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Norddeutsche Rundschau

17. Oktober 2017 | 23:09 Uhr

Käse-Streit : Dem echten Tilsiter auf der Spur

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Hohenlockstedter Käse-Experte Detlef Möllgaard sucht weiter nach dem Originalrezept.

von
erstellt am 21.Aug.2015 | 12:00 Uhr

Beides heißt Tilsiter – doch die schleswig-holsteinische Käsesorte hat einen herbaromatischen Geschmack und eine gerstenförmige Lochung, die schweizer Sorte hat kreisrunde Löcher und schmeckt leicht süßlich. Für den Hohenlockstedter Käsefachmann Detlef Möllgaard ist jedoch nur das Produkt mit den kreisrunden Löchern der echte Tilsiter Käse. Dies hat auch die Europäische Kommission so gesehen. Auf Betreiben von Möllgaard, Mitbegründer der Käsestraße Schleswig-Holstein, wurde der Begriff „Holsteiner Tilsiter“ von der EU 2013 geschützt.

Doch die Schweizer werben weiterhin mit ihrem echten Tilsiter. Da das Land nicht Mitglied der EU sei, könne es den Schweizern nicht verboten werden, so Möllgaard. „Dabei braucht der echte Tilsiter maritime Bedingungen.“ Für Möllgaard, der über seinen Meierhof, die meisten Käsesorten der schleswig-holsteinischen Käsereien vertreibt, ist der Schweizer Käse einfach nur ein „Bergkäse“. Um den Namensanspruch zu untermauern, ist Möllgaard seit Jahren auf der Suche nach dem Originalrezept. Dieses stammt von Emmi Westphal, die den Käse um 1840 in Tilsit (damals Ostpreußen, heute Russland) erstmals hergestellt hat. Der Hohenlockstedter ist jetzt wieder mit einer Reisegruppe in Tilsit, wo er auf den Spuren des echten Tilsiters unterwegs und auch auf der Suche nach dem Rezept ist.

„Frau Westphal wusste wohl die natürlichen Voraussetzungen wie Klima, Milchbeschaffenheit und Reifebedingungen am besten zu nutzen“, sagt Möllgaard. Offenbar sei ihr der Käse gut gelungen, denn er verbreitete sich schnell. „So wurde der Tilsiter Käse geboren, der weltweit als German Cheese mit der markanten Schlitzlochung bekannt ist.“ Führender Hersteller des klassischen Tilsiters sei heute die genossenschaftliche Käserei Holtsee. Damit ist für ihn klar, dass unter dem Begriff Tilsit nicht die Stadt, sondern immer der Käse gemeint ist, der im maritimen Klimabereich entstanden und somit der „Käse des Nordens“ ist.

Möllgaard bemängelt allerdings, dass es hier an der „emotionalen Vermarktung“ der Käsespezialität fehlt. Hier seien die südlichen Länder deutlich weiter, auch die Schweizer, sagt der Experte trotz der Differenzen um den Namen anerkennend. Die Alpenländer behaupteten, dass der Käse erstmals von einem Schweizer 1893 in Tilsit produziert und später das Rezept in die Schweiz gebracht worden sei. Unter der Marke „Original Switzerland Tilsiter“ oder „Alpen-Tilsiter“ werde er verkauft. Letzter Marketing-Gag: Da Tilsit nach dem Zweiten Weltkrieg russisch wurde und jetzt Sowjetsk heißt, habe man in der Schweiz die Gunst der Stunde genutzt und 2007 einen Ortsteil der Gemeinde Bisseg im Kanton Thurgau, wo sich eine Käserei befindet, in Tilsit umbenannt. „Frecher kann man es nicht machen“, sagt der Hohenlockstedt.

Die Schweizer sehen dies anders. „Die Idee, Tilsit in der Schweiz zu gründen, hat zum Ziel, dem weitgereisten Tilsiter eine Heimat zu geben – und gleichzeitig mit der Mutterstadt Sovetsk/Tilsit gute Beziehungen zu pflegen“, heißt es auf deren Internetseite dazu. „Darum wurde am 1. August 2007 Tilsit in der Schweiz gegründet, genau dort, wo Otto Wartmann 1893 den ersten Schweizer Tilsiter käste.“

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