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Berufsausbildung : Den Nachbarn auf die Dächer geguckt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Regionales Berufsbildungszentrum Itzehoe fördert junge Auszubildende, die ins Ausland gehen wollen – vier Zimmerer zieht es nach Dänemark.

shz.de von
erstellt am 21.Jul.2017 | 17:03 Uhr

Fast Ferien. In den Schulen läuft nicht mehr viel – sagt zumindest ein Vorurteil. Doch nach wie vor geht es nicht nur um die Noten im Zeugnis. Die Schulen nutzen die Zeit auch für viele besondere Aktionen. Wir stellen in einer Serie Beispiele vor. Heute: Regionales Berufsbildungszentrum.

Erasmus – viele verbinden mit diesem Namen das größte weltweite Förderprogramm von Auslandsaufenthalten an Universitäten. Wer die eigene Uni für ein Semester in Frankreich, Ungarn oder Island verlässt, der wird in der Regel von Erasmus unterstützt. Wohl eher wenige wissen, dass über das Erasmus-Plus-Programm auch Auszubildenden mit einem Stipendium ein Auslandsaufenthalt ermöglicht werden kann. Dem Regionalen Berufsbildungszentrum (RBZ) ist das Programm bekannt, man empfiehlt es an der Schule – zum Beispiel bei den Auszubildenden zum Zimmerer. Gemeinsam mit der Handwerkskammer Lübeck schickte die Schule vier von ihnen für drei Wochen nach Odense in Dänemark.

„Wir bieten noch vieles mehr an, man muss sich nur bewerben“, sagt Marie-Christin Starck von der Handwerkskammer. Ziel sei es, das Projekt bekannter zu machen. Am RBZ hatten sich Bjark Westphalen von der Firma Kai Kelting in Horst, Tilman Hintz von Koss und Eggers aus Kellinghusen sowie Paul Tiedemann und Henning Reimers vom Unternehmen Martens aus Holstenniendorf erfolgreich beworben. Es hätten auch noch weitere Azubis nach Dänemark gehen können, aber nicht jeder Betrieb kann drei Wochen auf seine Auszubildenden verzichten. „Wir hoffen auf mehr Zuspruch und Offenheit von den Firmen für solche Projekte“, sagt der zuständige Fachbereichsleiter für die Zimmerer, Olaf Schlichting.

„Es ist cool, mal ins Ausland zu gehen, aus seinem Alltag rauszukommen und zu sehen, wie die Leute in anderen Ländern arbeiten“, sagt Reimers. In Odense haben wir alle zusammen in einem Internat geschlafen“, erzählt Westphalen. Eine Woche habe man an einer Partnerschule gelernt, die restliche Zeit seien die vier aufgeteilt worden und hätten in zwei dänischen Betrieben gearbeitet. Mit den Dänen haben sie sich auf Englisch verständigt und ganz normal den Arbeitsalltag mitgemacht. „Meine Firma war etwas kleiner, das Berufsbild war dort etwas breiter gefasst. Da macht der Zimmerer auch Tischler- und Maurerarbeiten“, erzählt Hintz.

In Dänemark hätten sie ein Dach von einem Haus, das zur Behinderteneinrichtung umgebaut wird, gedämmt, Wände gestellt oder mit Verlegeplatten gearbeitet. Was allen vieren aufgefallen ist: Die Gipskartonplatten, die sie schleppen mussten, waren leichter als zu Hause und die Anfahrtswege zur Arbeit um einiges kürzer als in Deutschland. Und außerdem stellten sie fest, dass es in Dänemark deutlich mehr Verkehrsberuhigungs-Poller gibt.

Wenn die Arbeit vorbei war, haben sich die vier angehenden Zimmermänner die Stadt angeguckt, sind an den Strand oder in Bars gegangen. „Wir hätten auch noch länger da bleiben können. Man konnte mit den Kollegen jeden Tag über was anderes reden und hatte sich nicht nach zwei Wochen alles erzählt“, sagt Reimers, der sich in Odense auch ein Tattoo stechen ließ. Bei dem Projekt mitmachen würden alle wieder.

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