zur Navigation springen

Abfallwirtschaft : Das langsame Aus für den Sackhalter

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Niederländisches Unternehmen stellt Produktion ein. Kein Ersatz möglich / Bürger müssen selbst für Lösung für Restmüllsäcke sorgen.

shz.de von
erstellt am 27.Mär.2015 | 05:24 Uhr

Es fiel schwer ernst zu bleiben. Zu viele Assoziationen weckt allein der Name des eigentlich außerordentlich nützlichen Geräts: Sackhalter. Denn genau um den ging es während der Kreistagssitzung am Mittwochabend. Der Sackhalter, der seit Jahren in Tausenden Steinburger Haushalte wertvolle Dienste leistet – er ist ein Auslaufmodell. Und das führte nun zur „5. Satzung zur Änderung der Satzung über die Abfallentsorgung“.

Was so sperrig klingt, bedeutet schlicht: Den Sackhalter, in dem die schwarzen 50-Liter-Säcke für den Restmüll gehängt werden, gibt’s nicht mehr. Der Hersteller, die niederländische Firma Polimoon, war in dem Unternehmen Promens aufgegangen. Und das hatte die liebgewonnenen Sackhalter schlicht aus dem Sortiment genommen. Die Anfrage, ob eine gesonderte Produktion für den Kreis Steinburg möglich sei, wurde abgelehnt.

Seit fast 40 Jahren sei der Sackhalter einmalig an alle Bürger vergeben worden, die ihren Restmüll über die schwarzen Säcke entsorgten, berichtete Dr. Jürgen Ruge, Kreistagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen und Vorsitzender des Kreisumweltausschusses. Vergeblich hätten sich Haupt- und Ehrenamt um Ersatz bemüht. „Jetzt müssen sich die Bürger selbst kümmern, soweit sie beim Sack bleiben. Aber der Trend geht ohnehin zur Tonne.“ So einfach wollte Ilona Adamski (parteilos) von der Piraten-Fraktion das nicht hinnehmen. „Ich finde das Thema gar nicht so zum Belächeln. Wir müssen davon ausgehen, dass einige Bürger Probleme mit dem Befüllen des Sacks bekommen.“ Man könne den Sackhalter nicht einfach ersatzlos streichen, sagte die Kreistagsabgeordnete, die sich gewünscht hätte, dass sich „der Ausschuss mehr Gedanken gemacht hätte“. Dem trat Manfred Schmiade (SPD) entgegen: „Mehr Gedanken geht gar nicht.“

Es gibt zwar Halter für Säcke anderer Größe – „wir hätten umstellen können und einfach neue Säcke bestellen könne“ –, aber dann „hätten wir die vorhandenen Halter alle in die Tonne treten können“, erklärte Ruge. Das wäre auch der Fall, wenn man einfach die Restmülltonne flächendeckend eingeführt hätte, wie es in den meisten Kreisen bereits der Fall ist. In Steinburg setzt man auf das langsame Aus für den Halter der schwarzen Säcke und damit auch den schrittweisen Übergang zur ebenfalls schwarzen Restmülltonne.

Noch ist eine „geringe zweistellige Anzahl“ der Sackhalter vorrätig. Ausgegeben werden sie aber nicht mehr. Sie seien für Sonderaufgaben vorgesehen. Und vielleicht wird ja eine aufgehoben – als Erinnerung an die Zeit der schwarzen Säcke im Kreis Steinburg, die „wir auch künftig noch brauchen“, scherzte CDU-Mann Dr. Reinhold Wenzlaff in Anspielung auf den Farbcode seiner Partei.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen