OHne PVC : Deckel-Boom ganz in Blau

Kein PVC verwendet: Das ist an der blauen Dichtung der Marke Blue Seal sofort zu erkennen, wie Sabine Andresen zeigt.
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Kein PVC verwendet: Das ist an der blauen Dichtung der Marke Blue Seal sofort zu erkennen, wie Sabine Andresen zeigt.

Pano Verschluss GmbH erobert mit ihren Produkten ohne PVC den Markt: Zweite Halle an der Fraunhoferstraße im Bau.

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26. Januar 2015, 05:00 Uhr

Eine halbe Milliarde Deckel für Gläser und Dosen. Das war bislang die Jahresproduktion der Pano Verschluss GmbH. Nun werde das Unternehmen erstmals jenseits von 600 Millionen Deckeln landen, sagt Geschäftsführer Wulf Eberhardt. Die Umstellung auf Verschlüsse ohne PVC ist in vollem Gange: „Das boomt jetzt.“

Zuvor war Geduld gefragt. Vor mehr als fünf Jahren machte sich das Unternehmen auf den Weg, das Polyvinylchlorid als Dichtung in den Metallverschlüssen zu ersetzen. PVC wird erst durch Weichmacher geschmeidig, die aber fettlöslich sind und in die Lebensmittel im Glas gelangen. Pano setzt ein Kunststoff-Granulat der Bremer Firma Actega ein – in auffälligem Blau passend zur Marke Blue Seal. Aber auch neutrales Weiß ist möglich.

Der wichtige Kunde Feinkost Dittmann habe die Standards gesetzt, „das hat uns geholfen“, sagt Eberhardt. Jetzt werde die Entwicklung vom Handel getrieben: Eine Ladung Deckel für griechische Oliven wird Richtung Mittelmeer geliefert. In Kürze stehen die Gläser dann beim Discounter. Ein anderer Discounter habe sich gerade „aus heiterem Himmel“ für PVC-freie Deckel auf Senfgläsern entschieden. Alle Ketten beschäftigten sich mit den PVC-freien Verschlüssen. Und der frühe Start zahlt sich aus für Pano, denn das Unternehmen hat einen weiten Vorsprung: „Mengenmäßig und technologisch.“

Laufend werde weiter investiert, denn immer neue Deckelgrößen zwischen knapp vier und acht Zentimetern seien gefordert, sagt Eberhardt. Besonders im Bio-Bereich seien Pano-Deckel stark vertreten. An sieben Tagen in der Woche wird im Schichtbetrieb produziert – und es reicht doch nicht, um die Nachfrage zu befriedigen. „Das ist wirklich ein Luxusproblem, und es zeigt das Potenzial“, sagt der Geschäftsführer. „Wir haben nicht einmal Zeit, die Maschinen umzustellen.“

Viel wird immer noch in der Gasstraße produziert und dann in den neuen Firmensitz in der Fraunhoferstraße transportiert, um von dort ausgeliefert zu werden. 2011 wurde die erste Halle eingeweiht, die zweite entsteht gerade. Am Ende werden es 10  000 Quadratmeter für die Produktion sein, hinzu kommen knapp 1000 Quadratmeter für die Verwaltung des mittlerweile rund 140 Mitarbeiter starken Betriebs. Auf weitere Flächen nebenan hat Pano eine Option. Der komplette Umzug mit Druckerei und Lackiererei aus der Gasstraße werde aber noch eine Weile dauern.

Parallel plant der 64-Jährige seinen Wechsel in den Aufsichtsrat in den nächsten zwei Jahren. Die Hoffnung ist, dass nach einer Übergangszeit in der Geschäftsführung sein Sohn den Familienbetrieb übernimmt. Die Situation jedenfalls sei sehr gut, sagt Eberhardt: „Wir wachsen zurzeit jedes Jahr um zehn Prozent.“ Das liegt vor allem an den PVC-freien Deckeln mit einer Steigerung von 40 Prozent. Schon jetzt machten sie die Hälfte der Produktion aus – Tendenz steigend.

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