Neuer Posten den Kreis Steinburg : Das macht eine Kreisfachberaterin für kulturelle Bildung

shz+ Logo
Sandra Buschmann  unterrichtet seit 2007 am SSG Musik, Deutsch und Darstellendes Spiel. Zudem leitet sie das Schulorchester. Die 50-Jährige lebt mit ihrem Partner und ihren drei Kindern in Itzehoe.
Sandra Buschmann unterrichtet seit 2007 am SSG Musik, Deutsch und Darstellendes Spiel. Zudem leitet sie das Schulorchester. Die 50-Jährige lebt mit ihrem Partner und ihren drei Kindern in Itzehoe.

Sandra Buschmann vom Itzehoer Sophie-Scholl-Gymnasium erklärt ihre neue Aufgabe als Kreisfachberaterin für kulturelle Bildung.

Exklusiv für
shz+ Nutzer
shz+ Logo

23-2176987_23-54793897_1377768381.JPG von
19. August 2019, 10:15 Uhr

Itzehoe | Ihre Jobbezeichnung klingt nicht wirklich zündend: Fachberaterin für kulturelle Bildung. Umso mehr will Sandra Buschmann daraus machen. Landesweit hat das Kieler Bildungsministerium in Kreisen und kreisfreien Städten jeweils eine halbe Stelle geschaffen. Die 50-jährige Lehrerin vom Sophie-Scholl-Gymnasium füllt sie für den Kreis Steinburg aus. Wie das geschehen soll, erklärt sie im Interview mit Lars Peter Ehrich.

Frau Buschmann, warum haben Sie sich beworben?
Kulturelle Bildung liegt mir sehr am Herzen. Unsere kulturellen Angebote in der Region mit den Museen, dem Theater, dem Kulturhof Itzehoe, dem Kulturhaus Wilster, um nur einige zu nennen, bereichern das kulturelle Leben. Diese Angebote noch interessanter für die junge Generation zu machen, sehe ich als meine zentrale Aufgabe an. Hier können wir von anderen Regionen lernen, in denen Schüler beispielsweise zu Kulturscouts ausgebildet werden, so zu Vermittlern für kulturelle Angebote für Mitschüler werden und selbst in den Kulturbetrieb hineinschnuppern. Ich wünsche mir, dass wir in den Schulen noch häufiger den Blick über den Tellerrand wagen und Kontakte zu kulturellen Einrichtungen herstellen. Das könnte man im alltäglichen Leben merken.

Woran?
Wenn ich Konzerte besuche oder im Theater bin oder bei der Kulturnacht, einer tollen Veranstaltung, sehe ich so wenige junge Leute. Das mag an unterschiedlichen Interessen verschiedener Generationen liegen, hat aber vielleicht auch mit einem fehlenden Erstkontakt zu tun. Hier sehe ich mich als Bindeglied zwischen der Institution Schule und den außerschulischen kulturellen Einrichtungen. Es ist eine tolle Sache, die Möglichkeit zu haben, zu anderen Schulen Kontakt aufzunehmen und zu sehen, was es dort gibt. Ich habe große Lust dazu.


Ich möchte mit den Kräften vor Ort etwas auf die Beine stellen. Sandra Buschmann
 


Was verstehen Sie für diese Aufgabe unter Kultur?
Es ist ganz weit gefasst. Musik ist mein persönlicher Schwerpunkt, aber der Kreisfachberater in Pinneberg ist beispielsweise ein Historiker, mit dem ich schon ein großes Projekt angeschoben habe: die Wiederbelebung der Gedenkstätte am Galgenberg in Itzehoe, des so genannten Germanengrabs. Wir wollen dort mit ganz neuem Konzept einen Gedenkraum aufbauen, zu dem viele Schulen nicht nur aus Itzehoe kommen. Der Heimatverband hat mit unserer Unterstützung einen Förderantrag beim Bund gestellt. Es gibt auch schon einen sehr guten Kontakt zum Haus der Jugend, das ja gegenüber liegt und uns Räumlichkeiten zur Verfügung stellt.

Wie sieht Ihre Arbeit der kommenden Monate aus?

Ich habe schon einige Ideen im Kopf wie zum Beispiel ein schulartübergreifendes Projekt. Die ganz bodenständige Arbeit ist erst einmal, Kontakt zu allen Schulen aufzunehmen – das sind 43 in allen Schularten. Der andere Teil der Arbeit findet überregional mit den anderen Kreisfachberatern statt, so dass ich auch regelmäßig in Kiel sein werde. Bei dieser landesweiten Vernetzung geht es um Schulentwicklung. Vom Ministerium ist intendiert, den ästhetischen Bereich mehr in die klassischen Schulfächer einzubringen.

Wie zum Beispiel?
Es ist seit vielen Jahren wissenschaftlich erwiesen, dass Kinder leichter nachhaltig lernen, wenn sie das Erlernte mit einem Gefühlsbereich verknüpfen, also ganz platt gesagt: Mit dem Mathelehrer die Formeln singen, weil man sie sich so viel leichter merken kann. Ich höre häufig Aussagen wie: „Das Schönste, an das ich mich aus der Schulzeit erinnere, war die Theateraufführung, bei der ich dabei war oder unsere Konzerte, die wir gegeben haben.“ So wird es im überregionalen Bereich darum gehen, in der Schulentwicklung Wege zu finden, das schulische Lernen noch vielfältiger zu gestalten.

Grundsätzliche Frage: Warum ist kulturelle Bildung wichtig?
Da kann ich Bildungsministerin Prien zitieren: Kulturelle Bildung ist kein Ornament, sondern Fundament. Kunst soll nicht Weichspüler sein und in den Halbschlaf versetzen. Kunst ist dafür da, um wach zu machen und auf Missstände aufmerksam zu machen. Und das betrifft den gesamten kulturellen Bereich.

Sie sind für sechs Jahre berufen – wie sollte es danach im Kreis aussehen?
Mein Ziel ist ein Heft mit kulturellen Veranstaltungen, die Schulen abrufen können. Damit könnte eine Grundschule ohne Musik- oder Kunstlehrer gezielter Veranstaltungen auswählen. Und ich möchte mit den Kräften vor Ort etwas auf die Beine stellen, beispielsweise bildende Künstler und Fotografen ins Boot holen. Ich freue mich auf viele neue Kontakte und Impulse, die mich bei dieser interessanten Aufgabe unterstützen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen