Elbvertiefung : Das unterschätzte Öko-Drama

Die Elbe bei Wedel als Autobahn für immer größere Containerriesen: Über die Folgen einer weiteren Elbvertiefung auf die Umwelt streiten die Experten auch im Kreis Pinneberg.  Foto: Gabriel
Die Elbe bei Wedel als Autobahn für immer größere Containerriesen: Über die Folgen einer weiteren Elbvertiefung auf die Umwelt streiten die Experten auch im Kreis Pinneberg. Foto: Gabriel

Naturschützer warnen vor den Folgen einer neuerlichen Elbvertiefung. Tiere und Pflanzen könnten mit einer ausgebaggerten Elbe ihre Probleme haben - vielleicht sogar abwandern.

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23. März 2012, 10:02 Uhr

Kreis Pinneberg | Großprojekt Elbvertiefung - während sich Niedersachsen seit Jahren hartnäckig gegen die Ausbaggerung zur Wehr setzt, hat Schleswig-Holstein das Vorhaben jetzt völlig unaufgeregt durchgewinkt. Dabei gibt es auch und gerade im Kreis Pinneberg Vorbehalte gegen die geplante Vertiefung der Fahrrinne um bis zu 2,40 Meter, allen voran bei Naturschützern. "Die Elbvertiefung und ihre Auswirkungen auf die Natur halten wir für sehr bedenklich", warnt Hans Ewers, Schutzgebietsreferent in der Haseldorfer Marsch und stellvertretender Landesvorsitzender des Naturschutzbundes (NABU).
Auch in der Wedeler und der Haseldorfer Marsch würde laut Ewers der Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere verloren gehen, sollte die Fahrrinne, wie von Hamburg gewollt, erneut ausgebaggert werden. "Die Kinderstube" vieler Elbfische wie Stinte und Flinte sei durch Versandung der Flachwasserzonen akut gefährdet. "Dramatische" Folgen hätte eine Vertiefung auch für Kleinstlebewesen in den ökologisch hochwertigen Wattgebieten der Elbe. Und: Niemand wisse genau, wie weit sich das Salzwasserflussaufwärts verschiebt, wenn der Strom erneut tiefer werde, mahnt der NABU-Mann. Gutachter rechnen damit, dass die Mischzone von Süß- und Salzwasser (Brackwasser) um bis zu 13 Kilometer in Richtung Hamburg wandert und dann bis Hetlingen das Grundwasser versalzt. Um diese Frage tobt ein Expertenstreit. Die planende Wasser- und Schifffahrtsdirektion Kiel erwartet eine Verschiebung um lediglich 1,8 Kilometer.
Boden könnte zu salzig werden
Angesichts der diversen Gefahren wundern sich Projektgegner in Niedersachsen über die lautlose Zustimmung zur Fahrrinnenvertiefung am nördlichen Elbufer. "Ich bin enttäuscht, dass der Widerstand in Schleswig-Holstein viel geringer ist als in Niedersachsen", gestand Klaus Schroh vom BUND in Cuxhaven während einer öffentlichen Diskussion zum Thema in Wedel.
Auf Einladung des BUND Kreisverbandes Pinneberg erörterten Experten dort die Auswirkungen einer Vertiefung auf die anliegenden Regionen. "Eine Versalzung des Bodens droht nicht nur im Alten Land, sondern auch in Schleswig-Holstein", unterstrich Walter Rademacher vom Regionalen Bündnis gegen die Elbvertiefung. Manfred Braasch, Geschäftsführer des BUND Hamburg, sieht den Schierlingswasserfenchel als mögliches Opfer des Ausbaus. Das unscheinbare Pflänzchen komme weltweit nur noch an der Tideelbe vor und gelte als "botanischer Pandabär". Braasch: "Davon gibt es nur noch 2500 Exemplare, die in Gefahr geraten, wenn sich die Brackwassergrenze verschiebt." Laut Ewers existiert im Watt vor dem Fährmannssand bei Wedel ein Restbestand der Rarität.
Gleichwohl hatte der Pinneberger Kreistag kürzlich in einer Stellungnahme die Elbvertiefung gutgeheißen. Auch die Kieler Landesregierung sieht mögliche Negativfolgen gebannt. Umweltministerin Juliane Rumpf (CDU): "Die Deichsicherung ist nicht eingeschränkt, auch die Belange des Naturschutzes sind angemessen berücksichtigt."

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