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Norddeutsche Rundschau

18. Dezember 2017 | 02:42 Uhr

Kultur : „Das wird was in Itzehoe“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ein Ensemble aus mehreren Chören bereitet sich auf ein einzigartiges Projekt im Theater Itzehoe vor.

shz.de von
erstellt am 17.Mär.2015 | 05:00 Uhr

Itzehoe | Sie haben es getan. In Flensburg, in Schleswig, in Husum, in Rendsburg, und nun kommen sie nach Itzehoe. Dabei haben sie nur drei Mal zusammen geprobt: Die 190 Musiker, inklusive der über 100 Sänger aus verschiedenen Chören, die das fünfte Sinfoniekonzert des Landestheaters, Benjamin Brittens „War Requiem“, am Sonnabend, 21. März, 19.30 Uhr, auf die Bühne des Theater Itzehoe bringen.

„Es war schon eine große Herausforderung, alles im Vorwege logistisch zu planen, auf die Eigenheiten der Akustik der einzelnen Spielstätten einzugehen“, sagt Generalmusikdirektor und Dirigent Peter Sommerer. Denn vor dem Auftritt in Itzehoe bleiben ihm und den Musikern nur eine Stunde, um kurz anzuspielen. „Jeder weiß, wo er zu stehen hat, was er machen muss. Da wird nur noch ein Plan abgearbeitet – sonst würde das alles ohnehin im Chaos enden“, sagt Sommerer, der zuvor die einzelnen Ensembles allein gehört hat. Die Energie, die für längere Proben draufgehen würde, könne er besser für das Konzert gebrauchen. „Es muss sich nur noch zu einem Ganzen fügen, aber das hat bislang gut geklappt, und das wird auch was in Itzehoe.“

Besondere Herausforderung ist dabei die Integration des Kinderchors des Landestheaters, der zum ersten Mal bei einem Sinfoniekonzert mitwirkt und schon bei den Proben auf dem Museumsberg in Flensburg sein Können zeigt. Junge Mädchen flitzen durchs Bild, an Dirigentenpult und Notenständern vorbei, beißen nochmal in einen Apfel und nehmen nach und nach Platz. Die Spannung vor der gemeinsamen Probe aller Sänger ist greifbar. Chordirektor Bernd Stepputtis hat seit September einmal monatlich von Sonnabend bis Montag in Hamburg mit 30 Sängern und Sängerinnen des Extrachores der Hamburgischen Staatsoper an dem Stück gearbeitet. Parallel dazu bereitete Stepputtis das Stück mit dem Opernchor des Landestheaters und dem Flensburger Extrachor vor. Für den Chor sei die „ungeheure Komplexität des Werkes“ die größte Schwierigkeit.

Vor einem Meer von Frauen- und Männerstimmen erklingen die Kinderstimmen. Sommerer dirigiert, in seinem Rücken unterstützt Oxana Sevostianova ihre Schützlinge mit Mimik und Gestik. Die Altistin im Opernchor hat den Part mit dem Kinderchor einstudiert. Der Chor-Nachwuchs ist fokussiert, aber nicht angestrengt. Einige Kinder kommen aus musikalischen Elternhäusern – so wie die gerade mal neunjährige Emma von Blanckenburg: Ihr Vater Kai-Moritz ist Sänger am Landestheater. Für die elfjährige Liv Kruse ist vor allem die lateinische Sprache des War Requiems schwierig.

Der Besonderheit sind sich wohl alle bewusst – und Sommerer hofft, dass sich das auch auf das Publikum überträgt. „Nachdem im vergangenen Jahr des hundertsten Jahrestages des Ausbruches des Ersten Weltkrieges gedacht wurde und in diesem Jahr der 70. Jahrestag des Ende des Zweiten Weltkrieges begangen wird, ist es wichtig, eine Friedensmission zu haben.“ Und dafür sei so ein Stück genau richtig: „Mit so vielen Chören – das macht man nur alle Jubeljahre.“ Die Vorplanung sei schwierig gewesen, aber die bisherigen Vorstellungen hätten einfach nur Spaß gemacht. Deswegen sei es „gut möglich, dass wir mit einem ähnlichen Projekt in den kommenden Jahren noch einmal in Itzehoe aufschlagen“.

Dass die Stadt auch ein gutes Pflaster für ihn sein könnte, daran hat Sommerer keinen Zweifel. „Wir haben hier alle genug Platz, die Akustik in dem schön runden Haus ist gut.“ Am Ende komme es aber darauf an, dass das richtige Gefühl transportiert werde – so wie bei der Premiere in der A.P. Møller Skolen in Schleswig. Sommerer: „Da waren die Zuschauer so dabei – ich habe es noch nie erlebt, dass die Pause zwischen letztem Ton und Applaus so lang war. Das hat sehr, sehr lange gedauert.“

Karten kosten zwischen 21,60 und 34,90 Euro (plus Gebühr), an der Abendkasse wird es teurer.
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