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Volkstrauertag : Denkmale für die Toten zweier Kriege

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Gedenkstätten auf dem Glückstädter Friedhof, im Rathaus und in der Stadt erinnern an die Opfer von Kämpfen und Vertreibung

Denkmäler erinnern an den Volkstrauertag, der morgen auch in Glückstadt begangen wird: Die Gedenkfeier ist um 10 Uhr in der Kreuzkapelle. Gedacht wird der Toten zweier Weltkriege an den Fronten und in der Heimat sowie der Opfer von Gewaltherrschaft aller Nationen.

In Glückstadt ist der Ort offiziellen Gedenkens das stattliche Kriegerdenkmal des Bildhauers Heinrich Mißfeldt (1872-1945) bei der Friedhofskapelle auf dem Norderfriedhof. Ein breiter Sockel aus Tuffstein in Rustica-Manier trägt einen Aufsatz aus Muschelkalk mit drei Relieftafeln: In der Mitte ein Grabkreuz im Felde, das von aufgehender Sonne umstrahlt wird, rechts und links trauernde Frauen im Gebet versunken, über ihnen das Eiserne Kreuz des führenden Berliner Architekten Karl-Friedrich Schinckel (1781-1841) und zwischen Eichenzweigen darunter mit den Jahreszahlen beider Weltkriege 1914-1918 und 1939-1945 die Inschrift: „Ihren gefallenen Söhnen die Gemeinde Glückstadt“.


Gedenkstätte für Flüchtlinge


Für Neubürger, die nach dem Zweiten Weltkrieg als Flüchtlinge und Heimatvertriebene die Einwohnerzahl Glückstadts verdoppelt hatten, gibt es eine eigene Gedenkmöglichkeit auf dem Norderfriedhof nahe des Blumen-Rondels für die Urnengräber. Ein Findlingsstein auf ummauertem Betonsockel trägt die eingemeißelte schlichte Inschrift: „Unseren Toten im Osten.“ Sie gilt den verwaisten Familiengräbern in der Heimat und den Toten der Flucht, die am Rande des Weges unbegraben zurückgelassen werden mussten.

Vor dem Findlingsstein liegen Steinschwellen in zwei Dreiergruppen, die in erhabenen Lettern Namen der verlorenen Heimatgebiete nennen: links Pommern, Westpreußen, Sudetenland – rechts Danzig, Ostpreußen, Schlesien. Diese Gedenkstätte ist Nachfolgerin einer früheren mit dem hohen hölzernen „Kreuz des Ostens“ am Ende einer nun groß gewachsenen Allee im äußersten Nordwesten. Der damals neu erschlossenen Friedhofsteil wird beim Schwinden der Bevölkerungszahl heute als zu weit entlegen nicht mehr genutzt.

Fünf Wegweiser übereinander am Molenkiekergang nennen die Namen und zeigen die Wappen von Stettin, Danzig, Königsberg, Breslau und Reichenberg, der ehemaligen Provinzhauptstädte von Pommern, Ostpreußen, Westpreußen, Schlesien und dem Sudetenland. 14,5 Millionen Menschen wurden durch Grenzverschiebungen nach 1945 aus ihrer Heimat im Osten vertrieben und mussten im „Altreich“ aufgenommen werden. In Glückstadt haben Kriegsflüchtlinge und Vertriebene die Einwohnerzahl verdoppelt.

Lange hofften sie auf eine Rückkehrmöglichkeit und installierten am Straßenrand der Süderanlagen diese Gedenkstätte. Inzwischen hat sie in Butendiek am Kopf des Neuen Fleths einen neuen Platz gefunden. Die Landsmannschaft der Pommern pflanzte dort am Eingang eines idyllischen Neubauviertels eine Eiche, die prächtig gedieh. Eine Marmortafel an ihrem Stamm trägt zwischen den Stadtwappen von Stolpmünde und Glückstadt den Text: „Stolpmünder Eiche zum Gedenken an Diktatur, Flucht und Vertreibung – Wir danken unserer Patenstadt Glückstadt für die gute Zusammenarbeit und gedenken in Ehrfurcht der Verschollenen und Toten beider Städte – Die Stolpmünder.


Gedenkbuch wird täglich umgeblättert


Eine städtische Gedenkstätte für die Glückstädter Opfer des Zweiten Weltkriegs 1933-1945 wurde im Rathaus vor der verglasten Balkontür gegenüber dem Reiterportrait des Marquard Pentz eingerichtet. In einer Vitrine liegt ein aufgeschlagenes Ehrenbuch, in das die Namen nach Geburtsdaten kalendarisch eingetragen sind. Es wird täglich umgeblättert, sodass Angehörige zu Geburtstagen bei aufgeschlagenem Namen dort ein Gedenken abhalten und Blumen niederlegen können.

Das Gedenkbuch für die Kriegsopfer gibt es in zwei Ausführungen. Die ursprünglich gleich nach Kriegsende künstlerisch gestaltete in zwei Bänden ist die Arbeit des Glückstädter Malers Hermann Wehrmann, die er nach oft ungenauen ersten Angaben von Verwandten, Freunden und Nachbarn erstellte (heute im Stadtarchiv). Die jetzt gültige Ausführung in mehreren Bänden erstellte Oberstudienrat Dr. Harro Voss aufgrund sorgfältigen Recherche mit Hilfe des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Ruth Möller

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