Wirtschaft in Itzehoe : Das Ringen mit dem Datenschutz

Hochwertiges aus Granit – darum kümmert sich Silke Fischer-Tiedemann eigentlich lieber als um Aktenordner zum Datenschutz.
Hochwertiges aus Granit – darum kümmert sich Silke Fischer-Tiedemann eigentlich lieber als um Aktenordner zum Datenschutz.

Nach dem Start der umstrittenen EU-Verordnung: Mehr Gelassenheit, aber immer noch viele Fragen.

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19. Juli 2018, 05:04 Uhr

Nein, dazu sagen sie lieber nichts. Diese Reaktion ist nicht selten auf die Frage, wie es eine Firma mit der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) hält. Bloß keine schlafenden Hunde wecken. Wie sieht es einige Wochen nach dem Start der viel diskutierten EU-Verordnung aus? Silke Fischer-
Tiedemann von Fliesen Tiedemann fasst es so zusammen: „Der Hype war viel, viel schlimmer als das, was jetzt tatsächlich passiert ist.“

Nicht, dass das Thema nicht viel Arbeit verursacht hätte und weiterhin verursacht. „Auch an das Furchtbare gewöhnt man sich“, sagt die Firmenchefin. Die Flut an E-Mails aus der Anfangszeit ist abgeebbt, alle Geschäftspartner wollten sich die nötigen Erklärungen zum Datenschutz holen. Oder andere Firmen wollten die Gelegenheit nutzen, Kontakt zu knüpfen. „Viele Dinge, die ich heute nicht darf, durfte ich vorher auch nicht“, sagt Fischer-Tiedemann. Jetzt gingen sie im Unternehmen viel sensibler mit Daten um – leider vor allem wegen der Unsicherheit: „Die Gefahr, etwas falsch zu machen, ist sehr groß.“

Unsicherheit. Eines der Kernwörter bei der DSGVO. Es sei ruhiger geworden, sagt Claudia Mohr, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Westholstein. Aber: „Es kommen nach wie vor Fragen, und es wird auch in Zukunft viele Fragen geben.“ Zwischenzeitlich seien sie überschüttet worden, Probleme zeigen sich in Kleinigkeiten. Zum Beispiel: Vor den Freisprechungen muss sichergestellt sein, dass die Absolventen auch einverstanden sind mit der Veröffentlichung von Namen und Fotos. „Das Leben ist manchmal ein bisschen anders, als die Gesetze sind“, sagt Mohr. Es sei versucht worden, die rund 800 Betriebe in Pinneberg und Steinburg, für die die Kreishandwerkerschaft zuständig ist, für das Thema zu sensibilisieren. Jeder mache es nach bestem Wissen und Gewissen, doch irgendwann müssten bei dem „bürokratisierten Moloch“ die Gerichte für Klarheit sorgen.

Ebenso sieht es Paul Raab, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, Zweigstelle Elmshorn. Vieles an der DSGVO sei interpretationsfähig, „der Beratungsbedarf ist nach wie vor hoch“. Den 27 000 Firmen im Zuständigkeitsbereich werde empfohlen, wachsam zu bleiben. Hohe Bußgelder stehen im Raum, doch die befürchtete Abmahnwelle sei bislang zum Glück ausgeblieben. Auch bei der Sparkasse Westholstein gab es bisher „keine kritischen Rückmeldungen“, sagt Abteilungsdirektor Thorben Tams. Das Gesetz berge viele Unschärfen, doch die kritischen Prozesse habe das Geldinstitut organisiert. „Aufregung in der Kundschaft haben wir bisher nicht wahrgenommen.“

Auch bei Fliesen Tiedemann ist die Verordnung zwar ein Dauerthema, wird aber im Alltag pragmatisch gehandhabt. Manches passe auch schlicht nicht: Kunden könnten die Löschung von Daten verlangen, aber das Unternehmen müsse fünf Jahre Gewährleistung geben und die Daten für das Finanzamt zehn Jahre aufbewahren, sagt Fischer-Tiedemann, die sich zudem ärgert, dass Behörden nicht an die Verordnung gebunden sind. Die anfänglichen Sorgen hätten sich gelegt, dennoch nervt sie die „viel zu komplizierte Regelung“: Manche verdienten daran viel Geld, das müsse irgendwoher kommen. Und zwar von wem? „Letztendlich bezahlt der Kunde.“

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