Freizeit : „Dem Verein muss geholfen werden“

Er will die Gärten unter die Leute bringen: Theo Horbach, Obmann der Anlage Stadtkoppel an der Oelixdorfer Straße.
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Er will die Gärten unter die Leute bringen: Theo Horbach, Obmann der Anlage Stadtkoppel an der Oelixdorfer Straße.

Itzehoer Kleingärtner suchen nach neuer Führung. Die Hälfte der mehr als 700 Parzellen steht leer.

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31. Januar 2018, 05:04 Uhr

Welche Zukunft haben Kleingärtner in Itzehoe? Haben sie überhaupt eine? Im Moment gibt es darauf keine Antwort. Die Rückgabe großer Flächen an die Stadt steht im Raum, der Kleingärtnerverein Itzehoe braucht wieder eine gewählte Führung.

Denn derzeit amtiert ein Notvorstand, nachdem sich 1. und 2. Vorsitzender aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen haben. Rechnungsführerin Rita Wiebensohn sowie die beiden Beisitzerinnen Amke Henninga und Klara Kai blieben übrig, das Amtsgericht Pinneberg wurde tätig und setzte Hans-Dieter Schiller, Vorsitzender im Landesverband der Gartenfreunde sowie den Kreisvorsitzenden Ingo Sievers für die Übergangszeit ein. „Dem Verein muss geholfen werden“, sagt Schiller, der diese Aufgabe im Land nicht zum ersten Mal übernimmt. Doch die Hürden sind hoch.

Die Zahlen präsentierte Rita Wiebensohn kürzlich bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, zu der gut ein Drittel der 360 Mitglieder kamen. Auf einer Gesamtfläche von 39 Hektar verfügt der Verein in elf Anlagen über 700 Gärten. „Die Hälfte davon steht leer, das können wir uns einfach nicht leisten“, sagt Wiebensohn. Zu lange sei es hinausgeschoben worden: Der Verein müsse sich von Flächen trennen. Schiller bekräftigt: „Damit der Verein Bestand hat, müssen nach unseren Berechnungen ungefähr 16 Hektar abgegeben werden.“ Erste Aufgabe des Notvorstandes sei es, eine neue Führungsriege zu suchen, aber er dürfe mit der Stadt über die Gartenanlagen sprechen. Nichts stehe fest, betont Wiebensohn, „so weit sind wir noch nicht“.

Es fehlten belastbare Zahlen, bestätigt Heinz-Rüdiger George, Leiter der Umweltabteilung im Rathaus. „Wir erwarten von dem Verein, dass er uns eine Auflistung gibt über die Anzahl der nicht belegten Parzellen in den einzelnen Anlagen – dann sehen wir weiter.“ Verwaltung und Politik sei an einer tragfähigen Zukunft der Kleingärtner in Itzehoe gelegen. Fest stehe aber: „Wir müssen irgendwann zu einer kleingärtnerischen Flurbereinigung kommen.“ Das bedeute nicht automatisch, dass jede zurückgegebene Fläche bebaut werde.

Genau das ist die Sorge von Christine Weber-Herfort. Die Sprecherin der Eichtal-Initiative, die sich um die Kleingärten im Kratt bemüht, ist nicht Mitglied im Verein, andere aus der Initiative sind es schon. Sie diskutierten eifrig mit in der Versammlung, präsentierten Vorschläge wie offene Gärten. „Die Ideen sind nicht schlecht“, sagt Wiebensohn. „Sie passen nur nicht mit dem Kleingartenwesen zusammen.“ Weber-Herfort verweist auf Beispiele aus anderen Städten: „Man kann viel lockerer mit solchen Sachen umgehen.“ Es brauche ein Konzept, das mit den Bürgern entwickelt werde. Der Verein müsse offener arbeiten und unbedingt wieder Nicht-Itzehoer als Pächter der Parzellen zulassen.

Der Ton war offenbar teils scharf in der Versammlung, Schiller sah den Notvorstand durch Vertreter der Initiative beleidigt: „Wir machen das alles ehrenamtlich.“ Ein Nicht-Mitglied sei danach auch noch im Internet ausfallend geworden: „Ich werde Strafanzeige stellen.“ Doch eigentlich, sagen sowohl Wiebensohn als auch Weber-Herfort, sei eine Konfrontation nicht nötig.

In den kommenden Wochen soll es ein Treffen mit einer Arbeitsgruppe der Stadt geben, auch der Verein soll tagen und möglichst im März einen Vorstand wählen. „Ich möchte den Verein unbedingt erhalten“, sagt Wiebensohn, erst seit Mai 2017 im Vorstand und nach eigenen Worten „noch nicht verschlissen“. Wenn es um die Aufgabe von Anlagen gehe, werde es bei den Pächtern verständliche Unruhe geben, sagt George. Das tue ihr schon jetzt leid, so die Rechnungsführerin. „Aber sonst haben wir bald alle keinen Garten mehr.“

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