Kunst in Glückstadt : Den Krieg künstlerisch verarbeitet

Wurde aufgrund seines umfassenden Werks jüngst in den Steinburger Künstlerbund aufgenommen: Percy Hertzer-Plaza.
Wurde aufgrund seines umfassenden Werks jüngst in den Steinburger Künstlerbund aufgenommen: Percy Hertzer-Plaza.

Percy Hertzer-Plaza hat eine neue Ausdrucksform, der Künstler kombiniert Krieg und Gewalt mit Naturlandschaften und Menschen.

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15. Dezember 2014, 11:59 Uhr

Auf den ersten Blick sehen die aktuellen Bilder des Künstlers Percy Hertzer-Plaza (71) aus Glückstadt harmlos, ja sogar friedlich aus. Erst bei näherem Hinsehen und mit Kenntnis seines künstlerischen Werdegangs lässt sich erahnen, dass er auf den gezeigten abstrahierten Landschaftsdarstellungen das Thema Krieg und Gewalt mit Pflanzen- und Naturdarstellungen zusammen bringt.

In Chile geboren, hat Percy Hertzer-Plaza in seiner Heimat in Valparaiso die Häuser gemalt und gezeichnet, die an einem Hang gebaut sind, und diese mit den Menschen kombiniert, die dort „in Armut und Traurigkeit leben“. Dann ist er vor 48 Jahren zum Kunststudium nach Deutschland gekommen – „denn Deutschland ist ein fantastisches Land für die Kunst“ – und hat nach seinem Studium in Hamburg gelebt und gearbeitet.

Der Umbruch erfolgte in Hamburg. In der Nähe des Wassers faszinierte ihn die außergewöhnliche Bildsprache der Schifffahrt mit ihrer Symbolik, die Buchstaben, die Zahlen, all die kielförmigen Strukturen – bis heute hat das alles für ihn eine bedeutungsvolle Symbolik, die er in bisweilen ungegenständlichen Darstellungen hauptsächlich in faszinierenden Acrylbildern malt.

In den vergangenen Monaten beschäftigte ihn vor allem aus den Nachrichten das Thema Krieg und Gewalt. „Das habe ich mit den Elementen meiner botanischen Welt verbunden. Mir fiel auf, dass eine Bombenexplosion von weitem ähnlich aussah wie Pollenflug.“ So brachte er die symbolische Darstellung von Vorgängen aus der friedlichen Pflanzenwelt mit den brutalen Geschehnissen aus Krieg und Verderben in seinen Bildern zusammen.

Elemente, die er auch schon früher in seine Arbeiten einbezogen hatte – Tropfen und Punkte in der Darstellung der Pollen –, werden nun als Sterne zu Bomben, zum Ausdruck der Zerstörung. „Ich habe das aber allgemein gehalten, so dass es auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist“, erläutert er sein aktuelles Schaffen.

Diverse teils großformatige Bilder in Acryltechnik sind so entstanden. Enthalten sind auf den Bildern auch oft Menschen, die die Zerstörung beobachten. In Werken von 2014 wie bei „Impressionen dieser Nacht“ oder „Das Licht begleitet uns“ ist ihm so eine beinahe unheimliche Verbindung von Zerstörung und Ästhetik gelungen, die vielleicht auch zur Faszination des Grausamen beiträgt.

Der Krieg kommt dabei nur als versteckte Welt zum Ausdruck. So ist ein Mensch, der die Szenerie beobachtet, durchsichtig dargestellt ist, um seine Distanz zum Geschehen zu betonen. So zeigt er die abstrakte Form der versteckten Zerstörung und der Hilflosigkeit der Menschen, die ihn sehr betroffen macht.

Seine Werke hat der Künstler aus Glückstadt in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen von Glückstadt bis Rendsburg, von Berlin bis Hamburg und von Bonn bis Santiago (Chile) bereits der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ein Werk war 2009 bei der „Nord Art“ in Büdelsdorf, der größten Ausstellung in Norddeutschland, in alten Fabrikhallen zu sehen.

Zwei aktuelle Bilder hingen bis vor kurzem im Itzehoer Wenzel-Hablik-Museum bei der Ausstellung des Steinburger Künstlerbundes, in den er vor vier Monaten aufgenommen wurde. Weitere Werke wurden kürzlich in Elmshorn in der Industrie- und Handelskammer ausgestellt.

Seit 2008 gibt Percy Hertzer-Plaza nun schon Kurse im Zeichnen und Malen an der Volkshochschule Glückstadt unter dem Titel „Vom richtigen Sehen zum richtigen Zeichnen“. „Ich möchte, dass die Schüler beim Zeichnen lernen, bestimmte Dinge korrekt wiederzugeben, beispielsweise in Stillleben von einfachen Dingen wie Obst oder Geschirr, das auf dem Tisch liegt, so dass der Betrachter eine Idee davon bekommt, wie etwas aussieht, ohne eine Fotografie vor sich zu haben. Das ist ein Prozess, der lange dauert, bis man die Komposition beachtet und mit Leichtigkeit zeichnerisch etwas übertragen kann.“

Derzeit neun Personen im Alter zwischen 50 und 60 Jahren üben sich, zuerst mit Bleistift, dann mit Kohle und Kreide, Bunt- und Farbstiften, einige auch mit Aquarell- oder Acrylfarben. Vor drei Jahren hat es in der Buchhandlung am Fleth eine Ausstellung mit den Ergebnissen gegeben, und Hertzer-Plaza hat auch schon einen Kalender mit den Werken seiner Schüler veröffentlicht.

15 Mal sitzen sie ein Mal in der Woche zwei Stunden lang zusammen, nächstes Jahr sollen es 20 Teilnehmer sein. Der aktuelle Kursus läuft bis Weihnachten, dann gibt es wieder ein neues Angebot ab dem 2. Februar 2015. „Wir wollen auch wieder Ausstellungen entwickeln“, plant Percy Hertzer-Plaza bereits. Bestimmt ist dann bereits sein künstlerischer Einfluss in den Ergebnissen seiner Schüler zu erkennen.

> Infos gibt es auf der Homepage des Künstlers unter www.percy-hertzer.de

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