zur Navigation springen

Arbeitsmarkt : Demografie-Wandel sorgt für Bevölkerungsrückgang

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Bevölkerung schrumpft in den Kreisen Steinburg und Dithmarschen bis 2030 um 15 500 Bürger – und immer mehr Fachkräfte fehlen.

shz.de von
erstellt am 28.Feb.2014 | 04:49 Uhr

Die Zahlen alarmieren: Bis 2030 wird die Bevölkerung in den Kreisen Steinburg und Dithmarschen um etwa 15 500 Personen zurückgehen. Das gab gestern der Leiter der Agentur für Arbeit in Heide, Ronald Geist, bekannt. Zusätzlich bewirke der demografische Wandel, dass dem Arbeitsmarkt zukünftig weniger Fachkräfte zur Verfügung stünden.

In Zahlen rechne die Arbeitsagentur von 2009 bis 2030 mit einem absoluten Rückgang der möglichen Arbeitnehmer im erwerbsfähigen Alter (16 bis 64 Jahre) um 9900 Personen allein im Kreis Steinburg. Die Zahl ergebe sich aus dem Übergang der älteren Arbeitnehmer in die Rente und in den Vorruhestand sowie durch die zu geringe Anzahl an Nachrückern in den Arbeitsmarkt aus der jungen Generation. „Wir werden perspektivisch in ein Problemfeld geraten“, kommentierte Geist die aktuelle Entwicklung.

Um dem Fachkräftemangel aktiv entgegenzuwirken, setzt die Agentur für Arbeit nun darauf, die „stillen Reserven“ im Arbeitsmarkt zu erschließen. Konkret unterstütze sie Betriebe bei Qualifizierungsmaßnahmen bereits beschäftigter Personen. Es gehe auch darum, den Kreis grundsätzlich erwerbsfähiger Personen zu erschließen, die dem Arbeitsmarkt aus sonstigen Gründen nicht zur Verfügung stünden. Wie könne man beispielsweise Hausfrauen motivieren? Das sei durchaus eine Frage, formulierte Geist.

Qualifiziertes Personal fehle zum Beispiel in der Altenpflege. Auf eine Arbeitsstelle käme im Schnitt gerade mal ein Bewerber. Von einer Auswahl an Bewerbern könne da nicht mehr die Rede sein. Da greift das Modell der betrieblichen Qualifizierung, das sich im Beispiel wie folgt beschreiben lässt: Eine Altenpflegerin mit einem Vollzeitjob würde auf ein Ausbildungsgehalt zurückgestuft zu werden, wenn sie eine weiterführende Ausbildung absolvieren wollte. Für viele Berufstätige kommt eine fachliche Ausbildung mitten im Erwerbsleben deshalb nicht in Frage, gerade, wenn es eine Familie zu ernähren gilt.

Die Agentur für Arbeit ermögliche es Betrieben, dem Arbeitnehmer während einer solchen Ausbildungszeit das reguläre Gehalt zu bezahlen. So zum Beispiel Stefan Wisch. Der 26-Jährige aus Heide habe nach der Bundeswehr keine Arbeit in seinem ehemaligen Ausbildungsberuf gefunden und werde jetzt zum Elektoniker für Energie- und Gebäudetechnik in der Firma Elektro Putzehl umgeschult. „Herr Wisch hat noch 40 Berufsjahre vor sich. Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt. Sicher ist aber, dass Fachkräfte seltener arbeitslos werden“, so Geist.

Betriebe profitierten bei der Regelung davon, Personal schulen zu können, das in die betrieblichen Arbeitsabläufe bereits eingebunden sei. Zudem seien ältere Auszubildende erfahrungsgemäß oft besonders motiviert und brächten im Vergleich zu ihren jüngeren Mitstreitern bessere Noten aus der Berufsschule mit.

„Wir wollen mit der betrieblichen Ausbildung die normale Ausbildung nicht untergraben“, betonte Geist. Viel mehr gehe es darum, das Risiko einer Arbeitslosigkeit zu senken. Dieses sei bei Personen ohne Berufsabschluss besonders hoch. Gemessen an Zahlen aus dem Jahr 2011 könne man sagen, dass von Personen ohne Ausbildungsabschluss jede Fünfte über kurz oder lang in die Arbeitslosigkeit gerate. Ein Appell richte sich deshalb an alle Jugendlichen, die am Anfang ihres Berufsleben stehen. Für ihre Zukunft sei eine gute Ausbildung entscheidend. Ebenso forderte Ronald Geist die Betriebe aus der Region auf, in die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter zu investieren.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen