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Norddeutsche Rundschau

22. August 2017 | 00:02 Uhr

Straßenzustand : Der Herr der Schlaglöcher

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Olaf Engelbach ist Straßenwärter beim Kommunalservice und weiß genau, wo es welche Schäden in Itzehoe gibt.

Der Blick von Olaf Engelbach wandert von rechts nach links – und wieder zurück. Mit Tempo 30 biegt der Straßenwärter des Kommunalservice in den Graf-Egbert-Ring ein – und stoppt. „Hier ist wieder eines, da müssen die Jungs was machen.“ Die Jungs, das sind die beiden Kolonnen des Bauhofes, die in der Stadt dafür sorgen, dass Fußgänger, Rad- und Autofahrer gefahrlos die Itzehoer Straßen benutzen können, und dafür Schlaglöcher und Unebenheiten beseitigen. Und der, der ihnen sagt, wo sie als nächstes tätig werden müssen, ist Olaf Engelbach. Seit Dezember ist der Straßenwärter beim Kommunalservice beschäftigt, in seiner Arbeitszeit fährt der Mann aus Gönnebek im Kreis Segeberg durch die Stadt, immer auf der Suche nach Schlaglöchern.

Wenn er die entdeckt, könnten die Kolonnen schnell reagieren. „Wir haben ja die Verkehrssicherungspflicht“, sagt Engelbachs Chef, Bauhofleiter Norbert Harfst. Gerade nach der Frostperiode treten immer wieder neue Löcher auf, „in diesem Jahr hält sich das aufgrund der Witterung aber noch im Rahmen“, sagt Harfst. Mehrere 100  000 Euro gibt die Stadt deswegen jedes Jahr aus, um die 120 Kilometer Straßen, 200 Kilometer Radwege und 6500 Regenabläufe so zu sichern, dass niemand stürzt oder Schäden an Fahrzeugen entstehen. Einen Monat braucht Engelbach, um alles zu inspizieren, dann geht die Tour wieder von vorn los. Gerade nach Frostwetter gibt es immer wieder neue Löcher im Asphalt. „Salz macht die Straßen kaputt“, sagt Engelbach. Dazu dringt Wasser in feine Ritzen ein, gefriert dort und bringt damit den Asphalt zum Bersten. „Sind erstmal Löcher da, kommen immer mehr“, sagt Engelbach, als er am Delftor in die Wellenkamper Chaussee einbiegt. Er deutet auf die Straße: „Dort ist der Asphalt schon total ausgemergelt, hier können wir zwar immer wieder flicken, aber aufhalten können wir den Schaden nicht. Irgendwann ist das auch nicht mehr schön, da drüber zu fahren. Dann muss die gesamte Decke erneuert werden.“ Doch jetzt wird erstmal wieder geflickt, „die Jungs“ haben die Löcher gesäubert und Splitt hineingekippt. Der ist mit einer Bitumenmasse vermengt, am Ende wird alles abgedichtet. In manchen Straßen, durch die Engelbach fährt, gibt es ganze Flicken-Teppiche. „Was am Ende saniert wird, dass muss die Politik entscheiden“, sagt der Straßenwärter.

Seit Jahrzehnten ist der Erhalt der Straßen sowohl in Bund und Land als auch auf der kommunalen Ebene unterfinanziert. Selbst der Erhalt des Status Quo ist aus den Haushalten nicht zu finanzieren. Engelbach kann nur Karten erstellen, auf denen vermerkt ist, wie der Zustand einzelner Strecken ist. Bei vielen Straßen weiß er auch so, dass dort dringend etwas gemacht werden muss, wie etwa in der Pünstorfer Straße bis zur Bundesstraße 77, die einer Buckelpiste gleicht. Der Neubau wurde immer wieder verschoben. Bis Geld da ist, wird weiter geflickt. Das gelte auch für Straßen, die bald saniert werden, wie etwa die Störfischerstraße oder der Liethberg, so Norbert Harfst. Alles werde lückenlos dokumentiert. Denn sonst könne ja jemand die Stadt belangen, wenn irgendwo ein Unfall passiere.

Deshalb rückt der Bauhof-Trupp aus, wenn ein Loch etwa die Größe eines Frühstückstellers hat und mehrere Zentimeter tief ist. „Bei Gehwegen sage ich schon bei einer Stolperfalle von zwei Zentimetern Bescheid“, sagt Engelbach. Denn er ist auch viel zu Fuß unterwegs, kontrolliert öffentliche Wege und Treppen in der Stadt. Innerhalb eines Monats könne sich die Oberfläche verändern – etwa durch Maulwürfe, Baumwurzeln oder Regengüsse – wie in der Detlev -H.-Rötger-Straße, in der die starken Niederschläge der vergangenen Wochen die Rinnsteine in dem ruhigen Wohngebiet ausgespült haben. „Das muss gemacht werden“, sagt Engelbach, der auch über externe Unternehmen wacht. „Wenn die irgendwo ein Loch ausgehoben haben, dann kontrolliere ich, ob das auch richtig wieder verschlossen wird.“

Manchmal machen ihn auch Anwohner auf Mängel an Straßen und Wegen aufmerksam. „Die meisten sind wirklich freundlich“, sagt Engelbach. „Vor allem, wenn sie sehen, dass wir den Schaden schnell beheben.“ Und wie beurteilt er den Zustand der Itzehoer Straßen? „Das ist auch nicht schlimmer als anderswo. In Hamburg habe ich manchmal Straßen gesehen, die sind so schlecht – da kann man nur noch umfallen.“

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erstellt am 09.Mär.2016 | 13:00 Uhr

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