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Norddeutsche Rundschau

15. Dezember 2017 | 15:53 Uhr

Multitalent : Der fotografierende Mediziner

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Jeannot Olivet aus Wesseln bei Heide ist vor allem Arzt und Sporttherapeut – aber auch mit seinen Bildern verdient er Geld.

von
erstellt am 09.Feb.2015 | 17:16 Uhr

Fotografieren auf Hochzeiten? Darauf hat er meistens weniger Lust. Wenn Jeannot Olivet fotografiert, reizt ihn das Skurrile. Zumindest, wenn es um den Bereich geht, der noch am ehesten Hobby ist. Der 38-Jährige aus Wesseln bei Heide fotografiert auch professionell. Eigentlich aber ist er Mediziner.

Der klangvolle Name lässt stutzen bei einem Ur-Dithmarscher, der in Heide geboren wurde. Erklärung: „Mein Vater hatte Hugenotten als Vorfahren, passend dazu wurde der Vorname gewählt“, sagt Jeannot Olivet. Er ist Doktor der Sportwissenschaft, arbeitete als Sporttherapeut in einem Rehabilitationszentrum in Husum. Gern und viel habe er immer fotografiert, Landschaften und Freunde. Dann lernte Olivet die Hamburger Fotografin Jaschi Klein kennen und stand viel vor ihrer Kamera, meist in St. Peter, aber auch auf den Kanaren. „Durch sie habe ich deutlich mehr Verständnis dafür gekriegt“, sagt er. Viel arbeitete er in der Dunkelkammer, spielte oft mit Schwarz und Weiß. Bei der Agentur Bongarts in Hamburg absolvierte Olivet ein Praktikum als Sportfotograf. Im lokalen Bereich machte er weiter Sportfotos.

Dann kam das Jahr 2007, und der Dithmarscher fing an, bei der zu Getty Images gehörenden Agentur iStockphoto für lizenzfreie Bilder seine Fotos hochzuladen. Auf diesem Weg habe er gelernt, wie Digitalfotografie funktioniere, sagt Olivet. Und er merkte: So lässt sich Geld verdienen, vor allem dank der Fotos aus dem Therapiebereich. „Da habe ich eine kleine Marktlücke gefunden.“

Immer mehr habe er medizinische Themen fotografiert, seine Bilder finden sich in Anzeigen, auf Webseiten, in der Apotheken-Umschau. Und 2008 stellte er fest: Der Beruf im Therapiezentrum brachte ihn „nicht mehr so weiter“, er kündigte. Genug Geld für ein Sabbatjahr war da, dennoch erschien Olivet die Fotografie allein als zu riskant. Er studierte, aufbauend auf seiner sporttherapeutischen Arbeit, Medizin, ist jetzt im Praktischen Jahr, die Doktorarbeit – wie schon die erste über das Knie – ist fertig, die Facharzt-Ausbildung im Bereich Orthopädie und Unfallchirurgie folgt. Schon wegen des Zeitaufwands für das Studium sieht sich Olivet hauptsächlich als „Mediziner, der auch fotografiert“. Die Leidenschaft für das Fotografieren sei groß, aber er sei trotz der Studio-Ausrüstung mit Scheinwerfern und Schirmen kein Profi, weil er keine Ausbildung habe.

Aber er probiert immer neue Techniken aus in seinen Jahresprojekten, in denen er eher künstlerisch arbeitet: Hamburg, Sandbank St. Peter, Dithmarscher Kirchen von innen – meist seien sie sehr dunkel, „ich fotografiere die mal hell“. Und immer mehr Menschen in möglichst skurrilem Umfeld: Eine Meldorfer Jugendfußball-Mannschaft setzte Olivet ebenso in der Itzehoer Alsen-Ruine in Szene wie die Sport-Club Itzehoe Eagles aus der 2. Basketball-Bundesliga ProB. Macht er doch einmal Hochzeitsfotos, dann rennt dabei die Gesellschaft über den Strand. In diesem Jahr lichtete der Dithmarscher Menschen in Südindien ab, als er dort in einem Krankenhaus arbeitete.

Seine Kunstfotos waren schon in Ausstellungen zu sehen, sind auch zu kaufen. Doch diese Bilder macht er in erster Linie für nicht-kommerzielle Zwecke: „Davon kann ich nicht leben“, sagt Olivet. Es gehe ums Ausprobieren, um das neue Wissen dann für iStock zu nutzen, die eigentliche Einnahmequelle. Fast 3000 Bilder hat er dort schon im Angebot, „aber mit mehr Zeit hätte ich schon das Zehnfache hochgeladen“. Parallel zu seiner medizinischen Karriere werde er sein Portfolio weiter auffüllen, baue aber nicht darauf, dass seine Bilder weiter so gefragt seien. Obwohl: „Zum Glück habe ich die gewisse Marktlücke, dass kaum ein Fotograf Ahnung von Therapie und Medizin hat.“

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Internet: http://olivet.jimdo.com/

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