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Suchtkrankenhilfe : Das Leben von der Sucht zurückholen

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Suchtkrankenhilfe Glückstadt informiert mit Tag der offenen Tür. Verein setzt auf Hilfe zur Selbsthilfe und Sucht-Prävention.

Es ist, als schwanke der Boden unter den Füßen. Der Blick richtet sich verschwommen in die Ferne. Konturen sind nur verschwommen-diffus erkennbar. Ein Parcours aus weißen Klebestreifen wird doppelt wahr genommen. Reaktionen: gleich Null. In diesem Zustand ist es nicht möglich, gefahrlos auf die Straße zu gehen. Geschweige denn, ein Rad, Mofa oder überhaupt ein Auto sicher zu steuern. Aus dem Hintergrund lenkt aber die beruhigende Stimme von Richard Hartwig: „Was Du jetzt erfährst, sind simulierte 1,5 bis 1,9 Promille Alkohol im Blut.“ Nein, diese Erfahrung möchte ich nicht im wirklichen Leben machen. Zum Glück ist es nur eine Simulation mittels einer so genannten Suchtbrille. Ich kann sie wieder absetzen. Der Alkoholkranke kann das nicht. Die Sucht nagt in ihm.

Es ist ein langer Weg vom Erkennen der Sucht bis zur Bekämpfung. Heilung erfordert unerhörte Selbstdisziplin – aber sie ist möglich. Hilfe von Fachleuten ist dabei unerlässlich. Und genau dieses dokumentierten die Mitglieder der Suchtkrankenhilfe Glückstadt an ihrem Tag der offenen Tür. „Wenn nur ein einziger mit dem festen Willen zu uns kommt, Beratung und Hilfe anzunehmen, ist das schon ein Erfolg“, begründet Vereinsvorsitzende Ingrid Schulz die Aktion. Denn die Hemmschwelle ist riesig. Wie erkenne ich meine Sucht? Wo beginnt Abhängigkeit? „Verführungen gibt es überall“, sagt Richard Hartwig. Er geht mit der Suchtbrille in Schulen, klärt Heranwachsende über die Auswirkungen übermäßigen Alkoholkonsums auf. Dabei leistet ihm die Brille wertvolle Hilfe. Denn mit dem Gerät erkennen junge Menschen erstmals, wie sich Alkohol im Blut auswirkt. „Aber wir reden ja nicht nur über Alkohol. Süchte gibt es überall. Drogen ohne Ende, Spielsucht und, noch relativ jung, aber auch nicht mehr neu: Mediensucht. „Die Aufzählung ließe sich beliebig verlängern“, erklärt Richard Hartwig. „Hol’ dir dein Leben zurück“ heißt darum ein Flyer der Suchtkrankenhilfe. Darin wird die Unterstützung der Gruppe angeboten – mit offenen und vertraulichen Gesprächen, mit Verständnis und der Möglichkeit neuer Lebensgestaltung.

„Natürlich dürfen wir nicht behandeln. Dafür ist immer eine Therapie notwendig. Aber wir vermitteln Hilfe zur Selbsthilfe. Wir können Wege aufzeigen, wie man mit Süchten umgeht“, unterstreicht Ingrid Schulz. Denn Alkoholismus ist eine Krankheit. „Alkohol ist das Drahtseil, auf dem du stehst. Alkohol ist das Schiff, mit dem du untergehst“ heißt es in einem Songtext von Herbert Grönemeyer. Und Alkohol ist kein Sanitäter in der Not. Schon mit drei Gläsern Alkohol am Tag kann es zu einem Hirnschaden kommen. Von vielen anderen Nebenwirkungen ganz zu schweigen.

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