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Kampf gegen Depressionen : Das Schweigen durchbrechen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Nadine Schütt leidet unter Depressionen: Sie will eine Selbsthilfegruppe in Glückstadt gründen.

von
erstellt am 27.Okt.2017 | 05:09 Uhr

Die Panikattacke kam mitten auf dem Marktplatz. Nadine Schütt nahm ihre beiden Kinder und ging in einen Drogeriemarkt. Dort hielt sie sich lange auf, bis es vorbei war. Angst, Panik, schlotternde Beine: Die 35-Jährige leidet unter Depressionen. Und sie weiß, dass sie mit dieser Krankheit nicht alleine ist. Schütt möchte sich darüber austauschen und eine Selbsthilfegruppe gründen. „Ich möchte Mut machen – das Schweigen durchbrechen.“

Es fing im Januar 2004 an, erklärt sie. Ihr erstes Kind war gerade geboren. „Ganz plötzlich hatte ich Kreislaufschwierigkeiten. Und ich hatte Angst rauszugehen.“ Sie konnte sich nur in der Wohnung aufhalten. Erst nach ein paar Wochen ging sie zum Arzt – damals lebte sie noch in Elmshorn. Sie bekam Tabletten, es ging ihr zunächst besser. 2006 kam das zweite Kind. Zunächst ging es ganz gut, dann kamen die Beschwerden wieder. „Zwei Jahre später hat mich die Krankheit dann extrem heimgesucht. Ich war nicht mehr in der Lage, die Kinder in den Kindergarten zu bringen“, erklärt die gelernte Verkäuferin.

In dieser Zeit half ihr ihre Schwester. Heute weiß Nadine Schütt, dass sie durch ihr Verhalten in eine „Vermeidungsstrategie“ geriet. „Ich bin damals darin hängen geblieben.“ Doch dann, so sagt sie: „Bekam ich Druck vom Jugendamt. Sie solle etwas unternehmen, hieß es. Nadine Schütt besuchte deshalb eine Tagesklinik. „Ich habe es aber nicht durchgehalten.“ Irgendwann aber wurde ihr klar: „Ich musste erkennen, ich bin krank und muss etwas ändern.“ 2009 zog sie in eine neue Wohnung gegenüber des Kindergartens, weil das Jugendamt bisher die Taxifahrten der Kinder zur Kita bezahlte. „Ich war nicht mehr in der Lage, sie dort selbstständig hinzubringen.“ Sie machte eine ambulante Therapie.

Dann, vor drei Jahren zog sie nach Glückstadt. „Ich brauchte einen Tapetenwechsel.“ Und sie heiratete 2016 – es ist ihre erste Ehe. Ein einschneidendes Erlebnis war für sie ein Besuch im Job-Center. Sie sollte zum Gespräch in den zweiten Stock, doch das konnte sie nicht. Sie bat an der Anmeldung, ob der Sachbearbeiter herunter kommen könnte. Es war kein Problem, Er kam runter. „Seither gehe ich offen mit der Krankheit um.“ Sie weiß, was es bedeutet, nicht mehr zu können. Sie hat viel geweint, nichts gegessen und wochenlang auf dem Sofa verbracht. „Ich hatte nicht einmal mehr die Kraft, meine Haare zu waschen. Ich habe vor mich hin vegetiert.“

Zurzeit macht sie wieder eine ambulante Therapie bei einer Psychologin. Sie hat es für gut befunden, so Nadine Schütt, dass sie aktiv wird und eine Selbsthilfegruppe gründet. Jetzt will sie abwarten wer sich meldet, um dann entsprechende Räume für die Treffen zu suchen.

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