in Glückstadt : Der Kandelaber im Kokon

Um die Mittagszeit hatte Margarete Olschowka die Leuchter bereits weitgehend verhüllt.
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Um die Mittagszeit hatte Margarete Olschowka die Leuchter bereits weitgehend verhüllt.

Die Künstlerin Margarete Olschowka verhüllt den Glückstädter Marktleuchter.

shz.de von
22. Februar 2018, 05:00 Uhr

Ein Hauch von Christo und Jeanne-Claude weht seit gestern durch Glückstadt. Die Künstlerin Margarete Olschowka machte sich pünktlich um 10 Uhr daran, den Kandelaber auf dem Marktplatz zu verhüllen. Noch bis Mai soll sich der markante fünfarmige Leuchter aus dem 19. Jahrhundert Einheimischen und Touristen im neuen Gewand präsentieren.

Quasi als nachträgliches Jubiläumsgeschenk hüllte Olschowka das Wahrzeichen zum 401. Geburtstag der Stadt symbolhaft in Fischnetze. „Bewährtes aus 400 Jahren wechselvoller Geschichte gilt es zu erhalten“, sagt die Künstlerin über ihre Aktion. Dabei stelle sich die Frage, wie die nächsten 400 Jahre sein werden. Der Kokon stehe für einen umhüllenden Schutz des neuen, sich im Verborgenen entwickelnden Lebens. „Ein Kokon wirkt geheimnisvoll. Er bietet einen geschützten Raum für eine sich erneuernde Zukunft. Doch was kommt dabei raus?“ Mitschwingen würden gleichermaßen optimistisches Wunschdenken wie auch eine dringliche Warnung der Künstlerin „angesichts des brodelnden Wandels in der Welt und in jedem von uns“. Als erstes wurden gestern die einzelnen Leuchten des Kandelabers in weiße feinmaschige Kokons eingehüllt. Im zweiten Schritt wurden alle fünf Leuchten gemeinsam von einem dunklen großmaschigen Fischnetz umhüllt, so dass das Licht der Leuchten noch durchscheinen kann.

Bleibt noch die Frage zu klären, warum ausgerechnet
Fischnetze als Kokon gewählt wurden. „Glückstadt kann auf eine lange Tradition der Heringsfischerei zurückblicken“, erklärt Olschowka. Die Fischnetze sollen zudem durch ihren Bezug zum Wasser daran erinnern, dass sich an der Stelle des Marktleuchters früher einmal ein Marktbrunnen mit Brunnenhaus befunden hat.

Die verwendeten Netze stammen aus der Region, genauer gesagt von der Traditions-Netzweberei Rudolf Vogt, die den meisten Einheimischen schlicht als Itzehoer Netzfabrik bekannt ist. Die Stadtwerke Glückstadt unterstützen die knapp zwölfwöchige Kunstaktion insbesondere mit ihrem technischen Know-how.

Margarete Olschowka ist längst in der heimischen Künstlerszene etabliert. Mit dem Atelier Artequarium hat sie sich seit 1999 einen Namen gemacht. Dort können ihre kleinformatigen Kokons aus Drahtskeletten und Netzstrümpfen auch besichtigt werden. Zuletzt hatte die Künstlerin den Glückstädter Fleth mit bunten Seilen überspannt. Eine Kunstaktion, die gleich mehrfach von Vandalen, die die Bänder zerschnitten, gestört worden war.


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