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400-Jahr-Feier : Denkmal für Gründer des Stadtparks

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Detlefsen-Gesellschaft sucht Paten für Denkmal von Johann Ernst Seidel (1765-1832) – Glückstadts Stadtpräsident

von
erstellt am 08.Aug.2014 | 05:00 Uhr

Die Denkmäler sollen bis zur 400-Jahr-Feier der Stadt in 2017 in neuem Glanz erscheinen. Dafür werden Paten gesucht. Die ehemalige Stadtarchivarin Ruth Möller stellt einzelne Denkmäler vor.

Das Seideldenkmal: Der schlichte spätklassizistische Gedenkstein hat die Aufschrift „J. E. Seidel – Die dankbaren Einwohner Glückstadts“. Es ist einer wertgeschätzten, doch nur regional bekannten Persönlichkeit gewidmet. Wir finden das Denkmal auf einem Rundbeet mit Dauerbepflanzung in den südöstlichen Anlagen am Fuße der Wilhelminenhöhe. Der Stein ehrt den Stadtpräsidenten von 1812-1832, der nach Schleifung der Festung von König Friedrich VI. das Areal des Festunsgsvorfeldes als Geschenk erbat, um dort den ersten Bürgerpark in Schleswig-Holstein anzulegen. Johann Ernst Seidel (1765-1832) ist der Schöpfer der Städtischen Anlagen. Er ist nicht nur Initiator, sondern auch ihr Architekt.

Seidels Anlagen waren ein Baumgürtel, der von der Bastion Königin Am Neuendeich (Wasserturmberg) etwa auf der Trasse Bohnstraße über die Bastion Kronprinz (Friedrichshöhe) bis an die Krempertorstraße reichte. Und sich zu beiden Seiten der Krempertorstraße längs der Bassins bis zur Brücke über den Vorgraben hinzog und über die Bastion Kronprinzessin (Wilhelminenhöhe) erweitert wurde.

Längs der Krempertorstraße wurde eine Ulmenallee gepflanzt, die „die Einfahrt nach Glückstadt von der Kremper Seite her so schön machte, wie wenige Städte sie haben“, so Diakon Johann Heinrich Bernhard Lübkert (1798-1858). Er war der Schwiegersohn Seidels und nach dessen Tod ab 1835 „Schloß- und Garnisonprediger“.

„Mit den Städtischen Anlagen hat Seidel vorausschauenden Geistes Glückstadt große gesundheitliche und seelische Werte verschafft“, sagte wiederum Friedrich Carl Rode, Verfasser der zweibändigen „Kriegsgeschichte der Festung Glückstadt“ (erschienen 1940).

Der Historiker Detlef Detlefsen (1833-1911) erwähnt den Stein in einer Schulrede über Nationaldenkmäler „Wie lange Jahre ist für mich der ganze Inhalt des Begriffes Denkmal ausgefüllt gewesen durch den schlichten Stein, den die dankbaren Einwohner Glückstadts ihrem Stadtpräsidenten widmeten, der ihnen die Anlagen schuf, die schattigen Spaziergänge für die Alten, den Tummelplatz unserer Jugend. Inmitten seiner Schöpfung lebt sein Gedächtnis fort, und wenn auch der Denkstein keinen Anspruch auf Schönheit und Kunst erheben kann, er enthält doch eine sinnige Huldigung eben dadurch, dass er am rechten Platze steht!“

Detlefsen kannte den weißen Sandstein aber in einer früheren Gestaltung, die der Architekt der dritten Ausbauphase des Parks verändert hat, „auf einem Rasen eingefasst mit sechs durch eiserne Ketten verbundene behauene Granitblöcke“.

Seidel war es, der die Stadt nach der Beschießung wieder bewohnbar machen und die Schäden beseitigen lassen musste. Er ließ das aufgewühlte Straßenpflaster erneuern, Jungfernstieg und Kirchplatz neu gestalten, die Kirche ausmalen, ein neues Altargemälde anschaffen, sämtliche Schulen erneuern oder neu bauen, Abwasserkanäle einrichten, die Zuchthausbrücke erneuern, Krempertorbrücken bauen, den Weg über den Schleusenberg verkehrssicher machen, Aussichtspunkte an der Elbe erschaffen, Fußsteige nach Herzhorn und Kollmar anlegen und den Rethövel- und Hafendeich nach dem Deichbruch 1825 verstärken.

Am 6. Juni 1832 starb Stadtpräsident Seidel im 68. Lebensjahr. „Die Feier seiner Beerdigung gehört zu den erhebendsten Glückstadts, die Begleitung war so zahlreich wie selten eine. Er war wegen seiner Tätigkeit und Einsicht ein seltener, wegen seiner moralischen Güte und Vortrefflichkeit ein verehrungswürdiger Mann“, so Lübker. Wie groß der Verlust empfunden wurde, mag man daraus schließen, dass ihm das Denkmal noch im Jahr seines Todes gesetzt wurde.

Wer bei der Aktion Pate für Denkmäler mitmachen will, kann sich bei Norbert Meinert unter 04124/937329 melden.

 

 

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