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Norddeutsche Rundschau

18. August 2017 | 11:21 Uhr

Gesellschaft : Den Tod ins Leben holen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Elf Frauen und ein Mann lassen sich zu Sterbebegleitern ausbilden

Das Interesse an dieser ehrenamtlichen Tätigkeit ist groß. Zwölf Sterbebegleiter bildet der Hospiz-Förderverein Itzehoe aus. In 96 Stunden lernen die Ehrenamtler wahrzunehmen, zuzuhören, zu verstehen, aber auch wieder loszulassen und aufzustehen. Ein achtwöchiges Praktikum vertieft das Gelernte. Nun ist der erste Ausbildungsteil abgeschlossen, bis März folgt der zweite und endet mit einem Zertifikat.

Rüdiger Blaschke und Kirstin Baade, Trainer und Koordinatoren der Sterbebegleiter, sind mit der neuen Ausbildungsgruppe sehr zufrieden. „Wir unterrichten nach dem Celler Modell – damit ist ein guter Qualitätsstandard gesichert“, sagt Blaschke. Die Teilnehmer sind zwischen 32 und über 60 Jahre alt, elf Frauen und ein Mann. Bereits 2011 und 2014 wurden in Itzehoe Sterbebegleiter ausgebildet. Der nächste Kursus ist bereits geplant. Insgesamt übernimmt der ambulante Hospizdienst rund 60 Begleitungen pro Jahr. „Pro Person sollen zwei oder drei übernommen werden“, erklärt Kirstin Baade. „Es ist eine Herausforderung und man darf selber nicht überfordert werden.“

Die Dienste können unentgeltlich in Anspruch genommen werden. „Diese Tätigkeit erfordert ganz viel Mut“, sagt Blaschke. „Wir müssen lernen, den Tod wieder in die Normalität zu führen.“ Ziel sei es, dass betroffene Menschen in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können. Das kann zu Hause sein oder auch in einer Einrichtung. „Unsere Sterbebegleiter übernehmen eine psychosoziale Betreuung. Wir unterstützen auch die Angehörigen eines Sterbenden und Schwerkranken“, erzählt Baade.

Viele Teilnehmer sind aus persönlichen Betroffenheit dabei. „Der Tod hat in meinem Leben schon immer eine große Rolle gespielt“, sagt Anke Ramm. „Vielleicht hat das dazu beigetragen, dass er für mich nicht so ein großes Schreckgespenst ist.“

Ein Satz, der in der Gruppe immer wieder auftaucht, lautet: „Den Tod ins Leben holen.“ Karina Richter sagt: „Es ist eine unheimliche Entlastung, wenn jemand da ist, der mit Abstand begleitet. Für uns war diese Begleitung wie ein Engel.“ Kerstin Struve kennt die Situation der Familien: „Es ist oft eine Sprachlosigkeit in den Familien, obwohl es klar ist, dass jemand sterben wird. Dafür sind wir eine Art Brücke, ein Dolmetscher.“




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