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Norddeutsche Rundschau

24. Oktober 2017 | 12:00 Uhr

Segeln : Der Flottmacher bekommt alles hin

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der Glückstädter Volker Tomaschewsky ist leidenschaftlicher Segler und mit seinem mobilen Bootsbauservice von Niedersachsen bis Flensburg unterwegs.

Kalt ist es. Volker Tomaschewsky steht in der Bootshalle im Gewerbegebiet und arbeitet an einem Folkeboot. „Ich arbeite meistens in der Kälte“, sagt der 58-Jährige, der als „Der Flottmacher – Mobiler Bootsbauservice“ bekannt ist. Und kalt sei ohnehin ein dehnbarer Begriff. „Die Halle hier ist voll isoliert, ich habe schon in Hallen gearbeitet, in denen Schnee lag.“ Seinen Tiefpunkt erlebte er in den 80er Jahren. Minus 20 Grad habe das Thermometer damals gezeigt. Selbst für den wettererprobten Tomaschewsky war das zu viel des Guten.

Viel lieber als über eisige Temperaturen spricht der Flottmacher über „seine“ Boote. 7,64 Meter mal 2,20 Meter mal 1,20 Meter. Das seien die Maße des Folkebootes. Das steht aufgebockt in der Halle und Tomaschewsky ist gerade dabei, ein neues Teakholzdeck zu verlegen. „Das alte war auf, gut 30 Jahre alt“, sagt der Glückstädter, der beim Arbeiten nicht viele Worte verliert. Vollflächig verklebt sei das neue Deck, nichts werde verschraubt. Gute vier Wochen plane er für die Arbeit ein. „Inklusive Demontage“.

Der 58-Jährige liebt sein Handwerk. Das wird auf den ersten Blick spürbar. Gleich nebenan steht ein zweites Boot in der Halle. „Da mache ich Lackierarbeiten und an einem dritten dahinten Umbauarbeiten.“ Überhaupt mache er „alles außer Motoren und Elektrik“, verrät Tomaschewsky. Der gelernte Bootsbaumeister arbeitet seit knapp 40 Jahren in der Branche und kennt das Geschäft entsprechend aus dem Effeff. Die Zahlungsmoral seiner Kunden sei gut, überhaupt gebe es wenig Probleme. Nicht so gern erledigt er die Büroarbeit. Aber die gehöre nun auch einmal dazu. Rechnungen schreiben inbegriffen.

Tomaschewskys Hochsaison beginnt im September, wenn die ersten Eigner ihre Schiffe einlagern und winterfest machen und dauert bis Pfingsten, wenn die letzten Boote wieder zu Wasser gelassen werden. „Im Sommer bessere ist meist nur Schäden aus“, verrät er. Immer dort, „wo die Arbeit ist“. Jetzt im Winter ist er meist in der Halle zu finden. In der Kälte, die ihm so wenig ausmacht. Schlappe zwei Grad zeigt das Thermometer an, und Tomaschewsky ist eifrig dabei, das neue Teakdeck in Form zu bringen. Zwei Tonnen wiege das Folkeboot. Nicht viel im Vergleich zu großen Segelschiffen, aber doch genug, um achtsam bleiben zu müssen. „Wachsam sein ist wichtig“, sagt der Bootsexperte. Routine dürfe sich nicht einschleichen. Und wie zum Beweis zeigt er seine Hände: „Ich habe noch alle Finger“, lacht er.

Als „Der Flottmacher“ hat sich der Glückstädter längst weit über die Stadtgrenzen hinaus einen Namen gemacht. „Ich arbeite bis Flensburg hoch und auch auf der anderen Elbeseite in Niedersachsen“, verrät er – um gleich noch anzufügen: „Ich bin gut vernetzt.“ Kein Wunder also, dass Tomaschewsky an mehreren Booten gleichzeitig arbeiten muss. Aber über zu viel Arbeit beschwert er sich nicht. Außerdem heißt es ja, dass viel Arbeit viel Bewegung bedeutet. Und viel Bewegung wärmt bekanntlich. Selbst in eisigen Hallen.

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