zur Navigation springen

Landwirtschaft : „Der Bauer liebt seinen Boden“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Landwirt Simon Schlüter und Landtagsabgeordneter Heiner Rickers wehren sich gegen den Vorwurf, Bauern würden Boden- und Grundwasser verschmutzen. Gemeinsam müssten Lösungen gefunden werden.

shz.de von
erstellt am 30.Jan.2016 | 08:29 Uhr

Die Bauern sind sauer. Grund ist die Düngemittelverordnung, die zurzeit zur Beratung beim Bundeslandwirtschaftsministerium liegt. Allerdings ist es weniger die Verordnung selbst, die für Unmut sorgt. Vielmehr geht es um das Bild der Landwirte in der Öffentlichkeit. „Es geht um die Verallgemeinerung. Die Landwirte werden so dargestellt, als ob alle Massen von Dünger über die Felder sprühen und die Böden und damit das Grundwasser vergiften“, sagt Simon Schlüter. Der Kellinghusener Landwirt weiß, dass es sich bei Grundwasserverschmutzung um ein ganz sensibles Thema handelt. „Es ist verständlich, dass die Angst groß ist. Auf Fleisch kann man verzichten, auf Wasser nicht.“

Für Schlüter ist klar, dass kaum jemand so nachhaltig wirtschaftet, wie Landwirte. „Der Bauer liebt seinen Boden. Das ist sein Kapital.“ Hinzu kommt, dass Dünger teuer ist. Niemandem könne daran liegen, zu viel Dünger auszubringen. Der Kellinghusener selbst lässt seinen Boden seit einigen Jahren testen. Heinrich Hack vom Ingenieurdienst Umweltsteuerung (Ingus) kommt regelmäßig auf den Hof, um die Werte für den Boden zu überprüfen. „Jede Pflanze hat ihren eigenen Nährstoffbedarf. Wenn wir wissen, wie gesättigt der Boden ist, kann die optimale Menge hinzugeführt werden“, erklärt Hack. Der Fachmann weiß auch, dass die Böden im gesamten Land unterschiedlich sind.

Im Kreis Schleswig-Flensburg bestünden Probleme mit der Belastung, zudem falle dort viel Gülle an. In anderen Teilen Schleswig-Holsteins benötige der Boden zusätzliche Nährstoffe. Eine Lösung könnten Düngetransporte durchs Land sein. Dazu müsste die Gülle allerdings aufgearbeitet werden. Sicher ist für den Diplom-Ingenieur aber: „Es gibt keinen im Land, der bewusst das Grundwasser verpesten will.“

Das sieht auch der CDU-Landtagsabgeordnete und Landwirt Heiner Rickers so. Und auch er meint: Die Düngeverordnung selbst sei eigentlich kaum zu kritisieren. „So bekommen wir endlich mal konkrete Zahlen. So kann das Thema endlich wissenschaftlich aufgearbeitet werden.“ Schließlich handele es sich um ein komplexes Thema und das müsse sachlich aufgegriffen werden. Dafür, so der Landtagsabgeordnete, sei es durchaus auch mal sinnvoll, Gelder in die Forschung zu stecken.

„Wir müssen das Problem gemeinsam lösen und nicht einen Prügelknaben suchen“, sind sich Simon Schlüter und Heiner Rickers einig. Unruhe stifte dabei vor allem Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne). In Bezug auf Habecks Ambitionen, für den Grünen Bundesvorstand zu kandidieren, meint der Kellinghusener: „Der Umweltminister betreibt Wahlkampf auf Kosten der Bauern.“

Schlüter wird seinen Boden weiter regelmäßig prüfen lassen. Und das Angebot gibt es auch für alle anderen Landwirte. Seit 2015 werden die Bodentests durch die EU gefördert. Beauftragte Büros, wie Ingus aus Nortorf (Rendsburg-Eckernförde), können angefordert werden, „bis die Fördermittel leer sind“, sagt Heinrich Hack. Für die Landwirte entstünden dadurch keine Kosten – aber viel Nutzen. Der richtige Einsatz von Dünger helfe nicht nur der Natur, sondern auch dem Geldbeutel. Und schließlich bekämen die Pflanzen einen genau auf den Bedarf abgestimmten Nährstoffzuschuss.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen