Klimawandel : Der Frühling ist schon da

Zeigt einen Frühlingsboten: Leonhard Peters mit einer blühenden Haselnuss.
Zeigt einen Frühlingsboten: Leonhard Peters mit einer blühenden Haselnuss.

Der Itzehoer Nabu-Vorsitzende Leonhard Peters erklärt, warum sich die Jahreszeiten verschieben und was es jetzt schon in der Natur zu entdecken gibt.

Kay Müller von
27. Januar 2015, 16:59 Uhr

Itzehoe | Im Garten der Gruppe des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) Deutschland in Itzehoe im Kratt liegt noch ein bisschen Schnee. Doch Leonhard Peters schenkt Besuchern ein warmes Lächeln, denn der Nabu-Vorsitzende freut sich an dem, was die Natur schon jetzt für ihn bereit hält. „Die ersten Frühlingsboten sind da“, sagt der 47-Jährige. Vor einigen Tagen habe er bereits eine Erdkröte gesichtet. „Wenn die Temperaturen über fünf Grad ansteigen und es feucht ist, dann wandert die los“, sagt Peters. Das Tier unterbreche seine Winterruhe.

Das sei eine Folge des Klimawandels. „Untersuchungen zeigen, dass die Jahreszeiten sich im Schnitt zwei bis drei Tage pro zehn Jahre nach vorn verschieben“, sagt Peters – was bedeutet, dass die Winter kürzer werden. Ob im Gegenzug der Herbst früher ende, sei noch nicht erwiesen, so der Naturschützer, der den Klimawandel nicht groß bewertet. „Wir müssen das erstmal zur Kenntnis nehmen.“

Die Auswirkungen sind jedenfalls auch in Itzehoe sichtbar. Schneeglöckchen und Krokusse sind zu sehen. Die Apfelblüte werde auch dieses Jahr früher beginnen, sagt Peters. Maulwürfe werden schon jetzt aktiv. „Und es wird nicht mehr lange dauern, dann singen die Amseln.“ Noch vor ein paar Jahren hätten sich die Tiere erst ab Mitte Februar bemerkbar gemacht. „In diesem Jahr habe ich am Prinzeßhof schon welche gehört“, so Peters, der sich an den Frühlingsboten erfreut.

Die Natur verschiebt sich nicht nur, sie kann auch aus dem Gefüge geraten. So schlüpfen etwa manche Raupenarten früher, was wiederum für die Kohlmeise problematisch werden könnte, deren Jungen diese gern als Nahrung nutzen. „Das fällt jetzt zunehmend aus“, sagt Peters. Zudem könnten die Raupen mehr Schäden als sonst an Pflanzen verursachen, wenn die natürlichen Feinde fehlten. Es sei gut möglich, dass die Meise sich dem anpasse und irgendwann auch früher mit der Brut anfange. „Bisher haben wir das aber noch nicht wahrgenommen“, sagt Peters und hebt die Hand. Denn hinter ihm ist eine Blaumeise zu hören. „Ein Blitzlicht des Frühlings“, nennt er das.

Peters ist sich sicher, dass es Gewinner und Verlierer des Klimawandels geben wird. „Ein Verlierer könnte der Trauerschnäpper sein, denn der zieht im Winter nach Afrika“, sagt Peters. Wenn der zurückkehre und die Meise habe schon mit der Brut begonnen, seien viele Nistplätze bereits belegt. „Darauf kann sich der Trauerschnäpper nicht einstellen, denn er weiß natürlich nicht, wie das Wetter in Norddeutschland ist.“ Und der Vogelzug sei genetisch angelegt.

Doch auch das kann sich bei manchen Tieren verändern. So ziehe etwa die Mönchsgrasmücke nicht mehr so weit gen Süden wie noch vor einigen Jahren. „Wird es bei uns wärmer, kommt sie zurück“, sagt Peters, der auch diesen Vogel schon in Itzehoe gesichtet hat. „Wenn es dann einen Kälteeinbruch gibt, zieht sie sich wieder zurück in wärmere Gebiete. Natur ist sehr anpassungsfähig“, so der Naturschützer. Das gelte auch für größere Vögel. „Ich habe zwischen Weihnachten und Neujahr schon einen Weißstorch im Breitenburger Forst gesehen, es gibt immer mehr, die in Schleswig-Holstein überwintern“, sagt Peters, der schon eine Weile einen Haselnussast in der Hand dreht. Der ist schon auffällig grün, hat angefangen zu blühen – „ein Indikator für den Vorfrühling“. Früher habe es den meist erst ab Mitte Februar gegeben, jetzt manchmal schon im Dezember. Für den Strauch sei es kein Problem, wenn es nochmal einen Wintereinbruch mit Schnee und Frost gibt, sagt Peters und fährt mit dem Finger über die Blüte. „Die ist stabil und wird es schaffen.“ Und auch die Erdkröte könne die Winterruhe wieder aufnehmen. Peters: „Die gräbt sich einfach wieder ein.“

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