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Gelungene Integration : „Das Wichtigste ist, Deutsch zu lernen“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ein gutes Beispiel für Integration: Heide ist für Mamadou Makhtar Sabaly in kürzester Zeit zur zweiten Heimat geworden.

Der Raum füllt sich. Die Leute reden miteinander, einige wirken in sich gekehrt, andere etwas müde. Doch die träge Stimmung schlägt gleich um. Denn jeder weiß, was ihm blüht: Arbeit mit Hanteln, Gymnastikbällen und dem Schwingstab. Kraft- und Ausdauertraining ist angesagt, Stabilisierungsübungen und zwischendurch gibt es eine Trinkpause. Der Mann, der sie fordert und fördert heißt Mamadou Makhtar Sabaly. Nicht jeder auf der Station kann sich diesen Namen merken. Deshalb rufen ihn alle „Bernd“. Das ist schön einprägsam – und hat mit funktionierender Integration zu tun.

„Bernd“ alias Mamadou Makhtar Sabaly ist gebürtiger Senegalese und arbeitet als Bewegungstherapeut in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Heider Westküstenklinikums. Er hat erreicht, was vielen Menschen seiner Hautfarbe verwehrt bleibt – einen festen Job und gesellschaftliche Anerkennung. Nach der Probezeit folgte die Übernahme in das Angestelltenverhältnis. Für seinen Chef Dr. Thomas Birker steht fest: „Herr Sabaly kommt hier echt klasse an. Er besitzt das nötige Einfühlungsvermögen und hat eine tolle Art, mit Menschen umzugehen.“

Depressive, Suchtkranke, Patienten mit Ängsten oder demenziellen Erscheinungen – das Krankheitsbild der Patienten hat viele Gesichter. „Die zu mir kommen, haben Probleme. Deshalb ist es wichtig, Ruhe zu bewahren. Ich höre zu, rede mit ihnen und schenke Vertrauen“, erzählt der 41-Jährige. „Ich habe zwar nicht studiert und besitze kein Diplom, aber ich kann es“, berichtet er davon, wie er sein Wissen im Laufe der Zeit erweitert hat. „Mein Ziel ist es, die Antriebsschwäche zu bekämpfen und sie durch körperliche Aktivitäten wieder aufzupäppeln. Und wenn ich nach getaner Arbeit in ihre entspannten Gesichter blicke, dann spüre ich Freude.“

Sabaly kam im November 2012 nach Heide. Und das hatte in erster Linie sportliche Gründe. Auf dem Höhepunkt der damaligen sportlichen Krise verpflichtete der HSV-Vorstand ein neues Funktionsteam für die erste Fußballmannschaft – mit ihm als Assistenztrainer. „Den ‚Bernd‘ hat mir unser Chefcoach Thomas Möller verpasst, aber das ist schon länger her. ‚Als Bernd bist Du hier sofort eingemeindet‘, hatte er mir gesagt. Und der Rest findet sich von alleine.“ Wenn Mamadou Sabaly lacht, geht die Sonne auf, auch wenn sie in Wirklichkeit nicht scheint. Der Mann ist eine Frohnatur, ein Optimist, der mit seiner herzlichen Art Menschen mitreißen kann.

2001 verließ er den schwarzen Kontinent, um seine Laufbahn als Profikicker fortzusetzen. Seine erste Station in Europa war der spanische Zweitliga-Klub Levante DU. Stolz zeigt er die Farbfotos mit den Profis von damals. Es folgten Engagements in den höchsten Ligen Marokkos und Algeriens.

2004 dann der Sprung nach Deutschland. Mamadou Sabaly, der Weltenbummler, lernt die raue westliche Fußballwelt mit ihren unerfreulichen Seiten kennen: „Die Vereine haben leider nicht immer ihre Versprechungen eingehalten.“ Der Anfang sei auch in anderer Hinsicht nicht immer einfach gewesen, blickt er auf seine Zeit beim FC Anker Wismar zurück. „Leute haben mich aufgrund meiner Herkunft beleidigt. In einer Discothek bin ich sogar von einem Mann mit einem Messer angegriffen worden.“

Es folgten zahlreiche Vereine mit nur kurzen Gastspielen, unter anderem VfB Lübeck. Richtig heimisch ist er erst in Heide geworden. Den Sprung an die Westküste hat er bis heute keine Sekunde bereut. Als Physiotherapeut, Fußballtrainer und notfalls als Spieler steht Sabaly seinen Mann. „Ich bin fast jeden Tag auf dem Platz“, sagt er. Seit neuestem ist der Vater von zwei Kindern auch Fitnesscoach bei den American Footballern der Heide Saints. „Ich wurde gleich sehr gut aufgenommen worden und fühle mich wohl. Man kann auch sagen, dass ich jetzt ein Dithmarscher bin.“

Natürlich gebe es hier Beispiele von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Auch der Senegalese ist davon nicht verschont geblieben. Doch den Migranten, die immer zahlreicher Zuflucht suchen und sich auf Dauer niederlassen wollen, rät Sabaly, sich nicht einschüchtern zu lassen. Zum anderen sei, betont er, Eigeninitiative gefordert: „Ihr müsst aktiv werden und etwas tun. Das Wichtigste ist, Deutsch zu lernen. Sprache ist der Schlüssel zur Integration. „Du musst auf die Menschen zugehen und Kontakt suchen. Sonst bleibst Du isoliert.“

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