Denkmalschützer entdecken Kirche

Zugemauertes Kirchenfenster.
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Zugemauertes Kirchenfenster.

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17. März 2011, 06:59 Uhr

Glückstadt | "Es ist ein Schatz, der gehoben werden muss. Solche Entdeckungen machen wir nicht alle Tage." Beate von Malottky gerät ins Schwärmen, wenn sie die historische Substanz des Hauses der ehemaligen Druckerei Rautenberg in der Königstraße sieht. Die Denkmalschützerin ist nicht allein gekommen. In ihrer Begleitung sind die Bauhistoriker Dr. Holger Reimers und Andreas Voss.

Die Drei sprechen über die gut erhaltenen Überreste einer Kirche in dem Haus. Die Empore im zweiten Stock ist sogar noch komplett erhalten. Die Einfassungen der großen Kirchen-Fenster gibt es auch noch. Hinzu kommen Wandmalereien. Ebenso eine alte Zellentür auf dem Dachboden mit einem gusseisernen Riegel. Denn die Kirche gehörte wohl einst zu dem Gefängnis im historischen Gießhaus, das um 1660 gebaut wurde.

Klaus Morwinski, Pastor der Freie Christengemeinde, zeigt den Fachleuten das Haus. Er hat sie gebeten, das Haus der Gemeinde zu begutachten. Beate von Malottky weiß aus Unterlagen: "Das Haus hatte viele Bauphasen."

Unterlagen ergeben: Christian Dilleben, ein bekannter Architekt, hat das Haus 1759 umgebaut. Im 19. Jahrhundert wurde es dann als Gefängnis genutzt. "Der Ausbau der Kapelle ist fast vollständig erhalten", sagt die Denkmalschützerin. Nur, dass die hölzernen Decken und die Ausmalungen noch fast vollständig abgedeckt sind. Doch die Fachleute legen bereits einzelne Stellen frei.

Das Gebäude ist jetzt als Kulturdenkmal eingestuft. Beate von Malottky: "Es stecken erhebliche Werte im Haus, deshalb ist auch das Landesdenkmalamt mit eingebunden." Es soll Bauforschung betrieben werden. Und für sie steht nicht im Widerspruch, dass die Gemeinde das Haus nutzen will. "Ein Gemeindezentrum lässt sich gut mit den Befunden vereinbaren." Aus einer ganz frühen Bauphase stammen die Umfassungswände und zwei gemauerte Abzugsanlagen des ursprünglichen Gießhauses. "Im Dachgeschoss sind Relikte einer Gefängnisnutzung zu sehen. Eine ganz außergewöhnliche Entdeckung stellt ein unter Leichtbauverkleidungen verborgener Kapellenraum mit gusseisernen Säulen, von außen vermauerten Rundbogenfenstern und Empore dar, der sich vom ersten Obergeschoss bis unter das Dach erstreckt." Solche Funde seien auch für Denkmalpfleger nicht alltäglich. "Die Begeisterung an diesem Haus wächst mit jeder neuen Entdeckung. Der Landeskonservator, Dr. Michael Paarmann, hat sich vor Ort von der besonderen Befundlage überzeugt und die Förderung einer Bauforschung in Aussicht gestellt." Auch bestätigt sich für die Fachleute die Vermutungen, dass die bauzeitliche Ausmalung der Kapelle noch erhalten ist. "Wir werden versuchen noch weitere Förderer, wie die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit ins Boot zu holen." Und geplant sei, das Haus am "Tag des offenen Denkmals" im September der Öffentlichkeit vorzustellen.

Auch Dr. Reimers ist begeistert. "Die Befunde rechtfertigen einen respektvollen Umgang mit der Bausubstanz." Und erklärt mit dem Blick des Fachmanns, was noch nicht offensichtlich darstellt. "Wir lesen in der Substanz und überprüfen, in welcher Form die Pläne umgesetzt wurden. Und wie sich Bautechnik und Ausführung in verschiedenen Bauphase unterscheiden."

Gemeinsam erkunden sie den Raum der ehemaligen Kirche, sehen sich Wandmalerei und die Rundbögen der Fenster zur Ballhausstraße genauer an. Da die Kirche noch nicht so alt ist und der Umbau vermutlich erst nach dem Zweiten Weltkrieg stattfand, hofft Andreas Voss auf Bilder und Fotos von Bürgern. "Es wäre spannend ein Bild darüber zu finden."

Klaus Morwinski ist auch ein wenig stolz auf den Schatz, sagt aber bescheiden: "Die Geschichte haben wir mitgekauft." Die Eigentümer haben in der Zwischenzeit die Eintragung des Hauses in das Denkmalbuch beantragt, so dass der Schatz gemeinsam gehoben werden kann.

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