zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

23. Oktober 2017 | 03:45 Uhr

Stadtkirche : Das Schweigen der Glocken

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der Turm der Stadtkirche Glückstadt wird aufwändig saniert. Fäulnis bedroht tragende Balken.

von
erstellt am 20.Sep.2014 | 08:15 Uhr

Kopfgroße Löcher und blanke Fäulnis, verursacht durch Feuchtigkeit, Schwamm und Insekten haben tragende Balken im Turm der Glückstädter Stadtkirche nachhaltig geschädigt. Dies wurde im vergangenen Jahr bei einer Überprüfung festgestellt. Seit einiger Zeit sind Handwerker jetzt damit beschäftigt, diese Schäden an Glückstadts prägnantestem Bauwerk auszubessern.

Als „schlimm und gefährlich“ beurteilt der 67-jährige Dr. Ing. Karl-Ernst Bürkner aus Ellerhoop den Befall. Unter Federführung des erfahrenen Restaurators werden die komplizierten Arbeiten ausgeführt. „Es musste unbedingt gehandelt werden“, sagt Bürkner. Denn in die massiven Balken hat sich durch die Fäulnis so ziemlich jeder Holzschädling eingenistet. Über Jahrzehnte muss diese Leckage unentdeckt geblieben sein.

Die Stadtkirche wurde von 1618 bis 1629 als erste evangelische Kirche in den Herzogtümern Holstein und Schleswig erbaut. Da sich der nach oben verjüngende Kirchturmkopf anstatt auf Mauerwerk nur auf massive Balken stützt, bestand durchaus erneut die Gefahr eines Einsturzes – ähnlich der Katastrophe von 1648, als nur das Taufbecken im Kirchenschiff einen gewaltigen Einsturz überstand.

Nach dem Wiederaufbau haben Baumeister früherer Generationen vier Balkendecken im Kreuz- und Diagonalverband eingezogen, um dem Turm Stabilität zu verleihen. Bürkner: „Keine so richtig sichere Bauweise.“ Zusätzlich – um Gewicht zu gewinnen – setzte man die tonnenschwere Glockenstube auf diese Balkenlage. Da aber die Balken mit ihren Auflagern im Mauerwerk verrotten, hatte sich die Gefahr für den Turm dramatisch vergrößert. Eine Folge: Die Glocken dürfen vorerst nicht mehr läuten. Denn durch die Schwingungen könnten sich die maroden Balken weiter lockern.

Zu Gottesdiensten oder anderen kirchlichen Anlässen müssen die Glocken schweigen. „Das bedrückt uns sehr,“ sagt Pastor Stefan Egenberger. „Ich hoffe, die Handwerker bekommen das wenigstens zum Erntedank hin.“ Der Glückstädter Pastor teilt mit, dass das Kirchenschiff von den Arbeiten unbetroffen bleibt. Gottesdienste und Veranstaltungen finden in gewohnter Weise statt.

Zur Stabilisierung wurde im vergangenen Jahr ein zweiter massiver Stahlträger eingezogen. Schon vorher war ein Stahlträger für mehr Stabilität eingebaut worden war. Jetzt können die Handwerker relativ sicher ihre komplizierte Arbeit ausführen. Denn die geschädigten Balken werden an den Köpfen nach den Vorschriften und Genehmigungen des Denkmalschutzes entweder mit neuem Holz oder mit Stahl verbunden. Dafür musste im Inneren die sogenannte Wandkrone abgetragen werden, um die Auflager der Balken frei zu legen.

„Ich bin froh, mit der Zimmerei Maack aus Tornesch in diesem Bereich erfahrene Männer, die sogar in Restaurierungs-Wettbewerben ausgezeichnet wurden, gewinnen zu können“, erklärt Bürkner. Der Ellerhooper gilt als ausgewiesener Fachmann für Restaurierung und Erhalt historischer Bauten. Erfahrung und Akribie des Spezialisten wird nicht nur landes-, sondern bundesweit geschätzt. Als Architekt und vor allem – das ist ihm ganz wichtig – als Statiker obliegen ihm Planung, Aufsicht, Auftragsvergabe. Noch etwa zwei Monate, so schätzt der Fachmann, werden die akkurat auszuführenden Arbeiten andauern. Der Kosten belaufen sich auf etwa 95 000 Euro. Die übernehmen zu zwei Dritteln der Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf und zu einem Drittel die Kirchengemeinde.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen