Kirchensanierung in Wilster : Dauerbaustelle Gotteshaus

Aufgeräumt und in tadellosem Zustand – bis auf zwei durchgefaulte Holzbalken: der Dachboden der St. Bartholomäuskirche.
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Aufgeräumt und in tadellosem Zustand – bis auf zwei durchgefaulte Holzbalken: der Dachboden der St. Bartholomäuskirche.

Die Arbeiten am Dach der St.-Bartholomäus-Kirche stehen vor dem Abschluss. Danach soll das Mauerwerk der Fassade saniert werden.

shz.de von
07. März 2018, 05:00 Uhr

Eigentlich wollte Thomas Urch nur der Ursache für abblätternde Farbe im Innenraum des Gotteshauses auf die Spur kommen. Der Grund war auch schnell gefunden: Ein verstopftes Fallrohr war im Frost aufgeplatzt, Wasser floss ins Mauerwerk. Der Schaden war schnell behoben. Bei seinen Nachforschungen stolperte der Vorsitzende des Bauausschusses im Kirchengemeinderat allerdings über zwei gewaltige Dachbalken, die von außen kaum sichtbar offenbar schon seit Jahren vor sich hinrotteten. Sie sind der Grund dafür, dass die St.-Bartholomäus-Kirche in Wilster seit Wochen zwei gewaltige Gerüste zieren und Teile des Marktplatzes vorsorglich abgesperrt sind. Wegen der Frostperiode waren die Arbeiten am Dach zuletzt ins Stocken geraten.

Die maroden Balken hat die Beidenflether Zimmerei Ossenbrüggen bereits ausgetauscht – unter den gestrengen Blicken der Denkmalschützer. Auf dem Dachboden selbst ist von den Arbeiten kaum etwas zu sehen. Der Weg dorthin führt über immer steilere Treppen und zuletzt über hölzerne Leitern. Wer den Aufstieg geschafft hat, dem offenbart sich ein bemerkenswert sauberes und aufgeräumtes Dachgeschoss. In einer Großaktion war dort in den vergangenen Jahren schon einmal Holzstaub beseitigt worden. Jetzt liegen dort lediglich noch einige Paletten mit Dachziegeln herum, die vorsorglich angeschafft worden waren.

An unzugänglicher Stelle, so erläutert Urch, hatte sich durch verschobene Dachziegel Wasser seinen Weg ins Innere gebahnt und mit den Jahren zwei massive Balken regelrecht ausgehöhlt. Die letzten Arbeiten durch die Wilsteraner Dachdeckerei Neumann stehen jetzt noch aus. Dann sollen die Gerüste auch wieder verschwinden. Die Gesamtkosten, so Urch, lägen im unteren fünfstelligen Bereich.

Für Thomas Urch bleibt die vor fast 240 Jahren eingeweihte und vom Hamburger Baumeister Ernst Georg Sonnin entworfene Kirche dennoch eine Dauerbaustelle. Aktuell läuft eine Planung und Kostenanalyse für die Grundsanierung des äußeren Mauerwerks. Die Besonderheit: Statt Zementmörtel darf dabei nur Muschelkalk zum Verfugen eingesetzt werden.

„Hier gibt es immer etwas zu tun“, weiß Urch um die Herausforderungen alter Kirchen, die trotz aller Zuschüsse auch die Gemeinde in Wilster an ihre finanziellen Grenzen bringen. Dennoch denkt Urch schon weiter: Am Ende soll das Gotteshaus auch noch zeitgemäß mit einer Toilette und einer kleinen Teeküche ausgestattet sein. Die komplette Beleuchtungsanlage war im vergangenen Jahr fertiggestellt worden. Auch die Pflasterung rund um die Kirche wird noch Thema sein.

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